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Analyse: Auch Jarzombek ist unter der Lupe

Analyse : Auch Jarzombek ist unter der Lupe

Auf der Suche nach dem Verantwortlichen für das Wahldebakel schießen sich Teile der CDU auf Dirk Elbers ein. Doch das ist zu simpel: Fraktion und Parteivorstand machten ebenfalls schwere Fehler.

Den gescheiterten Oberbürgermeister als alleinigen Verantwortlichen des Wahldebakels anzuprangern, ist zu einfach und für die CDU sogar gefährlich. Denn es könnte die Partei zu dem irrigen Schluss führen, mit einer neuen Person an der Spitze seien alle Probleme gelöst. Das Gegenteil ist der Fall - die Union hat Elbers' Fehler zugelassen, aber auch eigene gemacht.

Das wurde schon am Morgen nach dem ersten Wahlgang deutlich: Die Sozialdemokraten waren in der ganzen Stadt mit neuen Plakaten für ihren Kandidaten Thomas Geisel und einer klaren Botschaft präsent, die Genossen hatten sich auf diese Option vorbereitet. Und die CDU? Fehlanzeige. Sie musste erst noch einen Werber finden und beauftragen. Es dauerte fast zwei Wochen, bis die neuen Plakate für Dirk Elbers endlich in der Stadt hingen - zu viel verlorene Zeit und mit "Wohlfühlen Wirtschaft Wachstum" eine leere Botschaft. Ein Politstratege und Kenner der Düsseldorfer Szene: "Die Union war wie in Schockstarre und hat der SPD widerstandslos das Feld überlassen!"

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Dieser Vorwurf zielt auf die gesamte Fraktion und den Parteivorstand. Längst hat dort die Diskussion um bisheriges Spitzenpersonal und vor allem den Vorsitzenden begonnen: Müsste Thomas Jarzombek nicht zurücktreten? Schließlich war er im Wahlkampf gerne präsent, hatte aber schon vorher seine Distanz zu Elbers kaum verbergen können, parteiintern ist die schwierige Beziehung der beiden eh lange bekannt.

Im Kampf vor der Stichwahl ging es so weiter. Die Union stolperte scheinbar planlos durch diese Phase. Geisel reiste von Termin zu Termin, Elbers war zu wenig präsent. Geisel ließ sich inszenieren als OB der Mitte, Elbers misslang es, die eigenen Wähler zu mobilisieren, unentschlossene zu überzeugen. Das waren sicher seine Fehler. Aber gab es in der Partei keinen, der eingreifen konnte? Haben ein Vorsitzender oder ein Fraktions-Chef wirklich so wenig Einfluss? Wenn ja, muss über sie gesprochen werden.

Ein Debakel für die CDU waren die sozialen Netzwerke: Geschickt gewannen Geisel-Unterstützer enorme Reichweite gerade bei jungen Wählern, die CDU war bei Facebook und Co. faktisch nicht vertreten und ließ zu, dass der Gegner alte Themen (der Streit mit den Feuerwehrleuten!) aufwärmte.

Auch der Orkan nützte dem Amtsinhaber nichts - obwohl sogar viele Mitstreiter aus Geisels Team erwarteten, dass die Wahl nun verlorengehen würde. Sie fühlten sich an Gerhard Schröders Sternstunde beim Elbe-Hochwasser 2002 erinnert, als der Kanzler in Gummistiefeln und Regenjacke Anteilnahme zeigte. Aber in der Union kam keiner auf die Idee, ihren Kandidaten als Krisenmanager zu zeigen. Stattdessen ließ man Elbers weitermachen, als sei nichts geschehen. Er führte, wie vorher geplant, die Presse durch die Tunnel-Baustelle für die Wehrhahn-Linie - während zeitgleich kaum noch Bahnen fuhren, weil die Gleise durch umgestürzte Bäume versperrt waren.

Und statt in der Kulisse des zerstörten Hofgartens ein Wiederaufforstungsprogramm anzukündigen, durfte die Umweltdezernentin über das die Düsseldorfer bewegende Thema sprechen.

(RP)