Düsseldorf: Angermunder fürchten mehr Bahnlärm

Düsseldorf: Angermunder fürchten mehr Bahnlärm

Kein anderer Stadtteil ist von den Planungen für den Rhein-Ruhr-Express so betroffen wie das Dorf im Norden. Die Angermunder fürchten noch mehr Lärm und ein verschandeltes Stadtbild. Heute Abend informiert die Bahn vor Ort.

Die Deutsche Bahn fährt bei Barbara und Peter von Hall fast durch den Garten. Sie können zusehen, wie jenseits der Hecke ihres Grundstücks in Angermund fast im Minutentakt die Züge vorbeirasen - und vor allem können sie es hören. Besonders viel Krach, sagt Peter von Hall, machen die Schnellzüge in voller Fahrt und die endlosen Gütertransporte, die auch in der Nacht verkehren. Aber auch die S-Bahnen und REs sind laut. Ein Team der Uni habe nachgemessen, dass der Lärm im Garten häufig 90 Dezibel erreicht. Im Freien ist es kaum auszuhalten, im ersten Stock wackelt manchmal der Boden, wenn ein Zug vorbeifährt.

Der Lärm habe in den vergangenen 20 Jahren immer weiter zugenommen. "Es wird immer mehr, schneller und lauter", sagt Barbara von Hall. Deshalb engagiert sich das Paar seit langem in der "Initiative Angermund" gegen Bahnlärm. Bald, so fürchten sie, wird der Krach noch schlimmer: Die Bahn will für den Rhein-Ruhr-Express (RRX) die Strecke ausbauen. Heute Abend wollen die Projektleiter auf einer Info-Veranstaltung die Planungen vorstellen, die im Stadtteil für erhebliche Unruhe sorgen.

Der RRX soll die Städte an Rhein und Ruhr besser anbinden und mehr Kapazität auf der überlasteten Pendlerstrecke zwischen Dortmund und Köln schaffen. Kein anderer Teil von Düsseldorf ist von dem Großprojekt so stark betroffen wie Angermund. Dort führt die Strecke durch den Dorfkern - und soll von vier auf sechs Gleise erweitert werden.

Das hat viele Folgen, die Sorgen in Angermund auslösen. Die Bahn möchte auf rund 50 Privatgrundstücken auf der Westseite bauen und beansprucht dafür bis zu sieben Meter. Auch der S-Bahnhof soll umgebaut und fünf Straßenbrücken sollen neu errichtet werden, unter anderem an der Kalkumer Schlossallee und der Angermunder Straße.

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Das wichtigste Thema für die Anwohner ist aber der Lärmschutz. Die Bahn betont, dass die Umbauten den Angermundern zugute kommen werden. Denn weil die Strecke erweitert wird, muss Schallschutz nach aktuellen Höchstwerten geschaffen werden - bislang gibt es an der schon heute viel befahrenen Route gar keinen. Auf beiden Seiten der Gleise sollen vier Meter hohe Lärmschutzwände entstehen. Darüber hinaus sollen die Gleise durch ein spezielles Schleifverfahren ruhiger werden. Rund 1000 Haushalte haben zudem Anspruch auf dichtere Fenster und andere Umbauten.

Viele Angermunder sind allerdings nicht davon überzeugt, dass sich ihre Lage verbessern wird. Die "Initiative Angermund" kritisiert den Ausbau der Strecke. Noch mehr Züge senkten die Lebensqualität und entwerteten die Immobilien. Die Planungen zum Lärmschutz halten die Kritiker für "Augenwischerei". Sie befürchten, dass der Lärm durch die hohen Wände nur weiter im Dorf verteilt wird. Die örtliche CDU sorgt sich darüber hinaus, dass das Dorf durch die hohen Wände verschandelt wird. Die Lärmgegner wollen eine ganz andere Planung: Sie fordern, dass die Strecke in einen Tunnel verlegt wird.

Bei der Bahn will man diesen Vorschlag nicht strikt ablehnen. RRX-Projektleiter Michael Kolle gibt aber zu bedenken, dass ein Tunnel kaum zu realisieren sei. Denn es sei gesetzlich vorgeschrieben, dass die Kosten für den Ausbau im Verhältnis zum Nutzen stünden. Die Bahn verspricht aber, die Bedenken der Anwohner ernst zu nehmen. "Deshalb binden wir die Bürger schon in einem frühen Stadium ein", sagt Kolle. "Wir wollen nicht nur informieren, sondern auch informiert werden."

Die von Halls und ihre Mitstreiter wollen gegen den RRX mobil machen. "Wir werden richtig Gas geben", sagt Elke Wagner von der Initiative - und spricht von einem Kampf zwischen "David und Goliath". Sie hofft auf viel Andrang heute Abend. Damit rechnet man auch bei der Bahn: Die Info-Veranstaltung wurde in eine Turnhalle gelegt, bei anderen Stadtteilen hatte ein Konferenzraum ausgereicht. Damit niemand vor der Tür stehen muss, hat die Bahn sich sogar kurzfristig entschieden, eine zweite Tribüne zu öffnen.

(RP)
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