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Düsseldorf: Archäologen entdecken alte Wehrmauer

Düsseldorf : Archäologen entdecken alte Wehrmauer

Bei Erdarbeiten wurde an der Theodor-Körner-Straße der Anschlusspunkt zwischen alter und neuer Befestigung gefunden.

Der Wandel in Düsseldorf ist beständig. Auch in der Barockzeit wurde die Stadt erweitert, sollte vor allem sicherer werden. Spuren dieses Wandels haben jetzt Archäologen entdeckt. Sie sind bei den Erdarbeiten für die Wehrhahnlinie an der Theodor-Körner-Straße auf Fundamente der Bastion Elisabeth, später Bastion Christian genannt, gestoßen. "Das ist der Anschlusspunkt der Stadtbefestigung, die im 16. Jahrhundert errichtet wurde, mit den Bastionen des 18. Jahrhunderts", erklärt Andreas Kupka, der für die Stadt Düsseldorf die archäologischen Arbeiten koordiniert.

Aufgrund alter Karten haben die Archäologen zwar damit gerechnet, dass beim Bau der Wehrhahnlinie im Bereich des Kaufhofs an der Kö alte Mauern ans Tageslicht kommen könnten. "Aber die Lage der Mauern ist anders als angenommen. Wir müssen jetzt die Funde mit den bestehenden Karten abgleichen, um eine Erklärung zu finden", sagte Melanie Eigen von der Firma Archbau, die mit den Ausgrabungen beauftragt ist.

Bei der Beurteilung werden auch Stützmauern, senkrecht zur Bastion gebaut, eine Rolle spielen. "Sie zeigen in die Richtung, aus der Feinde erwartet wurden, und das ist ungewöhnlich", erläutert Kupka. Mit den Untersuchungen könnten jedoch die bestehenden Karten verbessert und die Stadtgeschichte präzisiert werden.

Die genauen Untersuchungen sind auch in Zukunft möglich, weil die freigelegten Festungsmauern, die etwa fünf Meter unter der heutigen Erdoberfläche liegen, digital gescannt wurden. Modelle können so erarbeitet werden. Gestern Mittag wurden das Scannen beendet, danach wurden die freigelegten Stücke bereits von einem Bagger abgetragen. "Sie sind nicht so wertvoll, dass sie erhalten werden können", so Kupka.

Und die Zeit für Untersuchungen direkt an den Originalmauern ist knapp. Denn die Mauern liegen in dem Bereich des tiefgefrorenen Bodens, in dessen Schutz die Wehrhahnlinie gebaut wird. "Wir durchstoßen den Boden, um von der Ebene der Flinger-Passage aus das Treppenhaus zum U-Bahn-Bahnhof bauen zu können", erklärt Gerd Wittkötter, Leiter des Wehrhahnlinienbaus. Das gefrorene Erdreich an den Wänden des Schachtes taue auf und müsse schnell durch einen Verbau gesichert werden, sonst dringe Grundwasser in den Schacht.

Der Abriss der Mauern wird jedoch noch einmal gestoppt, wenn sich die Bagger etwa ein Meter tiefer in die Erde gegraben haben. "Dann ist zu erkennen, wie tief die Fundamente sind und ob sie Besonderheiten zeigen", sagt Kupka. Das dauert jedoch noch, weil jetzt wieder in tiefgefrorenen Boden vorgestoßen wird. Für die Archäologen eine ungewöhnliche Situation, "weil sie hierzulande nicht im Permafrost-Boden arbeiten", sagt Kupka. Sie brauchen deshalb dickes, warmes Schuhwerk, weil der Boden Temperaturen unter null Grad hat.

Die Bastion Elisabeth gehört zu einem System von Festungsmauern, die die Stadt Düsseldorf umgab und die vor Angriffen schützen sollten. Kurfürst Jan Wellem hatte die Erweiterung verfügt, weil er seine Residenzstadt sichern wollte. Bisher hatten die Forscher bereits eine Brücke zum ehemaligen Flinger Tor unter der Elberfelder Straße, ein Mauerband der Befestigung Flinger Kontergarde in Höhe des Kö-Ende Nord und Teile der Flinger Bastion am Breidenbacher Hof freigelegt. "Das alles sind bedeutende Puzzlestücke, die das Bild der Stadtbefestigung Düsseldorfs vervollständigen", sagte Kupka.

(RP)