Lange Beziehungen: Als die Japaner das Alt entdeckten

Lange Beziehungen: Als die Japaner das Alt entdeckten

In Düsseldorf gibt es eine der größten japanischen Gemeinden Europas mit Hunderten Unternehmen. Die Basis für Beziehungen legte 1859 der Düsseldorfer Louis Kniffler in Nagasaki. Drei Jahre später kam die erste japanische Delegation und erheiterte sich am dunklen Bier.

Suncho Sanchome lebt seit 40 Jahren in Düsseldorf, mit seiner Frau wohnt er an der Immermannstraße im Herzen der japanischen Gemeinde. Sanchome hat seit 1968 erlebt, wie immer mehr seiner Landsleute, zumindest für eine gewisse Zeit, in die NRW-Landeshauptstadt kamen. Gerne erzählt er von den vermutlich ersten Japanern, die Altbier getrunken haben.

Gelesen hat Sanchome das in einem Zeitungsartikel aus dem Jahr 1862. Damals hatte eine japanische Delegation aus 38 Mitgliedern der Tokugawa-Dynastie auf dem Weg von den Niederlanden nach Köln in Düsseldorf Halt gemacht. "Am 17. Juli, von 14 bis 16 Uhr", so Sanchome. Ort des Geschehens war der Bahnhof auf dem Graf-Adolf-Platz. Die Delegation erfrischte sich an diesem wohl heißen Sommertag mit kühlem Altbier, und der Journalist notierte, die Gruppe sei ausgesprochen "heiter" gewesen.

Abschied mit Feuerwerk

Die bestehenden Beziehungen zwischen Japan und Düsseldorf, aber auch ihr Ursprung waren Thema eines Empfangs in der Residenz des japanischen Generalkonsuls Shin Maruo, der daran erinnerte, dass es ein Düsseldorfer war, der einst die Basis für die deutsch-japanischen Handelsbeziehungen gelegt hatte: Louis Kniffler, der am 1. Juli 1859 in Nagasaki ein Handelshaus gründete und auf dessen Initiative es 1861 zur Unterzeichnung des preußisch-japanischen Handelsvertrages kam. Als der preußische Konsul Silvester 1865 Japan in Richtung Düsseldorf verließ, wurde er mit einem Feuerwerk verabschiedet. Heute erinnert eine Gedenktafel an der Freundschaftssäule im Japan-Center an der Immermannstraße an Kniffler.

  • Fotos : Düsseldorf im Japanfieber
  • Fotos : Trommelwirbel aus Nordjapan

Längst ist Düsseldorf ein wichtiger Wirtschaftsstandort für japanische Firmen geworden, erst recht nach der Osterweiterung der Europäischen Union, wie Takayoshi Nakano, Präsident der Japanischen Industrie- und Handelskammer (IHK), betonte: "Deutschland wurde damit zum Zentrum der europäischen Wirtschaft. Und Düsseldorf liegt im Zentrum der EU." Die Finanzkrise wollte Nakano nicht zu pessimistisch sehen. Die Stärke der Wirtschaft hänge von der Stärke der Industrie ab. "Und in Japan wie in Deutschland gibt es noch immer starke Produzenten."

Blieb noch die Frage, warum gerade Düsseldorf für japanische Unternehmen so attraktiv ist, dass sie sich hier in so großer Zahl niederlassen. Der Ursprung der japanischen Gemeinde war nach dem Zweiten Weltkrieg die Stahlindustrie im Ruhrgebiet, weshalb sich einige Unternehmen in Düsseldorf, "dem Schreibtisch des Ruhrgebiets" niederließen, wie Yasuo Inadome, Sprecher des Japanischen Clubs, erklärte.

Die Attraktivität Düsseldorfs mache vor allem die "große Unterstützung durch die Einheimischen aus", aber auch die Infrastruktur. Dazu gehören nicht nur Autobahnen und Flughafen, sondern besonders die Internationale Japanische Schule: Seit sie 1971 eröffnete, so Schulleiter Hiromi Kida, stieg die Zahl japanischer Unternehmen in der Stadt rasant.

Hier geht es zur Infostrecke: Japaner in Düsseldorf

(RP)