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Düsseldorf: Leiche in Abstellkammer gefunden: Anklage wegen Brudermordes

Düsseldorf: Leiche in Abstellkammer gefunden : Anklage wegen Brudermordes

Gegen einen inzwischen 17-Jährigen, der im März seinen Bruder (12) erwürgt und wenig später seine Mutter ebenfalls schwer verletzt haben soll, hat die Staatsanwaltschaft jetzt Mordanklage vor einer Jugendstrafkammer des Landgerichts erhoben.

Bei einem Gerangel auf der Couch in der gemeinsamen Wohnung in Flingern soll der Angeklagte seinen Bruder am Hals gepackt und minutenlang zugedrückt haben. Die Leiche habe er später in der Wohnung versteckt. Als seine Mutter heimkam und nach ihrem jüngsten Sohn suchte, soll der Jugendliche sie mit einer Hantel attackiert haben.

Ob und wann der Prozess wegen dieser Vorwürfe eröffnet wird, ist noch offen. Als es der alleinerziehenden Mutter seinerzeit gelang, den Angriff des damals 16-Jährigen abzuwehren und die Polizei zu alarmieren, plante der Junge offenbar seinen Selbstmord. Beamte konnten ihn aber davon abhalten und in der Wohnung festnehmen. Seither ist er vorläufig in einer Psychiatrie-Klinik untergebracht.

Über das Motiv für die Ermordung des Bruders herrscht weiter Rätselraten. Angeblich sollen beide Söhne vormittags auf dem Sofa beim Fernsehen zunächst spaßeshalber miteinander gerangelt haben. Warum daraus dann tödlicher Ernst wurde, ist unklar. Hinweise auf Gewalt in der Familie gab es bis dahin nicht.

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Ermittler vermuteten zunächst, dass der Jugendliche wohl den Suizid seines Vaters nicht verarbeitet habe, der sich 18 Monate zuvor getötet hatte. Womöglich wird das Motiv nie bekannt werden: Da er zur Tatzeit noch keine 18 Jahre alt war, müsste ein Prozess hinter verschlossenen Türen und unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführt werden.

Die Anklage wirft dem 17-Jährigen jetzt heimtückischen Mord an seinem Bruder sowie einen weiteren Mordversuch an der Mutter vor, um den Brudermord zu verdecken. Entscheidend wird es auf ein psychiatrisches Gutachten zur Schuldfähigkeit des 17-Jährigen ankommen. Nach Jugendrecht droht ihm bei einem Schuldspruch eine Höchststrafe von zehn Jahren Haft

(EW/top)