Düsseldorf: Angst vor Sozialabbau bei Sana

Düsseldorf: Angst vor Sozialabbau bei Sana

Der Betreiber der Düsseldorfer Kliniken hat seine Mitgliedschaft im Arbeitgeberverband gekündigt. Gewerkschaften fürchten, dass Sana keine Tariflöhne und Betriebsrenten mehr zahlen wird. Mitarbeiter halten Streiks für möglich.

In der Belegschaft der Düsseldorfer Sana-Kliniken geht die Furcht vor einem Abbau tariflicher Leistungen um. Grund ist der Plan des Klinikbetreibers, aus dem Arbeitgeberverband auszutreten. Das geht aus einem internen Rundschreiben des Betriebsrates der Düsseldorfer Kliniken hervor, das unserer Redaktion vorliegt. Welche Folgen der Rückzug hat, ist bislang ungewiss.

Die Gewerkschaft Komba, die Fachgewerkschaft für Beschäftigte im öffentlichen Dienst der Kommunen und ihrer privatisierten Dienstleistungsunternehmen, befürchtet Sozialabbau. "Unsere Sorge ist, dass Sana künftig keine Tarifgehälter mehr zahlt", sagte der Düsseldorfer Vizevorsitzende von Komba, Wolfgang Meßing, im Gespräch mit der RP. Meßing zufolge könnte auch ein Verzicht auf tarifliche Lohnerhöhungen damit verbunden sein. "Wir fürchten außerdem, dass Sana sich durch den Austritt aus dem Arbeitgeberverband von den Zahlungen für die Zusatzversorgung aus der Rheinischen Zusatzversorgungskasse, einer Art Betriebsrente, befreien möchte", so Meßing weiter.

Das Rundschreiben des Betriebsrates hat einen schärferen Tonfall. Darin heißt es wörtlich: "Nun zeigt der Sana-Konzern sein wahres Gesicht". Für Aschermittwoch wird zu einer außerordentlichen Betriebsversammlung eingeladen. In Benrath findet sie um 12 Uhr statt, in Gerresheim um 14.30 Uhr.

Der Sana-Konzern indes versucht zu beruhigen. "Für unsere Mitarbeiter wird sich nichts ändern", sagte Pressesprecher Tino Kessler-Thönes auf Anfrage unserer Zeitung. Die Klinik werde auch weiterhin am Tarifvertrag und den bisherigen Leistungen wie Betriebsrente und jährliche Sonderzahlungen festhalten. "Wir haben Verständnis dafür, dass einige Mitarbeiter verunsichert sind. Bei der Betriebsversammlung an Aschermittwoch werden wir aufklären", sagte Kessler-Thönes weiter.

Doch seit Bekanntwerden der Pläne ist die Stimmung unter den Mitarbeitern sehr angespannt. "Woher sollen wir wissen, dass die Geschäftsleitung Wort halten wird?", sagte ein Klinikmitarbeiter, der namentlich nicht genannt werden möchte, im Gespräch mit unserer Zeitung. "Viele ältere Kollegen haben Angst um ihre Altersversorgung. Und Nachwuchs zu finden, wird beim Ausstieg aus dem Tarifvertrag noch schwieriger als bisher. Am Ende werden die Patienten darunter leiden: Wir reden schon über Streiks, wollen zeigen, dass man das mit uns nicht machen kann", sagte ein weiterer Mitarbeiter. Seit der Privatisierung der Kliniken seien die Vorbehalte gegenüber dem Arbeitgeber besonders groß, so der Klinik-Mitarbeiter weiter.

Unklar ist, welche Motive der Düsseldorfer Klinikbetreiber mit dem Austritt aus dem Arbeitgeberverband verfolgt. Erst in den vergangenen Monaten hatten die Sana-Kliniken die Kündigung von insgesamt 70 Mitarbeitern angekündigt, um sich nach Angaben des Unternehmens auf das Kerngeschäft, die Medizin und Pflege, zu konzentrieren. Davon betroffen sind vor allem Mitarbeiter aus nicht-medizinischen Bereichen wie Küche, Reinigung, Bettenzentrale, Finanzbuchhaltung und auch EDV.

(RP)
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