Die Linke in Düsseldorf: Alles für Sahra - Lafontaines Einzelwahlkampf

Die Linke in Düsseldorf : Alles für Sahra - Lafontaines Einzelwahlkampf

Oskar Lafontaine hat sich erst nach langem Zögern gegen eine Kandidatur für den Bundestag entschieden. Jetzt macht der fast 70-Jährige Wahlkampf für seine Lebensgefährtin. Sahra Wagenknecht soll sein politisches Erbe in der Linkspartei verteidigen.

Sahra Wagenknecht steht ziemlich regungslos und mit verschränkten Händen auf der Bühne, als wenn ihr das ganze Schauspiel nicht so ganz passen würde. Der Mann an ihrer Seite legt die eine Hand an ihre Schulter, winkt mit der anderen heftig ins Publikum und strahlt wie ein Spitzenkandidat. Es ist Oskar Lafontaine, ihr Lebensgefährte und früherer Parteichef der Linken.

Der 69-Jährige hat so viel Spitzenkandidaten-Erfahrung wie kaum ein anderer Politiker in Deutschland. Für die SPD, das Linksbündnis aus PDS und WASG und die daraus hervorgegangene Linke zog er in den Wahlkampf. Zuletzt fuhr er 2009 zusammen mit Gregor Gysi ein Rekordergebnis von 11,9 Prozent für die Linke ein.

Am Samstagabend steht Lafontaine auf einer Bühne in der Düsseldorfer Altstadt und macht Wahlkampf für die Spitzenkandidatin Wagenknecht. Der Saarländer hat lange überlegt, ob er selbst noch einmal für den Bundestag kandidieren soll. Im April entschied er sich dagegen - weil er keine Perspektive mehr für eine Realisierung seiner politischen Vorstellungen sah.

Bereut hat er den Schritt nicht, obwohl er in Düsseldorf von 250 Linke-Sympathisanten lautstark gefeiert wird. "Man muss auch dazu beitragen, dass die Jüngeren die Verantwortung übernehmen", sagt er. Lafontaine wird in einer Woche 70. Seinen Wahlkampf hat er auf die Unterstützung Wagenknechts und ihres nordrhein-westfälischen Landesverbandes ausgerichtet.

Von seinen 13 Auftritten im September finden die meisten im bevölkerungsreichsten Bundesland statt. Ein Wahlkampf nur aus Liebe ist es trotzdem nicht. Lafontaine selbst verweist darauf, dass ein Wahlerfolg in Nordrhein-Westfalen schon immer "die halbe Miete" gewesen sei.

Es dürfte aber auch um innerparteiliches Machtkalkül gehen. In der kommenden Wahlperiode wird in der Linken das politische Erbe des einstigen Erfolgsduos Lafontaine/Gysi verteilt. Gysi steht dabei auf der Seite des ostdeutschen Reformflügels um den früheren Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch. Wagenknecht soll die Nachfolge Lafontaines als Wortführerin des linken Parteiflügels mit Machtbasis im Westen antreten.

Bisher haben sich beide Seiten ausgebremst. Gysi hat sich bisher geweigert, die Linksfraktion im Bundestag gemeinsam mit Wagenknecht zu führen. Umgekehrt haben die Lafontainisten auf dem Göttinger Parteitag im vergangenen Jahr verhindert, dass Bartsch Parteichef wird. Gysi und Lafontaine haben sich damals überworfen. In diesem Wahlkampf gibt es keinen gemeinsamen Termin der beiden. Bei dem Parteikonvent zum Auftakt der heißen Wahlkampfphase an diesem Montag in Berlin wird Lafontaine fehlen.

Und auch das Saarland überlässt Lafontaine Gysi, weil er sich mit seinem eigenen Landesverband zerstritten hat. Seine Favoriten für die saarländische Spitzenkandidatur, die Ex-Tennisspielerin Claudia Kohde-Kilsch und die Bundestagsabgeordnete Yvonne Ploetz, unterlagen bei der Nominierung gegen Thomas Lutz. Der veranstaltete ausgerechnet parallel zum Termin von Wagenknecht und Lafontaine in Düsseldorf seine zentrale Wahlkampfveranstaltung in Saarbrücken. Hauptredner:
Gregor Gysi.

Der zeigte sich wiederum am Rande der Veranstaltung irritiert, dass Lafontaine im Wahlkampf seinen eigenen Landesverband schneidet. "Mir gefallen auch nicht alle Kandidaten, und ich gehe trotzdem hin", sagte er. Allerdings fügte er hinzu, dass Lafontaine nun ja fast 70 sei. "Dann darf er sich doch auch ein bisschen zurückziehen."

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(dpa)