Single in Düsseldorf: Auf der Suche nach dem Weihnachts-Mann

Single in Düsseldorf: Auf der Suche nach dem Weihnachts-Mann

Die Düsseldorferin Antje Schneider ist Single - und hätte zum Fest der Liebe lieber einen Verlobten. Oder gleich einen Ehemann. Hier schreibt sie, was sie vor der Bescherung noch alles anstellt.

Jedes Jahr an Heiligabend. Seit 43 Jahren. Meine Mutter. Mein Vater. Meine Schwester. Seit zehn Jahren zusätzlich mein Schwager. Meine Nichte. Ihr Kater. Die Holzkrippe. Die Geschenke. Der Wildlachs. Der Fonduetopf. Alle unterm Weihnachtsbaum.

Und ich. Ohne Mann. Ohne Kind. Mit Kater. Von der Party gestern Abend im Muggel. Jedes Jahr. Und jedes Jahr verspreche ich mir, nehme es mir fest vor - nein, um ehrlich zu sein, ich weiß es ganz sicher: Nächstes Jahr wird alles anders sein. Ich werde einen Freund dabei haben, wobei, in meinem Alter will man ja "heute in einem Jahr" keinen Freund mit sich unterm Weihnachtsbaum sitzen haben. Man möchte einen Verlobten oder lieber gleich einen Ehemann haben. Ein einfacher Freund kann ja noch nörgeln, er muss an Weihnachten zu seinen eigenen Eltern. Hatten wir auch alles schon. Mit Ring ist das für ihn schwieriger durchzusetzen.

Und das mit dem Ring, in meinem Alter soll das ja ganz schnell gehen. Ein Blick, die große Liebe, und zackzack, das Leben ist kurz, die biologische Uhr auf fast 12, wenn nicht schon später, deshalb zusammenziehen, Ring, und, und, und. In zwölf Monaten ist im Prinzip alles möglich. Ja. Das nehme ich mir vor. Jedes Jahr. Und gebe Gas. Ich gehe aus, verreise, halte mich wie empfohlen in Etablissements wie Supermärkten nach 19 Uhr, Fitnessclubs und Hotelbars auf, treffe Freunde und deren Freunde, alle öde oder natürlich vergeben, ab und zu die zweite Runde, ab und zu Single-Freunde, die ich schon seit 43 Jahren kenne und seit 43 Jahren nicht neben mir unterm Weihnachtsbaum sitzen haben möchte. Und anscheinend auch sonst niemand. Warum? Weil wohl irgendetwas faul ist an denen. Muss so sein.

Ein Haufen Kinder

Die meisten meiner Freundinnen hingegen, die haben sich alle rechtzeitig jemanden für den Weihnachtsbaum gekrallt. Und sitzen da alle mit Ehemann Nr. 1 oder Ehemann Nr. 2 und 'nem Haufen Kinder - das große Weihnachtsbaum-Glück. Zumindest perfekt arrangiert. Und ich, ich lerne dann meistens tatsächlich in den ersten Monaten des Jahres jemanden kennen. Jemanden, der absolutes Weihnachtsbaum-Potenzial hat und bei dem ich mich frage: Konntest Du nicht etwas früher in mein Leben treten, nur so ein paar Wöchelchen, so dass ich Dich schon dem letzten Weihnachtsbaum hätte präsentieren können? Und meiner Familie mit ihren immer mitleidiger werdenden Blicken, die ich genau sehe, obwohl sie natürlich alle so tun, als sei es das Normalste auf der Welt, dass man mit 43 Jahren übriggeblieben unterm Weihnachtsbaum abhängt und sich lieber alleine betrinkt, als sich am Ende des Abends mit seinem Ehemann zu streiten, den man eventuell sowieso wieder bereut?

Und ihren unausgesprochenen Fragen. Ob ich nicht vielleicht doch zugeben mag, dass ich lesbisch bin? Haben ja die ein oder anderen Bekannten der Familie schon mal so als Vermutung geäußert. Natürlich. Nur im Spaß, versteht sich. Ist mir egal, wir haben ja jetzt das ganze Jahr Zeit, der, den ich gerade kennengelernt habe, und ich, und unterm nächsten Weihnachtsbaum trage ich mit Sicherheit seinen Verlobungsring am Finger.

