Alle Gymnasien in Düsseldorf haben sich für G9 entschieden

Die Kosten liegen bei mehr als 100 Millionen Euro : G 9 an allen Düsseldorfer Gymnasien

In der Landeshauptstadt wird es keine Ausnahmen geben. Städtische sowie kirchliche Gymnasien kehren zum Abitur nach neun Jahren zurück. An einem neuen Schulbaupaket wird bereits gearbeitet.

Wer in Düsseldorf sein Abitur machen will, wird dafür künftig in aller Regel neun Jahre eine weiterführende Schule besuchen müssen. Das wurde am Mittwoch bei einer Konferenz der Schulleiter bekannt. Die Stadt begrüßt das. Mehrfach hatte sich Schuldezernent Burkhard Hintzsche für eine „möglichst einheitliche Lösung“ ausgesprochen. Die wichtigsten Fakten im Überblick.

Welche Konsequenzen hat die Entscheidung? An vielen Schulen ist für neun Jahrgänge inzwischen kein Platz mehr. Steigende Schülerzahlen lassen einige Standorte bereits mit acht Jahrgängen aus allen Nähten platzen. Daraus zieht die Stadt Konsequenzen und legt ein eigenes G 9-Schulbau-Paket auf. „Es wird an vielen Schulen neue An- beziehungsweise Neubauten geben“, sagt Dagmar Wandt, Leiterin des Schulverwaltungsamts. Vorgesehen sei das unter anderem für die beiden Gerresheimer Gymnasien (Am Poth, Marie-Curie), die beiden Benrather Gymnasien (Annette-von-Droste-Hülshoff und Schloß). Für das Humboldt-Gymnasium in Pempelfort laufe die Prüfung. Die Raumprobleme am Luisen- sowie am Wim-Wenders-Gymnasium werden durch bereits beschlossene Neubauten (Bezug 2024 bzw. 2023) gelöst.

Warum gibt es keine Ausnahmen von G9? „Ein wichtiger Grund ist, dass die Eltern G 8 nicht wollen“, sagt Michael Jacobs, Leiter des evangelischen Theodor-Fliedner-Gymnasiums in Kaiserswerth. In den fünften Klassen seiner Schule hätten 98 Prozent der befragten Mütter und Väter dafür votiert, den bereits laufenden Jahrgang ebenfalls in G 9 zu überführen. Auch die Lehrer hätten sich mehrheitlich für eine neunjährige Laufzeit ausgesprochen.

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Welche Vorteile hat G 9 aus Pädagogensicht? „Künftig wird die zweite Fremdsprache erst in der siebten statt in der sechsten Klasse einsetzen, das ist für die meisten Schüler eine wichtige Entlastung“, sagt Dorothee Pietzko, Leiterin des Rückert-Gymnasiums in Rath. Und ihr Kollege Jacobs ergänzt: „Schüler, die mit 19 Jahren das Gymnasium verlassen, sind meist reifer. Oft haben sie eine deutlich konkretere Idee von ihrer Zukunft.“

Wird es Probleme mit den neuen Stundenplänen geben? Klar ist, dass die Stundenpläne weniger verdichtet sein werden. Die Zahl der verbindlichen Wochenstunden wird bei 30 beziehungsweise 32 (ab Klasse 7) liegen. Vor allem Ganztags-Gymnasien stellt das vor ein Problem. Sie müssen an mehreren Wochentagen bis 15 Uhr ein für alle verpflichtendes Angebot machen. „Bei 30 Wochenstunden reicht es aber eigentlich, den Unterricht bis 13.30 laufen zu lassen, es entsteht durch G 9 eine Lücke, die neu gefüllt werden muss“, sagt Jacobs.

Gibt es Auswirkungen auf die Hochschulen? Ja. 2026 wird es fast keine Gymnasial-Abiturienten geben. Die jetzigen sechsten Klassen machen 2025 ihr Abi, die nächsten Schüler erst wieder 2027. Christoph J. Börner, Prorektor an der Heine-Universität, sagt: „Wir haben das bereits auf dem Schirm. Wir können uns gut vorstellen, 2026 als Chance zu begreifen, um gezielt Menschen jenseits der klassischen Zielgruppe auf unsere Universität aufmerksam zu machen.“

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