Arena Düsseldorf wird zur Merkur-Spielarena

Glücksspiel-Gruppe als Namensgeber für das Stadion: Düsseldorfer Stadion wird zur Merkur-Spielarena

Die Gauselmann-Gruppe, bekannt durch Spielotheken und Sportwetten, wird neuer Partner. Die Fortuna kickt also bald in einer großen Spielhalle.

Erst Reisen (LTU), dann Mode (Esprit), jetzt Glücksspiel (Merkur): Die Düsseldorfer Arena ist 13 Jahre alt und sozusagen mitten in der Pubertät. Da dürfen launische Entscheidungen nicht überraschen, und als ein bisschen seltsam dürfte mancher Fan von Fortuna Düsseldorf die Nachricht empfinden, dass der Verein seine Heimspiele in der 1. Bundesliga in der „Merkur Spielarena“ austrägt. Das nämlich hat der Aufsichtsrat der Düsseldorf Congess Sport & Events (DCSE) am Freitagvormittag entschieden. Die Gauselmann-Gruppe, die rund 250 Spielotheken betreibt, erhielt den Zuschlag. Orthomol, Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln aus Langenfeld und zuletzt Fortuna-Trikotsponsor, hat das Nachsehen.

Mit beiden Familien-Unternehmen waren in den letzten Wochen unterschriftsreife Verträge ausgehandelt worden. Das Besondere: In beiden Verträgen ging es nicht nur um die Namensrechte für die Arena, sondern ein Gesamtpaket für die Sportstadt Düsseldorf. Den Politikern und den Vertretern der Messe Düsseldorf – sie hält wie die Stadt 50 Prozent an der DCSE – wurden die Eckpunkte im Aufsichtsrat vorgelegt. Dass die Gauselmann-Gruppe (13.000 Mitarbeiter, drei Milliarden Euro Umsatz) den Zuschlag erhielt, hat dann aber doch nichts mit Launen, sondern viel Geld zu tun: Ihr Angebot ist weit mehr als doppelt so viel wert. Die Details:

Orthomol hätte je nach Erfolg der Fortuna bis zu zwei Millionen Euro im Jahr gezahlt, diese Höchstsumme aber nur beim Erreichen eines Europapokal-Platzes. Im Falle eines Abstiegs wären es nach Informationen unserer Redaktion noch 1,4 Millionen Euro, in der dritten Liga immerhin noch fast 1,3 Millionen Euro gewesen. Dann jedoch hätte es ein Sonderkündigungsrecht gegeben.

Für die Sportstadt Düsseldorf waren gut 300.000 Euro der Gesamtsumme vorgesehen; davon der Großteil, mehr als 200.000 Euro, für das Trikotsponsoring bei der DEG. Fünfstellige Summen waren unter anderem reserviert für die Handballer der Rhein Vikings, die Footballer der Panther, die DHC Hockey-Damen und auch das Düsseldorfer Olympia-Team.

Gauselmann zahlt 3,75 Millionen Euro im Jahr, ein Sonderkündigungsrecht ist bei diesem Zehn-Jahres-Kontrakt erst nach mehr als sechs Jahren vorhanden. Kommt es zu Abstiegen, zahlt das Unternehmen immer noch mindestens 2,75 Millionen Euro jährlich. Die Vereine der Sportstadt Düsseldorf erhalten mehr als eine halbe Million Euro, die DEG nimmt Gauselmanns Wetttochter Xtip als Hauptsponsor auf das Trikot. Das bringt dem Eishockey-Klub 350.000 Euro.

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Der Aufsichtsrat votierte bei einer Enthaltung einstimmig für das Gauselmann-Pakt. Unter dem Strich bringt es im schlechtesten Fall, würde das Sonderkündigungsrecht in Anspruch genommen, um die 20 Millionen Euro. Bei Ortholomol wären es fünf Millionen Euro gewesen.

Die Nähe von Profi-Sport und Sportwetten ist Alltag und verbreitet. Hertha BSC hatte zuletzt Bet-at-home als Hauptsponsor auf dem Trikot, die Kicker des MSV aus Duisburg haben wie bald die DEG Xtip auf der Brust stehen. Gauselmann hat zudem die komplette Eishockey-Liga gesponsort.

Die Arena gehört zu 100 Prozent der Stadt Düsseldorf. Der Deal, den OB-Berater Peter Kluth ausgehandelt hat, führt zu einer schnelleren Entschuldung der Arena. Deren Kredite wären ursprünglich 2040 ausgelaufen, durch Umschuldung und höhere Umsätze kalkulierte der zuständige Stadtdirektor Burkhard Hintzsche zuletzt mit 2029. Durch den Gauselmann-Vertrag könnte die Last, die zuletzt einen Schuldendienst von bis zu 13 Millionen Euro pro Jahr bedeutete, bereits drei bis vier Jahre früher abgetragen sein.

Mit Esprit hatte es vor Jahren ein Zerwürfnis gegeben, das Unternehmen wollte möglichst rasch aussteigen. Es ging sogar vor Gericht. In der 1. Liga hätte Esprit 900.000 Euro für das Namenssponsoring überwiesen.

(ujr)
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