Traditionsunternehmen beantragt Rettungsschirm: Als Strauss noch Wolle in der Altstadt verkaufte

Traditionsunternehmen beantragt Rettungsschirm: Als Strauss noch Wolle in der Altstadt verkaufte

Im Jahr 1902 eröffneten Maria und Heinrich Strauss ihr erstes Geschäft in Düsseldorf – und legten so den Grundstein für eine große Unternehmenstradition. Nun könnte sie ihr trauriges Ende finden.

Im Jahr 1902 eröffneten Maria und Heinrich Strauss ihr erstes Geschäft in Düsseldorf — und legten so den Grundstein für eine große Unternehmenstradition. Nun könnte sie ihr trauriges Ende finden.

Fast jeder kennt heute Strauss, dieses kaufhausähnliche Geschäft, das es in fast jeder Innenstadt zu finden gibt, und bei dem nicht ganz einfach zu definieren ist, was es eigentlich alles verkauft. Seit zwei Tagen weiß man noch mehr über Strauss: Das Unternehmen steckt in einer ernsten wirtschaftlichen Krise, ihm droht die Insolvenz, Mitarbeiter sind verunsichert und Führungskräfte voll und ganz damit beschäftigt, einen Plan auszuarbeiten, um die Kette nach mehr als 100 Jahren Unternehmenstradition zu retten.

Genauer gesagt begann diese Tradition vor 112 Jahren in der Düsseldorfer Altstadt. Dort eröffneten im Jahr 1902 die Eheleute Maria und Heinrich Strauss ihr erstes Geschäft für Kurz-, Weiß- und Wollwaren. Heute weiß kaum einer mehr, was Kurzwaren sind, geschweige denn, dass sie jemand benötigt. Damals jedoch, als noch jede Frau nähen konnte und ein kaputter Pullover nicht gleich durch den nächsten ersetzt wurde, lieferte Strauss genau das, was die Kunden brauchten. Mit Erfolg: Aus dem Lädchen wurde ein Unternehmen, immer mehr Filialen wurden eröffnet. Und Strauss blieb in Familienhand. Zumindest bis ins Jahr 1989, dann verkaufte Familie Strauss ihr Lebenswerk.

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Deutschlandweit wurden anschließend Filialen eröffnet, Hauptsitz der Strauss Innovation, wie das Unternehmen bis heute heißt, wurde Langenfeld. Zweimal noch wechselte das Unternehmen schließlich den Eigentümer. Seit Ende 2011 ist Strauss schließlich in den Händen von Sun Capital Partners. Der amerikanische Finanzinvestor übernahm Strauss von der schwedischen EQT-Gruppe, die seit 2008 die Geschäfte lenkte und das Unternehmen damals schon einmal aus einer finanziellen Schieflage rettete. Sun Capital Partners ist es nun auch, der um Strauss kämpfen muss.

Bleibt die Frage, was aus dem kleinen Laden für Wolle und Kurzwaren geworden ist. Grob könnte man das Sortiment der Strauss-Häuser wohl als eine Mischung von Textil- und Haushaltswaren beschreiben. Bei Strauss gibt es Kleidung, Nahrungsmittel und Deko-Artikel, ja sogar Möbel. Ist das Unternehmen damit für den Handel unersetzbar? Nein. Ein Verlust wäre es trotzdem, wenn die Filialen plötzlich aus den Innenstädten verschwinden würden — besonders für Düsseldorf. Denn obgleich heute Langenfeld der Hauptsitz des Unternehmens ist, hat in Düsseldorf ja alles einmal angefangen mit einer Familie, die Kurzwaren zu Preisen verkaufte, die sich auch die weniger Reichen leisten konnten. Mit Strauss verschwände wieder ein Stück Stadtgeschichte und würde Platz machen für eine weitere Billig-Modekette oder eine Luxus-Boutique.

Schließlich sind Düsseldorfs verbleibende sieben Strauss-Filialen allesamt in Toplagen wie der Flinger Straße in der Altstadt, der Schadow- oder der Nordstraße angesiedelt. Was aus ihnen, ihren 130 Mitarbeitern und allen anderen Geschäften in Deutschland wird, bleibt nun abzuwarten. Der Sanierungsplan soll noch einmal alles retten, hofft die Geschäftsführung. Zu wünschen wäre es den Verantwortlichen und Mitarbeitern, auch würden sie damit doch auch das Andenken an Maria und Heinrich Strauss positiv bewahren.

(RP)
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