Düsseldorf: Aldis blaue Laster sind "grün"

Düsseldorf: Aldis blaue Laster sind "grün"

Aldi Süd testet mit vier erdgasbetriebenen Lkw, wie sich umweltverträgliche Kraftstoffe mit den logistischen Anforderungen eines Großkonzerns verbinden lassen. Einer der neuen Laster fährt durch Düsseldorf.

Mehr als 4000 Filialen bundesweit, davon rund 30 Läden in Düsseldorf - Aldi ist eines der größten Unternehmen in Deutschland. Täglich fahren zahlreiche Lkw mit Waren von den Logistikzentren zu den Märkten, um die Waren möglichst frisch in den Regalen präsentieren zu können. Ein dermaßen großes Netzwerk von Transporten belastet aber auch die Umwelt. Zwar ist in den letzten Jahren der Schadstoffausstoß vor allem bei Lkw durch moderne Technik stark gesunken, dennoch gelangen mit jedem gefahrenen Kilometer diverse giftige Substanzen in unsere Luft.

Aldi Süd will dem entgegenwirken. Seit gestern sind vier neue Erdgas-Lkw für Aldi im Einsatz. Es handelt sich dabei um eine Testreihe: Über fünf Jahre sollen die Laster im alltäglichen Logistik-Geschäft eingesetzt werden. Dabei wird gemessen, wie effektiv sie sind und wie viele Schadstoffe sie tatsächlich einsparen. Sollten sich die neuen Sattelzüge bewähren, plant Aldi, weitere Teile seiner Flotte auf umweltverträgliche Energie umzustellen.

Die Erdgas-Fahrzeuge sollen im Vergleich zu Diesel-Lkw 16 Prozent weniger CO2 ausstoßen. Außerdem verursachen die Testfahrzeuge 99 Prozent weniger Feinstaub, sparen 70 Prozent Stickoxide ein und fahren deutlich leiser.

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"Wir wollen konsequent weniger klimaschädliche Ausstöße erzielen", sagt Andreas Kremer, Leiter des Logistikmanagements bei Aldi Süd. Darum werden die neuen Laster gezielt dort eingesetzt, wo besonders oft die zulässigen Höchstwerte der Luftverschmutzung überschritten werden. In München, Stuttgart, Frankfurt am Main - und in Düsseldorf.

Für Aldi stellt der Einsatz der Erdgas-Lkw eine logistische Schwierigkeit dar. Die Laster sollen fünf bis acht Filialen am Tag beliefern können. Einer der Sattelzüge kann bis zu 130 Kilogramm Erdgas fassen und verbraucht auf einer Strecke von 100 Kilometern etwas mehr als 20 Kilogramm. Problematisch könnte sich das Betanken der Fahrzeuge gestalten: In Deutschland bieten nur etwa sechs Prozent aller Tankstellen Erdgas an, sagt Kremer. "Und nicht alle davon können von den großen Lkw angefahren werden." Die Routen der Laster müssen so geplant werden, dass sie die wenigen in Frage kommenden Tankstellen ohne große Umwege anfahren können. "Das ist schon eine große Herausforderung", sagt Logistikmanager Kremer. Ein Computer-System soll den Fahrern dabei helfen, ihre Strecken zu planen und die effizientesten und energiesparendsten Wege zu finden.

"Normal tanken kann jeder - ich fahre mit Gas", steht in großen Buchstaben auf den Seiten der vier neuen Laster, darüber fliegen Luftballons. Die Zugmaschinen leuchten in hellem Blau. Aldi will mit seiner Aktion auffallen, will ein grünes Image erzeugen. Die vier Lkw, die in den besonders belasteten Städten eingesetzt werden, sollen, so heißt es, nur der Anfang sein, ein Test, um Erfahrung mit klimaschonenden Antriebsvarianten zu sammeln. Sollten sie sich problemlos in die alltäglichen Abläufe integrieren lassen, verspricht der Großkonzern, wird ein Großteil der Transportflotte durch ähnlich sparsame Modelle ersetzt werden. Erdgas ist nicht der einzige Schritt, den Aldi auf dem Weg zu einer umweltverträglicheren Logistik gehen will. Ab Herbst soll im Ruhrgebiet der erste Elektro-Lastwagen zum Einsatz kommen, der mit Öko-Strom betrieben wird.

(RP)