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Carrera-Bahnen: Am Heck des Flitzers

Carrera-Bahnen : Am Heck des Flitzers

Es begann in den Kinderzimmern mit Carrera-Bahnen. Heute fahren etwa 20 Rennwagen-Freunde auf vier Bahnen in Düsseldorf richtige Renn-Serien aus. Die Bedingung der "Scale-Racer" ist aber: Die Fahrer müssen ihre Flitzer selbst bauen.

Der Computer ist unbestechlich — und erbarmungslos. Er dreht André Kaczmarek (40) noch vor der ersten Kurve den Saft ab. Die Strafe für seinen Fehlstart. Zwei, vielleicht auch drei Hundertstel-Sekunden zu früh war sein Zeigefinger gegen den Gashebel getippt. Doch der Computer registriert alles — da hilft kein Diskutieren, kein Lamentieren. Ausgebremst steht der Flitzer in der Spur und wartet auf frischen Strom. Die Konkurrenz enteilt. Drei Sekunden, vier, fünf. Kaczmarek gibt Vollgas — die Aufholjagd beginnt.

Fünf Männer fahren den Grand Prix auf einer fünfspurigen 40-Meter-Holzbahn in Flingern aus. Die Rennen der anderen sind schon beendet. Auf kleinen Podesten haben sie ihre Autos abgestellt. Kunterbunte Plastikkarossen auf Metallfahrwerken. Jeder hat seinen Rennwagen selbst gebaut. Den Originalen nachempfunden, die in der US- Nascar-Serie an den Start gehen.

"Scale-Racing" erinnert an die Carrerabahn aus Kinderzimmerzeiten. Doch aus den Jungs sind Männer geworden, die Bahn ist länger, die Autos größer. Wer nicht fährt, feilt still am Gefährt. Jeder hat seinen Werkzeugkoffer dabei.

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"Scale-Racing" ist ein ruhiges Hobby. Die Köpfe der Fahrer drehen Achten — die Augen hängen am Heck des Wagens. In 8.145 Sekunden meistert Dirk Neuhaus (40), der Schnellste, jede Gerade und Spitzkehre einmal. Gas geben, anbremsen, Kurve und wieder beschleunigen. Sechs Minuten dauert ein Rennen. Dann werden Runden gezählt, und das Auto wird auf eine andere Spur gesetzt. Es gewinnt, wer nach einer halben Stunde die längste Gesamtstrecke zurückgelegt hat.

Laut wird es nur, wenn Frieder Lenz (58) "Terror" in den Raum ruft. Sofort unterbricht Oscar Hernandez (40) die Stromzufuhr. Lenz ist Streckenposten und überwacht die geschlängelte Brücke im Mittelabschnitt. Dort hat einer der Fahrer die Kontrolle über sein Auto verloren. Mit einem Satz springt der Wagen aus der Schiene, kollidiert mit dem Nachbar-Flitzer. Das Chaos ist perfekt. "Bei einem solchen Crash wird das Rennen sofort unterbrochen", sagt Lenz, während er die Unfallfahrzeuge zurück in die Spur setzt. "Okay", sagt er und Hernandez drückt wieder auf den Schalter.

Die Bahn steht in Hernandez' Geschäft "Amoslot" an der Schirmerstraße. Jeden Freitagabend treffen sich etwa 20 "Scale-Racer" bei ihm, einmal im Monat fahren sie ein Rennen der Serie aus. "Es gibt aber je nach Fahrzeugtyp ganz verschiedene Wettbewerbe", sagt Kaczmarek, der rund 50 Rennfahrer in der Stadt vermutet. Die treten sogar zu Sechsstundenrennen und Gebirgsfahrten an. Bei Hernandez steht Düsseldorfs einzige Bergstrecke.

Meter um Meter macht Kaczmarek gut, das Auto liegt wunderbar in der Spur — die Lager sind geölt, die Reifen greifen. "Der Reifenschliff entscheidet über Sieg oder Niederlage", sagt Hernandez. Wenn nur der Fehlstart nicht gewesen wäre. Es brechen die letzten Sekunden an. Kaczmarek gibt Gas, doch sein Auto rollt aus und bleibt kurz vor der Ziellinie stehen. Emotionslos spukt der Computer das Ergebnis aus. Dirk: 40 Runden, André: 39.

(RP)