Düsseldorf: Ariel für die Bundeswehr in Afghanistan

Düsseldorf: Ariel für die Bundeswehr in Afghanistan

Von Apfelsaft bis Zahnpasta: Nazif Destanis Firma Ecolog beliefert Armeen, Ölförderfirmen und humanitäre Organisationen weltweit.

So also sieht ein Geschäftsmann aus, dessen Firma gerade in 17 Ländern tätig ist, täglich eine Viertelmillion Mahlzeiten kocht, den Inhalt von vier Millionen Wäschesäcke pro Jahr wäscht, im Jahr rund 80 Millionen Liter Treibstoff ausliefert. Er trägt knöchelhohe, blank geputzte Schuhe aus einem leicht strukturierten Leder, graue Flanellhose mit Bügelfalte, schwarzer V-Ausschnitt-Pullover, darunter ein makellos weißes Hemd, keine Krawatte. Die Haut leicht gebräunt, braune Augen, das schwarze Haar halblang, nach hinten gekämmt. Der Name: Nazif Destani. Seine Geschichte dauert in der kurzen Version anderthalb Stunden - und, das als Fazit vorweg: Sie ist sehr ungewöhnlich. Nicht zuletzt wegen seines Alters: Destani ist 36. Seit Jahren lebt er im Raum Düsseldorf, seine Firma namens Ecolog hat ihren Sitz in einem unscheinbaren Bürogebäude in einem Düsseldorfer Außenbezirk, eine eher unauffällige Adresse.

Dieses Geschäft ist einerseits spektakulär und spannend, nicht ohne Risiko, andererseits diskret, in der Öffentlichkeit ist es wenig bekannt: Ecolog versorgt Armeen oder international tätige Firmen und humanitäre Organisationen mit allem, was zur alltäglichen Versorgung gebraucht wird: Lebensmittel, Sprit, Strom, WC-Häuschen, Waschmittel - von A wie Apfelsaft bis Z wie Zahnpasta, der gesamte Warenkorb inklusive der dazu gehörenden Dienstleistungen.

Dieses Material muss bestellt, eingekauft, verpackt und, vor allem, transportiert werden. Und weil die Krisenregionen dieser Welt selten direkt an Großflughäfen oder Autobahnen liegen, ist diese Logistik der Knackpunkt der Branche, in der sich weltweit ein halbes Dutzend Firmen tummelt. Ecolog ist eine der größten davon, ihre Organisationszentrale ist Dubai. Von dort werden Lieferungen und das Kundennetz betreut - weltweit.

Begonnen hat alles viel kleiner, und zwar in einer Stadt in Mazedonien. Von dort stammt die Familie Destanis. Sein Vater war bald nach der Geburt des Sohnes nach Deutschland gezogen und arbeitete wenig später als Busfahrer in Stolberg. Später gründete er eine Reiseagentur, um den Gastarbeitern aus Mazedonien und der umliegenden Region die An- und Abreise zu erleichtern. Nazif, damals noch ein Junge, sammelte erste kaufmännische Erfahrungen im elterlichen Betrieb. Und fuhr häufig nach Mazedonien zur restlichen Familie.

Dort kommt es Ende der 1990er Jahre, Nazif war Anfang 20, zu einer schicksalhaften Begegnung mit deutschen Soldaten, die im Rahmen des Nato-Engagements im benachbarten Kosovo den Frieden sichern sollen. Die Deutschen freuen sich, fern der Heimat einen Jungen zu treffen, der Deutsch spricht, übersetzen kann und die Gegend kennt. Denn die Deutschen haben ein Problem: Mehrere hundert Soldaten sind zu versorgen, vor allem mit frischer Wäsche, die eigene Reinigung ist noch nicht angekommen. Destani findet eine Lösung: Binnen weniger Tage besorgt er sich ein paar Waschmaschinen, mietet Räume an - und beginnt, für die deutschen Soldaten Uniformen und andere Kleidung zu waschen.

