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Amtsgericht Düsseldorf: Millionenschwindel mit Röstkaffee

Prozessauftakt in Düsseldorf geplatzt : Millionenschwindel mit Röstkaffee

Sechs Männer sollen tonnenweise Röstkaffee zu Schnäppchenpreisen verkauft und die Steuerbehörden um die Kaffeesteuer geprellt haben. Am Dienstag sollte der Prozess starten – wurde aber verschoben.

Einen breit angelegten Millionenschwindel mit tonnenweise Röstkaffee sollen sechs Männer verübt und die deutschen Steuerbehörden laut Anklage dadurch um mehr als 1,5 Millionen Euro Kaffeesteuer geprellt haben. Jetzt steht deren Strafprozess beim Landgericht an, doch der für Dienstag geplante Auftakt zur Verhandlung wurde kurzfristig verschoben. Ob sich das Sextett aus überwiegend türkischstämmigen Angeklagten (zwischen 34 bis 58 Jahre alt) zu den Vorwürfen äußern wird, ist derzeit nicht bekannt.

Zeitweise zu Superschnäppchenpreisen hatten etliche Discounter deutschlandweit 500-Gramm-Packungen einer namhaften Kaffee-Marke anbieten können. Denn rund 4,5 Millionen solcher Pfund-Packungen hatten die Angeklagten laut Staatsanwaltschaft zu Dumping-Preisen auf den Markt geworfen. Die Vorwürfe dieses angeblich sorgsam organisierten Steuerbetrugs reichen zurück bis ins Jahr 2008.

Damals nämlich sollen die Angeklagten einen internationalen Firmenverband mit Stationen nahe Düsseldorf, in Frankreich, in den Niederlanden und womöglich auch in England aus der Taufe gehoben haben. Mit Scheinrechungen sowie falschen Lieferscheinen sollen dann die fast 2500 Tonnen Röstkaffee in den Folgejahren so lange zwischen den beteiligten Firmen hin und her verkauft und angeblich auch geliefert worden sein, bis den Drahtziehern vom deutschen Fiskus die Kaffeesteuer für jene Geschäfte als Vorsteuer erstattet wurde.

Tatsächlich aber, so vermuten die Ermittler weiter, sollen die 4,5 Millionen Pfund-Packungen das deutsche Terrain nie verlassen haben. Sollte der Kaffee teilweise doch mal ins Ausland geliefert worden sein, dann habe die Tätergruppe die Ware laut Anklage schnell und heimlich wieder zurück nach Deutschland geschafft – und hier zum Schnäppchenpreis an Supermarktketten verhökert. Auf diese Weise gelangte tonnenweise Röstkaffee unversteuert auf den deutschen Markt, so lautet der Vorwurf gegen die Angeklagten.

Für den Prozess um dieses Kaffee-Karussell hat das Landgericht bis Ende April 2021 bisher 27 weitere Verhandlungstermine reserviert. Nach dem am Dienstag kurzfristig verschobenen Beginn des Prozesses ist der Start jetzt für den 9.Oktober vorgesehen.