Und Du Lametta auf'm Kopf. Dafür übe ich schon mal meinen Vornamen mit deinem Nachnamen. Natürlich auch meine neue Unterschrift. Suche den genauen Pinkton der Brautjungfernkleider meiner Freundinnen aus. Schreibe die Gästeliste. Toll, darauf kann man hinarbeiten. Und das tue ich dann auch. Und alles ist toll. Und alles bleibt toll. Für ein paar Wochen. Für ein paar Monate. Und für noch ein paar Monate. Und auf einmal finde ich mich an Heiligabend wieder. Unterm Weihnachtsbaum. Allein. Was ist passiert? Ich weiß es nicht. Es muss an dem Typen liegen. Verkorkst, gestört, psycho, klar. Wegen der Ex, den Kindern, des Jobs. An mir liegt es nicht. Auch klar. Ich bin wunderbar. Perfekt sozusagen. Also, finde ich.

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Ist das zu glauben? Ohne ein Wort.

Aber jedes Jahr die obligatorischen Tränen, wie auf Knopfdruck. Zum Glück kriege ich gerade noch die Kurve vor Weihnachten. Meine Tränen gehören nicht unter den Weihnachtsbaum. Jedenfalls nicht die wegen eines Mannes. Die vor Rührung, wenn meine Mutter anfängt, "O Tannenbaum" zu schmettern, ja, die sind erlaubt. Wer weint denn zu "O Tannenbaum"? Ich. Wegen Weihnachten an sich und wegen des leeren Platzes neben mir unter eben diesem Tannen- oder was auch immer -baum.

Den eigentlich der letzte auserkorene Weihnachtsbaum-Kandidat hätte füllen sollen. Dieses Jahr der Franzose aus Marseille, den ich pünktlich am 2. Januar kennengelernt hatte, und der mich ebenso pünktlich kurz vor dem ersten Advent ohne ein Wort verließ. Ist das zu glauben? Ohne ein Wort. So etwas kannte ich eigentlich nur aus meiner Teenager-Zeit. Das ist so 80er. Aber gut, man lernt dazu, auch mit Anfang 40 ist heutzutage anscheinend alles möglich. Und ich hatte ihm nicht einmal gesagt, dass er mit mir unterm Weihnachtsbaum sitzen soll. Dazu ist es gar nicht mehr gekommen. Daran kann es also nicht liegen. Ich zerbreche mir den Kopf. Und finde keine Antwort. Zu meiner Weihnachts-Rettung versuche ich, nicht weiter zu grübeln.

Der 23.Dezember ist die letzte Chance

Die Versager-Kandidaten der letzten Jahre und auch den diesjährigen Pseudo-Traummann blende ich jetzt aus und konzentriere mich auf meine letzte Chance für dieses Jahr. Heute, am 23. Dezember, einen Tag vor Heiligabend, werde ich in die Stadt gehen. Zusammen mit meiner Freundin Christina, die sich gerade last minute auch noch jemanden für unterm Weihnachtsbaum gecastet hat. Da werden doch mit Sicherheit außerhalb des glückseligen, sich streitenden Pärchengetümmels noch ein paar Geschenke und Frauen suchende männliche Singles aufzutun sein. Im besten Fall oberhalb der 40- und unterhalb der 60-Grad-Marke.

Oh je, wahrscheinlich ist diese Altersbegrenzung viel zu anspruchsvoll. Christinas Ausbeute ist gerade mal 23, vielleicht schaue ich auch mal in dieser Region nach. Ich hoffe nur, ich werde mich in dieser tausendfach händchenhaltenden Zweisamkeit nicht beengt fühlen und komplett vereinsamen.

Werde ich nicht! Wie liest man es immer in all diesen Facebook-Zitaten, die meine Freundin Bettina konsequent ungefragt auf meine Seite postet? Durchatmen... Krone richten! Und dann los! Noch ein Tag Zeit, um ihn unter den Weihnachtsbaum zu verfrachten. Ihn, den auserwählten, perfekten Weihnachts-Mann. Das schaffe ich!

(RP)
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