Aus der improvisierten Hilfsaktion wird eine dauerhafte Geschäftsbeziehung, zum Waschsalon kommen weitere Service-Leistungen - der Start der späteren Firma Ecolog. Was folgt, ist eine beispiellose Erfolgsstory - die Karriere eines Selfmademan wie aus dem Bilderbuch. Allerdings werden in dieser Story keine Teller, sondern Hemden und Hosen gewaschen. Dabei achtet Destani auch auf Kleinigkeiten: Als er hört, dass in vielen deutschen Haushalten das Waschmittel Ariel benutzt wird, fliegt er es kurzerhand aus Deutschland ein - damit die Soldanten fern der Heimat wenigstens den vertrauten Duft in der Nase haben können.

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Als das nächste Mandat die Bundeswehr nach Afghanistan führt, will man auf vertraute Partner zurückgreifen und fragt Ecolog, ob man mitkommen wolle. Destani geht mit, und stellt bald fest, dass er der einzige Versorger ist, der sich getraut hat. Es gelingt ihm, die Logistik in den Griff zu bekommen, und nicht nur die Bundeswehr, sondern sehr bald auch US- und britische Truppen zu versorgen.

Weil Dubai näher liegt, werden viele Aktionen über den Golf-Staat geregelt. So etwa die Versorgung mit Diesel. Das Militär fliegt ihn aus London ein, Destani liefert die gleiche Qualität aus den Emiraten deutlich günstiger. Er chartert Transportflugzeuge und lässt komplette mobile Tankstellen zwischen Dubai und Kabul pendeln: Voll werden sie nach Kabul geflogen und von dort in die Militär-Camps geschafft. Sind die 10 000-Liter-Tanks leer, geht es zurück an den Golf zum Auftanken. Als später die anderen großen Armee-Versorger nach und nach ankommen, ist Ecolog bereits der Platzhirsch. Danach folgen weitere Krisenregionen wie Irak oder Zentralafrika. Heute nutzt Ecolog sein Know-how aus den Krisenregionen dieser Welt vor allem dazu, ähnliche Dienstleistungen für nicht-militärische Kunden zu erbringen - alle großen Öl- und Gasförder-Unternehmen stehen auf der Kundenliste, genauso wie humanitäre Organisationen oder Kommunen mit schlechter Infrastruktur aufgrund ihrer dezentralen Lage oder in ehemaligen Krisengebieten.

Inzwischen beliefert Destani mit seinen Leuten Dutzende solcher Unternehmen und Städte, der neueste Kunde ist eine Minengesellschaft in der Mongolei - rund acht Stunden entfernt von der Hauptstadt Ulan Bator.

Ganze Städte, etwa im Irak und in Libyen, lassen kommunale Dienste wie Müllentsorgung oder Wasserversorgung von den Ecolog-Profis erledigen, abertausende von Minen- oder Ölarbeitern benutzen täglich ein Ecolog-Klo. Was der Privatwirtschaft dient, hilft auch den Friedensmissionen der U.N., etwa in Zentralafrika - wo Ecolog gerade 12 000 "Peacekeepers" in Mali versorgt.

Shell oder Total beliefert die Firma seit drei Jahren, der deutschen Bundeswehr folgt man quasi an jeden Einsatzort im Ausland. Früher ein reiner Militärdienstleister, so ist aus dem Unternehmen mit rund 10 000 Mitarbeitern heute ein breit aufgestelltes Dienstleistungsunternehmen geworden, das für seine Kunden fast alles möglich macht.

In Tetovo, Mazedonien, unterstützt Ecolog viele wohltätige Projekte und fördert die dortige Universität. In der Heimatstadt Düsseldorf setzt man sich für das lokale Wirtschaftsleben ein und ist als Gesellschafter beim Wirtschaftsclub Düsseldorf eingestiegen.

(RP)
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