Starke Nerven gefragt: Anmelde-Frust an Gymnasien

Starke Nerven gefragt : Anmelde-Frust an Gymnasien

Wer sein Kind an einem Gymnasium anmeldet, muss starke Nerven haben. Häufig entscheidet das Los. Wer kein Glück hat, wartet Wochen auf eine Absage, kritisieren Eltern. Die Stadt setzt auf Zusammenarbeit der Beteiligten.

Angelika Clauß steht in der Küche. Am Tisch sitzt Marlon und macht Hausaufgaben. Der Viertklässler besucht die katholische Grundschule in Hamm. Ein guter Schüler, der im Sommer aufs Gymnasium wechselt. "Ende gut, alles gut", sagt seine Mutter.

Doch über den Ablauf des Anmeldeverfahrens schüttelt sie bis heute den Kopf. "Das Ganze war nicht transparent, wir fühlten uns schlecht informiert und am Ende sogar ein bisschen überrumpelt."

Genauso denkt Nicole Kühnert, deren Sohn Jonas es ähnlich erging. Was war passiert? Beide Mütter hatten zum frühestmöglichen Zeitpunkt ihre Kinder am Oberkasseler Comenius-Gymnasium angemeldet. Enge Freunde ihrer Söhne gingen dorthin, Marlon reizte zudem die Aussicht, spanisch lernen zu können. "Ich nahm Urlaub, war am 13. Februar um 9.30 Uhr vor Ort, dachte, vielleicht hilft?s, wenn man als Erster da ist", berichtet Clauß. Doch es half nicht.

Das Comenius-Gymnasium ist eine der nachgefragtesten Schulen der Stadt. Von 178 interessierten Kindern erhielten 58 eine Absage. "Damit mussten wir natürlich rechnen", sagt Clauß. Was sie, wie viele andere Eltern, nicht versteht, ist der konkrete Ablauf. "Die Absage landete am 23. März, einem Freitag, im Briefkasten. Da war auch der zweite Anmeldetermin für die Gymnasien Anfang März längst verstrichen."

Am Montag darauf griff Clauß zum Hörer und rief bei dem Gymnasium an, das bei ihr auf Platz zwei gestanden hatte. Vergeblich. Ein weiterer Versuch galt dem Görres-Gymnasium. Fehlanzeige. "Bereits in der Absage des Comenius hatte gestanden, dass Marlons Unterlagen an das Luisen-Gymnasium weitergeleitet wurden. Dort könnte ich meinen Sohn am Mittwoch anmelden", erzählt die Frau aus Hamm. Auch wenn sie und Nicole Kühnert mit der Wahl des Luisengymnasiums "sehr gut leben können", fordern sie eine Korrektur des Verfahrens.

"Ich hoffe, dass das bei meiner Tochter Julia in zwei Jahren anders läuft", sagt Kühnert. Doch die Chancen auf Entspannung an der Schulfront stehen schlecht. "Wir haben im Stadtgebiet Düsseldorf riesige Probleme, alle Kinder unterzubringen, die ans Gymnasium wollen", sagt Frank Mauerer von der Schulaufsicht der Bezirksregierung. Grund sei das Wachstum der Stadt.

Die Lage sei "prekär, auch wenn bislang noch jeder einen Platz bekommt". Verständnis für den Frust der Eltern hat Monika Matthes, Leiterin des Comenius-Gymnasiums. "Es dauert tatsächlich sehr lange, bis Eltern endlich Klarheit haben."

Hinzu kommt: All jene, die kein Geschwisterkind an ihrer Schule haben, werden per Losverfahren ausgewählt. Ein an Düsseldorfer Gymnasien gängiges Verfahren. An der langen Wartezeit kann freilich auch Matthes nichts ändern. Sie richtet sich nach den Spielregeln, die das Schulverwaltungsamt im vergangenen Dezember per Rundschreiben festgelegt hat.

Und die lauten so: Über die Verteilung nicht erfolgreicher Bewerber entscheiden Schulträger (Stadt), Schulaufsicht (Bezirksregierung) und Schulleiter nach Ablauf des zweiten Anmeldetermins am 6. März bei einer Koordinierungssitzung am 8. März. "Dabei haben wir besprochen, welche Gymnasien noch Kapazitäten haben. Ziel war es, die Schüler möglichst wohnortnah unterzubringen", sagt Matthes.

Freilich hat die Schulleiterin dabei ein Gerechtigkeitsproblem entdeckt: "Anders als die an Gymnasien angemeldeten Kinder, die bis Mitte März im Unklaren bleiben, erhalten abgelehnte Gesamtschüler bereits nach dem ersten Anmeldetermin im Februar ihre Absage." Die Folge: Jene Gymnasien, die noch freie Plätze haben, laufen zunächst mit den abgewiesenen Gesamtschul-Interessenten voll. Für Kinder, wie die beiden Jungs aus Hamm, bedeutet das: Sie müssen an Schulen, die selbst nach diesen Aufnahmen noch Platz haben.

(rl)