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Düsseldorfer Tafel: Ananas auch für die Armen

Düsseldorfer Tafel : Ananas auch für die Armen

Die Düsseldorfer Tafel, vor 14 Jahren gegründet, ist nicht mehr nur Hilfeleister für Obdachlose. Vor genau einem Jahr wurde die Kindertafel gegründet. Zudem fragen immer mehr Hartz IV-Empfänger nach Lebensmitteln. Vier Ausgabestellen mussten zusätzlich eingerichtet werden.

Janet ist 29 Jahre alt, geschieden und arbeitslos, hat drei Kinder im Alter von sechs, acht und zehn Jahren. Ein Kind ist körperbehindert. Janets kleine Familie ist ein typischer Fall für die Düsseldorfer Tafel: Die junge Mutter, die in den nächsten Tagen eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme im kaufmännischen Bereich anfängt, kommt regelmäßig ins Pfarrhaus von St. Josef in Oberbilk.

Sie und ihre Tochter haben Rucksack und Taschen mit. Hinein kommt das, was Erika Jensch, ehrenamtliche Helferin, rein packt. Heute sind es eine frische Ananas, Bananen, Zitronen, Nudeln, ein paar Süßigkeiten. Janet schämt sich schon lange nicht mehr, die Geschenke der Tafel und der Pfarrgemeinde anzunehmen. Vom Kindergeld und Hartz IV kann sie sich nicht viel leisten. "Jetzt soll sich mein Sohn in der Schule einen Geha-Füller anschaffen — ich weiß nicht, wie ich den bezahlen soll."

Wie Janet kommen hunderte Familien und Alleinstehende an die Ausgabestellen, die die Tafel in Zusammenarbeit mit Pfarren in Garath, Wersten, in der Altstadt und eben in Oberbilk in den vergangenen Jahren eingerichtet hat. Erika Jensch und Hedy Heidkamp, ebenfalls ehrenamtliche Helferin, haben festgestellt: "In den vergangenen Monaten kommen immer mehr zu uns." Lange seien es hauptsächlich Ausländer gewesen — Ukrainer, Polen, Russen. "Aber jetzt sind es mehr Deutsche, vor allem Männer", so Heidkamp.

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Die Düsseldorfer Tafel wurde 1994 gegründet. Erst sammelte sie nur Lebensmittel-Spenden für Obdachlose, brachte sie in die verschiedenen Einrichtungen. "Irgendwann, wir wissen nicht genau wann, kippte die Bedürftigkeit", so Heike Vongehr, Gründerin der Institution. Irgendwann seien zu den Obdachlosen die armen Kinder gekommen, jetzt werden es immer mehr Familien.

Die Kindertafel wurde im August 2007 in Garath eröffnet. Allein in diesen vergangenen zwölf Monaten hat sich die Hilfe der Tafel im Süden und anderen Stadtteilen schon wieder verändert. "Wir arbeiten nicht mehr nur zentral, sondern dezentral", beschreibt Vongehr. Heißt: Es gibt nicht nur die eine Station, an der sich Kinder ein warmes Mittagessen abholen können, sondern die Hilfe wird auf viele Orte verteilt.

Beispiele: Eine Schule will einen Schulausflug zur Theatervorstellung von "Räuber Hotzenplotz" an den Blauen See nach Ratingen machen, viele Kinder können sich das aber nicht leisten. Da wird die Tafel gefragt — und hilft unkompliziert mit einer Überweisung von 500 Euro. Oder eine Schule möchte mit einer Klasse ins Kino, die andere in die Oper.

An der nächsten Schule fällt auf, dass immer mehr Kinder ohne Frühstück erscheinen — die Tafel kümmert sich. Das kann zum einen sein, dass Obst, Vollkornbrot oder Kakao direkt in die Schule gebracht werden. Das kann aber auch sein, dass die Lehrer einkaufen und der Tafel die Rechnung schicken. Vongehr: "Wir sehen das ganz unkompliziert und helfen, wo wir können."

Möglich ist das durch Unterstützung von anderen. So war die Metro Düsseldorf der große Start-Finanzierer, gab 33.000 Euro zum Auftakt der Kindertafel. 30 Düsseldorfer haben Einzelpatenschaften für Kinder übernommen, Stiftungen helfen. Die größte Einzelspende kam im vergangenen Jahr durch die Bambi-Verleihung des Burda-Verlages. Schulen unternehmen einen Charity-Walk zugunsten der Kindertafel, die Matthias-Claudius Grundschule hat selbst für sechs Kinder eine Patenschaft für ein Jahr übernommen. Pro Jahr werden dafür 360 Euro gezahlt.

Zur Zeit betreut die Tafel insgesamt 17 Einrichtungen. Dazu gehören nach wie vor die Anlaufstellen für Obdachlose, aber auch die Drogenhilfe, das Trebe-Cafe für obdachlose Mädchen und der Knackpunkt an der Charlottenstraße. Die freiwilligen Tafelhelfer wissen genau, wer was gerne isst: Die Süchtigen im Drogenhilfezentrum freuen sich schon mal über Süßigkeiten, im Knackpunkt, der Anlaufstelle für junge Prostituierte, sind Joghurt und Kuchen gefragt.

(RP)