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Andrea Abbing in Düsseldorf: Halle 72 in Oberbilk eröffnet

Neuer Stadtteiltreff in Düsseldorf : Von Oberbilkern für Oberbilker

Am Freitag hat der neue Kultur- und Nachbarschaftstreff Halle 72 eröffnet. Er ist die Idee von Andrea Abbing, die sich dafür unzählige Räume angeschaut hat. Bei dem Projekt geht es um Integration und Stadtteilleben.

Andrea Abbing ist in Oberbilk keine Unbekannte. Seit 2015 zeichnet sie für den Kunst- und Kulturverein „Königinnen und Helden“ verantwortlich. Für den Verein war sie schon seit Längerem auf der Suche nach zusätzlichen Räumen. Die 90 Quadratmeter auf der Siemensstraße reichten – gerade in Corona-Zeiten, in denen man penibel auf Abstand achten musste – nicht mehr aus. Aber auch abgesehen von der Pandemie stieg das Interesse an den Angeboten des Vereins zuletzt stetig.

„In den vergangenen drei Jahren habe ich mir deshalb unzählige Räumlichkeiten im Stadtteil angeschaut“, erzählt Abbing. Ohne Erfolg, irgendwie passte es nie so richtig. Im Dezember vergangenen Jahres ist sie nun fündig geworden, das heißt, eigentlich fanden die Räume eher sie als umgekehrt. Dem Hausmeister eines Hauses an der Linienstraße war die Raumnot von „Königinnen und Helden“ zu Ohren gekommen – und in „seinem“ Erdgeschoss standen schon länger Räume leer: zwei miteinander verbundene Hallen zur Hofseite hin und eine Ein-Zimmer-Wohnung, knapp 40 Quadratmeter, mit Küche und Bad im Vorderhaus. Abbing schaute sich die Räume, die damals in einem schlechten Zustand waren, kurz vor Weihnachten an – und war sofort Feuer und Flamme. Wenig später unterschrieb sie den Mietvertrag. „Bis Herbst dieses Jahres ist die Finanzierung gesichert, dann müssen wir schauen“, sagt sie.

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In den zurückliegenden Wochen und Monaten hatte Abbing noch mehr zu tun als ohnehin schon. Sie tapezierte, assistierte dem Elektriker und putzte Toiletten. Zudem trug sie die frohe Kunde in den Stadtteil hinaus. Jede und jeder, den beziehungsweise die sie traf, erfuhr: Oberbilk bekommt einen Nachbarschaftstreff., einen Ort der Begegnung, für alle Altersgruppen, für alle Kulturen, „auch für die Deutschen“, sagt Abbing und lacht. Das hatte sie sich immer gewünscht. „Genau das fehlte hier noch.“

Nähfrühstück, Ukraine-Hilfe, Yoga, Senioren-Bingo oder Kampfsport – in Zukunft sollen in den beiden Hallen nicht-kommerzielle Angebote aller Art von und für Menschen aus dem Viertel realisiert werden. Auch Kunst und Kultur sind fest mit eingeplant. „Natürlich keine Partys, aber akustische Konzerte, Lesungen, Theater, vielleicht auch Ausstellungen wären denkbar. Wir sind erst einmal für alles offen. Was letzten Endes wirklich machbar ist, wird die Zukunft zeigen.“

Geschaffen hat Andrea Abbing die Halle 72 nicht alleine, sondern gemeinsam mit zahlreichen Helferinnen und Helfern, die in den vergangenen Wochen und Monaten mit Hand angelegt haben. Boden wurde verlegt, die Elektrik erneuert, Wände verputzt und neue Toiletten eingebaut. Aus den Düsseldorf Arcaden erhielten Abbing & Co. eine Möbelspende. Die Bezirksvertretung 3 unterstützte das Projekt ebenso wie „Flüchtlinge Willkommen“. „Und die Regale, die wir auch geschenkt bekommen haben, werden von der Jugendberufshilfe umgebaut“, sagt Abbing und strahlt. Die knapp 40 Quadratmeter, die zur Straße hin liegen, wirken schon sehr einladend. Auf dem Tisch, der in einer Gebrauchtmöbelhalle erstanden wurde, stehen Getränke, Becher und ein Teller mit Süßigkeiten parat. Hier sollen in Kürze die kostenlosen Nachhilfe-Angebote starten. „Individualpädagogisch, in Kleingruppen“, sagt Abbing. Vier Kinder, maximal. Wenn es erforderlich ist, soll sogar eine Eins-zu-eins-Betreuung möglich sein.

Abbing weiß um die Schwierigkeiten vieler Kinder im Stadtteil hinter dem Bahnhof und um die Tatsache, dass Corona die bestehenden Probleme verschärft hat. „Es gibt viele Kinder, die sehr schwach sind.“ Für die sucht sie gerade Nachhilfe-Kräfte. Auch davon abgesehen, muss das Team von „Königinnen und Helden“ dringend wachsen, um die in Zukunft an der Linienstraße anstehenden Aufgaben zusätzlich zu bewältigen. Glücklicherweise ist Abbing keine, die gerne die Füße hochlegt, sondern eine Macherin, eine Vernetzerin, eine Aktivistin. Wer sie kennt, weiß: Sie wird das schon machen.