Schwerer Unfall am Tausendfüßler: Ampel in Baustelle übersehen?

Schwerer Unfall am Tausendfüßler : Ampel in Baustelle übersehen?

Zeugen des schweren Unfalls, bei dem am Sonntag am Tausendfüßler ein Sportwagen mit einer Rheinbahn kollidierte, sagen, der Mercedes-Fahrer habe beim Abbiegen das Rotlicht der Ampel ignoriert. Viele Düsseldorfer beklagen die Unübersichtlichkeit im Bereich der Kö-Bogen-Baustelle.

Zeugen des schweren Unfalls, bei dem am Sonntag am Tausendfüßler ein Sportwagen mit einer Rheinbahn kollidierte, sagen, der Mercedes-Fahrer habe beim Abbiegen das Rotlicht der Ampel ignoriert. Viele Düsseldorfer beklagen die Unübersichtlichkeit im Bereich der Kö-Bogen-Baustelle.

Blick auf die Abbiegespur vor dem Dreischeibenhaus auf die Interimstraße, die unter dem Tausendfüßler hindurchführt. Rechts die Ampel. Foto: Bretz, Andreas

Der 45-jährige Mercedes-Fahrer, der nach der Kollision mit einem Niederflurzug der Rheinbahn im Wrack seines Cabriolets eingeklemmt war, ist außer Lebensgefahr. Noch hat sich der schwer verletzte Düsseldorfer, dessen 14 Jahre alter Beifahrer sich selbstständig und nur mit leichten Blessuren aus den Trümmern befreien konnte, nicht zu dem schweren Unfall äußern können.

Aber die Polizei ermittelt gegen ihn als möglichen Verursacher der schweren Kollision. "Es gibt mehrere unabhängige Zeugenaussagen, nach denen der Mercedes-Fahrer bei Rot gefahren sein soll", bestätigte Polizeisprecher Markus Niesczery.

Die Interimstraße zwischen Berliner und Heinrich-Heine-Allee war gestern wieder einmal gesperrt, allerdings nicht aus bautechnischen Gründen, wie Stadtsprecher Manfred Blasczyk erklärte. Vielmehr werde geprüft, ob der Unfall auch für die Kö-Bogen-Baustelle Folgen hatte. Als der Mercedes von der Rheinbahn erfasst worden war, hatte die Wucht des Aufpralls die Bahn aus den Gleisen gehoben, die dann in einen Baucontainer unter dem Tausendfüßler gerutscht war.

Die Schienen hatte ein Werkstatt-Trupp der Rheinbahn noch am Unfallabend wieder in Ordnung gebracht. Mit der Bahn dürfte das schon schwieriger werden. "Die ganze Front ist hin, etliche Glasscheiben und eine Menge Blech sind kaputt", sagt Georg Schumacher von der Rheinbahn.

Auch ein Fahrwerkschaden sei nicht auszuschließen. "Aber zum Glück ist keiner unserer Fahrgäste ernstlich verletzt worden." Der Rheinbahnfahrer, der im Fahrerhaus den Unfall nicht verhindern konnte und einen Schock erlitten hatte, habe sich ebenfalls erholt.

Die Linie 706 vom Jan-Wellem-Platz in Richtung Norden war am Sonntagnachmittag mit 45 Personen ungewöhnlich gut besetzt. Drei Erwachsene und ein Baby erlitten vor allem Prellungen und Schnittverletzungen durch das zerbrochene Glas. "Wäre die Bahn nicht entgleist, wäre wahrscheinlich im Zug niemandem etwas passiert", so Schumacher. Dass das Cabriolet den tonnenschweren Zug beim seitlichen Aufprall aus den Gleisen hob, spreche für die enorme Wucht der Kollision.

Seit zweieinhalb Jahren verbindet die so genannte Interimstraße, auf die der Mercedes von der Berliner Allee kommend nach links abgebogen war, die Berliner mit der Heinrich-Heine-Allee, ersetzt so die Elberfelder- und einen Teil der Hofgartenstraße — und sie führt mitten durch die Großbaustelle für den Kö-Bogen, wegen der sie im Januar 2010 angelegt wurde. Mehrfach ist seither die Streckenführung verändert worden. "Unfälle hat es in diesem Bereich aber noch nie gegeben", sagt Blasvzyk.

Für viele RP-Leser grenzt das an ein Wunder. Nach den ersten Meldungen über den schweren Unfall klagten viele im Internet über die unübersichtliche Streckenführung. Wer zurzeit zwischen Bauzäunen und Absperrbaken nach links auf die Interimstraße abbiegt, muss gleich hinter der Ampel erst eine scharfe Links- und gleich danach eine scharfe Rechtskurve fahren.

"Dass da auch noch Schienen liegen und mit Bahnverkehr zu rechnen ist, kann man da leicht übersehen, ebenso die Ampel", stellte ein Autofahrer fest, der nach eigenen Angaben täglich die Interimstraße nutzt. "Für Auswärtige ist das noch viel irritierender."

Stadtsprecher Blasczyk wollte sich gestern mit Rücksicht auf das laufende Unfallermittlungsverfahren der Polizei nicht zur Frage äußer, ob an Beschilderung und Straßenführung nachgebessert werden muss. In gut einem Jahr wird die Strecke ohnehin Geschichte sein. Im Herbst 2013 wird sie mit Eröffnung des Kö-Bogens durch einen neuen Tunnel unter der Elberfelder Straße ersetzt.

(RP/jco/ac/ila)