Düsseldorf: Alte Fabrik belebt die Kultur-Szene in Bilk

Düsseldorf : Alte Fabrik belebt die Kultur-Szene in Bilk

Zwei Münchener haben aus den ehemaligen Hallen der Fabrik "Max Mothes" einen der besten Veranstaltungsorte der Stadt gemacht – für begrenzte Zeit. Heute wird das "Boui Boui Bilk" auch zum Club.

Zwei Münchener haben aus den ehemaligen Hallen der Fabrik "Max Mothes" einen der besten Veranstaltungsorte der Stadt gemacht — für begrenzte Zeit. Heute wird das "Boui Boui Bilk" auch zum Club.

Wer noch ein Ticket für die Silvesterparty im "Boui Boui Bilk" ergattern will, muss Glück haben. Mehrere DJs legen heute Abend in der ehemaligen Fabrikhalle in Bilk zum Tanz auf, die 400 Eintrittskarten sind fast alle im Vorverkauf weggegangen. Es gibt nur noch Restkarten an der Abendkasse.

Zum ersten Mal wird das "Boui Boui Bilk" zum Club — und die Macher Florian Liss und Stefan Schmidl hoffen, sich eine neue Nische zu erobern. Seit dem Frühjahr beleben sie als Zwischennutzer das Gelände an der Suitbertusstraße. Die Münchener haben mit ihrer Firma 0049 Events vier riesige Fabrikhallen angemietet, in denen das Unternehmen Max Mothes früher Schrauben fertigte. Seitdem suchen sie nach Möglichkeiten, die Räume zu nutzen — und freuen sich über viel Nachfrage. "Solche Räume haben gefehlt", sagt Florian Liss, 32 Jahre, studierter Soziologe, der das "Boui Boui" vor Ort betreut.

Zwei der vier Fabrikhallen sind als Ateliers an Kunststudenten vermietet, in der größten Halle richtet 0049 Events einmal im Monat einen Nachtflohmarkt aus, vor Weihnachten auch einen Designbasar. Beim Street-Art-Festival "40 Grad" war das "Boui Boui" einer der wichtigsten Veranstaltungsorte. Zudem werden die Hallen für alle möglichen Zwecke vermietet: für Aufführungen eines Improvisations-Theaters oder als Showroom für ein Modeprojekt von Schülern. Die Fachhochschule ließ im "Boui Boui Bilk" sogar mehr als 400 Prüflinge ihre Klausuren schreiben, weil es ihr wegen Umbaus an Raum mangelt.

Das Unternehmen 0049 Events entstand 2007 in einem Uni-Projekt. Die Studenten waren aufgerufen, mit fünf Euro Startkapital ein Unternehmen zu gründen. Liss und Schmidl erfanden den Nachtflohmarkt, einen hipp aufgemachten Trödel für junge Besucher. Die erste Ausgabe in der Uni-Mensa kam so gut an, dass die beiden sich selbstständig machten. Inzwischen richten sie in ganz Deutschland solche Märkte und andere besondere Veranstaltungen aus und beschäftigen einen festen Mitarbeiter, zwei Azubis und rund 80 freie Mitarbeiter.

Auf der Suche nach einem Büro in Düsseldorf stieß Liss auf die leerstehende Fabrik — und entwickelte die Idee für das "Boui Boui" (der Name kommt aus dem Französischen und bedeutet Kaschemme). Nach rund einem Dreivierteljahr gibt er sich zufrieden. "Der Ort wird sehr gut angenommen." Im kommenden Jahr sollen neue Veranstaltungen folgen, zum Beispiel ein Public Viewing bei der Fußball-WM. Außerdem soll es weitere Partys gibt — allerdings "wohl dosiert", wie Liss sagt. Die Genehmigung gilt zunächst nur für den Silvesterabend, außerdem sollen die Partys etwas Besonderes bleiben. "Wir könnten uns als Nächstes gut eine Karnevalsparty vorstellen."

Ob es das "Boui Boui Bilk" zum kommenden Silvester noch gibt, weiß Liss nicht. Der Eigentümer, der nicht genannt werden möchte, hat 0049 Events die Hallen nur für eine Zwischennutzung überlassen. "Der Vertrag kann in sechs Monaten oder sechs Jahren enden", sagt Liss. Für die Unternehmer ist das ein Risiko, denn auch wenn die Hallen einen unfertigen Charme behalten sollen, haben sie einiges investiert. "Man fragt sich natürlich bei jeder Schraube, ob sie sich lohnt." Liss hofft, dass das Aus nicht zu schnell kommt — und will anschließend weiterziehen. "Dann suchen wir uns etwas Neues."

(RP)
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