Andreas Ottensamer mit dem Schumann-Quartett in Düsseldorf

Klassik-Aufsteiger : Wiener Gast bei den Schumanns

Klarinettist Andreas Ottensamer spielte mit Streichquartett im Schumann-Saal.

Wenn das Schumann-Quartett mit einem Gast in den Robert-Schumann-Saal kommt, lohnt sich der Konzertbesuch allemal. So war es auch jetzt, als der aus Wien stammende Soloklarinettist der Berliner Philharmoniker Andreas Ottensamer eingeladen war. Der zeigte sich vom Streichquartett auch gleich beeindruckt: „Immerhin haben die hier Euch ja diesen Saal gewidmet“.

Das war natürlich ein Scherz. Aber Ottensamer konnte wie die Zuhörer im ersten Teil zunächst einmal Erik und Ken Schumann (Violine) und ihren Bruder Mark (Cello) zusammen mit Liisa Randalu (Viola) allein mit Beethovens spätem a-moll-Streichquartett Nr. 15 op. 132 hören. Und schon das lohnte sich.

Aus einem sehr ernst genommenen Pianissimo heraus wurde der musikalische Fortgang des Werkes sorgfältig aufgebaut, wurden die Brüche zwischen organischem Fließen und harten Einschnitten deutlich markiert. Kraftvoll und mit langem Atem entwickelte sich der langsame Satz . Dabei wurde Wohlklang nicht zum Selbstzweck; immer wieder wurden ihm fahle Momente gegenübergestellt.

In eine ganz andere Welt führte Carl Maria von Webers Quintett B-Dur für Klarinette und Streichquartett. Vorweg erläuterte Ottensamer, dass seiner Auffassung nach viele Künstler in der deutschen Romantik zwar zu Recht die ernste Tiefgründigkeit suchen, darüber aber oft zu Unrecht die heiteren Momente übersehen. Den Worten ließ er Taten folgen. In der Tat steckt Webers Komposition voller heiterer, ja humorvoller Elemente, die sich gerade auf einer Klarinette bestens zum Klingen bringen lassen. Und das gelang restlos überzeugend; man merkte Ottensamer wie den Streichern den Spaß am munteren Spiel jederzeit an. Ohne sich in den Vordergrund zu spielen, übernahm dabei der Klarinettist auch die Führung. Dabei sah er sich nicht in der Rolle eines Solisten, sondern eines impulsgebenden Mitspielers.

Die lebhafte Interpretation fand viel Freude bei den Zuhörern. Die freuten sich noch über zwei Mendelssohn-Titel als Zugaben, darunter das bekannte „Venezianische Gondellied“.

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