Düsseldorf: Antonia Baumgarts Traum vom EM-Titel

Düsseldorf: Antonia Baumgarts Traum vom EM-Titel

Die 18-jährige Reiterin aus Lohausen geht für sieben Wochen nach England, um ihre ambitionierten Ziele zu verwirklichen.

Rein wettermäßig gesehen ist es wohl nicht die beste Entscheidung, im April nach Yorkshire, im Norden Englands gelegen, zu reisen. Doch Antonia Baumgart (Förderkreis Grand prix) wird nicht ins "God's own county", wie die Einwohner Yorkshires ihre alte Grafschaft nennen, fahren, um sich am Strand in der Sonne zu aalen. Vielmehr ist es eine Bildungsreise, bei der aber nicht das York Minster, die zweitgrößte gotische Kathedrale im nördlichen Teil des Europas, oder das beeindruckende Castle Howard besichtigt werden. Die 18-jährige gebürtige Düsseldorferin wird jeden Tag viele Stunden im Freien verbringen - und hart arbeiten. "Ich möchte viel lernen", erklärt Baumgart.

Sie "geht für sieben Wochen in die Lehre" beim Erfolgstrainer für Dressur- und Vielseitigkeitsreiter, Chris Bartel. "Er hat schon Europa- und Weltmeister sowie Olympiasieger geformt", erläutert die Reiterin. In Yorkshire will sich Baumgart den letzten Schliff für die deutsche U21-Meisterschaft, die Qualifikation für die U21-Europameisterschaft im Juli in Fontainebleau (Frankreich) und natürlich die kontinentalen Titelkämpfe selbst holen. Sie hat hohe Ziele. "Ein Titel wäre super cool", so Baumgart. Das wundert nicht, ist sie doch amtierende Vielseitigkseits- Mannschaftseuropameisterin der jungen Reiter (U18) und Vierte in der Einzelwertung.

In England geht es den ganzen Tag ums Training. In Düsseldorf sind es "nur" fünf Stunden täglich, die Wege sind aber zum Glück kurz, die Familie wohnt in Lohausen in unmittelbarer Nähe eines Reitstalls. Insgesamt vier Pferde wollen dort bewegt werden. Dabei war es "Little Rose", "Rapunzel", "La Mango" und "Ela Lou" egal, dass ihre Besitzerin vor kurzem noch mitten im Abiturstress steckte. Sie hat während ihrer gesamten Schulzeit - auch in der Abiturphase - täglich mindestens zwei Pferde geritten, oft früh morgens vor der Schule. "Das Abitur war schon eine stressige Zeit. Meine Tage waren extrem durchgetaktet. Es gab nur Schule, reiten, lernen. Freunde standen dabei natürlich meist hintenan", verrät Baumgart. Aber nur so hat sie es geschafft, mit drei Pferden in den bundesdeutschen Perspektivkader aufgenommen worden zu sein.

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Die Doppelbelastung Ausbildung und Leistungssport ist 2018 für ein paar Monate Geschichte, denn den Sommer über gönnt sie sich volle Konzentration auf ihren Sport. Ab August aber bastelt sie an ihrer beruflichen Karriere: Sie will Agrarwissenschaften, am liebsten in Bonn, studieren.

Ihre Leidenschaft für Pferde ist sozusagen vererbt, denn ihre Eltern sind beide ebenfalls Reiter. Während die Mutter Dressur ritt, war der Vater ebenfalls im Vielseitigkeitssport aktiv. "So mit drei Jahren saß ich bei Mama und Papa vorne mit auf dem Sattel. So fing es an", erinnert sich die junge Reiterin. Ehrgeizig und zielstrebig wie sie nun mal ist, entschied sie sich dann gegen ihre anderen Sportarten: Ballett, Fußball beim SV Lohausen und auch Golf.

Diese Entscheidung verfolgt Baumgart konsequent und erfolgreich. Sie bildet ihre Pferde selber aus und trainiert sie. "Pferd und Reiter müssen als Team funktionieren. Das hat viel mit gegenseitigem Vertrauen zu tun. Durch die tägliche Arbeit kenne ich die Stärken und Schwächen meiner Pferde. Ich arbeite jeden Tag daran, die Schwächen zu beheben", verrät die Reiterin. Demnächst auch in England.

(RP)