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Asbest in Düsseldorf: Polizeipräsidium wird erst in vier Jahren fertig

Problembaustelle in Düsseldorf : Auch noch Asbest im Polizeipräsidium

Im teils schon sanierten Altbau muss der neue Putz wieder ab – und die Fertigstellung verschiebt sich erneut. Die Polizei kann nicht einmal die Leitstelle im fertigen Neubau nutzen. Einzug ist nun frühestens Ende 2023.

Der Um- und Neubau des Präsidiums am Jürgensplatz, der schon seit vier Jahren überfällig ist, verzögert sich erneut. Frühestens Ende 2023 soll er nun beendet sein, Insider  halten auch diese Zahl für „optimistisch“. Der Grund ist, dass Asbest im Altbau gefunden worden ist. Die Polizei muss als Folge noch länger im Ausweichquartier im ehemaligen Innenministerium an der Haroldstraße bleiben.

Auf Asbest war die alte Bausubstanz des 1933 eröffneten Polizeipräsidiums am Jürgensplatz , zwar schon  zum Baubeginn vor sechs Jahren getestet worden. Damals wurde es als unbedenklich eingestuft. Doch inzwischen ist die Messtechnik besser geworden. Neue Tests ergaben kritische  Werte. Und die gelten nicht nur für den noch nicht sanierten Teil: Auch der längst getrocknete neue Putz muss von den Wänden wieder entfernt und mit dem asbestverseuchten Untergrund entsorgt werden.

Die Polizei muss erneut umplanen: Einige Abteilungen sollten in diesen Tagen in den Neubau an der Neusser Straße ziehen, der ebenfalls im Zuge des Bauprojekts entstanden ist. Der ist fertig, auch die Leitstelle – Herzstück der Polizei – ist komplett einsatzbereit. Weil der Asbest im alten Gebäudeteil aber zunächst unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen entsorgt werden muss, kann die Leitstelle nicht in Betrieb gehen – sie ist nur durch den Altbau zu erreichen. Erst wenn die Verbindungen zwischen Alt- und Neubau wieder geschlossen sind, kann sie genutzt werden. Das sei wohl frühestens im Herbst möglich, heißt es aus Polizeikreisen.

Eine Sprecherin des landeseigenen Bau- und Liegenschaftsbetriebs (BLB) bestätigt den Asbestfund und eine daraus folgende „Evaluierung der Zeitschiene“. Die Baukosten in Höhe von 157 Millionen Euro hätten sich nicht noch einmal erhöht. Teilbereiche des Neubaus, darunter die Leitstelle, seien bereits an den Nutzer, also die Polizei, übergeben.

Die Polizei ist nicht gerade gut auf den Landesbetrieb zu sprechen. Nicht nur, weil das Bauprojekt sich immer wieder verzögert und die Dienststellen des Präsidiums nun schon seit  fünf Jahren über die ganze Stadt verteilt sind. Nach Informationen unserer Redaktion waren die Beschäftigten, die noch im Altbau arbeiten, über den Asbestfund nicht einmal unterrichtet worden. Einige Abteilungen, die auch während der Sanierung im Altbau untergebracht sind, leiden seit Jahren unter Lärm und Schmutz auf der Baustelle.

Der Düsseldorfer Landtagsabgeordnete Olaf Lehne (CDU) fordert, dass alles dafür getan wird, dass die Polizei so schnell wie möglich in einem komplett sanierten Präsidium arbeiten kann. Der Landtagsabgeordnete Markus Weske (SPD) beklagt, dass die Verzögerungen bei dem Bauprojekt die Mitarbeiter treffen. „Das wird alles auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen.“

Die Vorsitzende der Grünen-Landtagsfraktion, Monika Düker (Grüne), kritisiert zudem, dass die lange Bauzeit die städtebauliche Entwicklung aufschiebt. In der Tat gilt das Areal des ehemaligen Innenministeriums als eine zentrale Neubaufläche im Regierungsviertel. Wie unsere Redaktion in der vergangenen Woche berichtete, sollen dort Neubauten für Finanzministerium und NRW-Bank entstehen – nach dem Auszug der Polizei.

Dafür muss die Dauerbaustelle Jürgensplatz aber erst einmal abgeschlossen sein. Mit einem Kostenvolumen von 75 Millionen Euro war das Projekt im Jahr 2010 gestartet. Sieben Jahre später und doppelt so teuer  landete es  im Schwarzbuch des Steuerzahlerbundes. Es könnte nicht der letzte Eintrag im Schwarzbuch gewesen sein: Während im Altbau der neue Putz wieder abgeklopft wird, läuft im Neubau die Garantiezeit für die teure Leitstellentechnik.

Die Baugeschichte des Polizeipräsidiums gerät zur peinlichen Posse, meint Redakteurin Stefani Geilhausen