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Betrugsvorwürfe gegen Helge Achenbach: Aldi-Witwe bringt Kunsthändler in Haft

Betrugsvorwürfe gegen Helge Achenbach : Aldi-Witwe bringt Kunsthändler in Haft

Ein Mitglied der Familie Albrecht (Aldi) hat den Düsseldorfer Kunstberater Helge Achenbach angezeigt. Wegen Betrugsverdachts sitzt er seit zwei Wochen in U-Haft. Es geht um Kunst und Oldtimer.

Jahrelang blühte die geschäftliche und private Beziehung des Düsseldorfer Kunstberaters Helge Achenbach zum Aldi-Chef Berthold Albrecht. Dutzende Kunstwerke kaufte Achenbach für seinen Kunden ein, die Wertsteigerung einiger Werke war enorm, beide Seiten waren zufrieden. Aber vor zwei Jahren starb Berthold Albrecht, und die Witwe Babette beurteilt das Geschäftsmodell offenbar anders. Jedenfalls hat sie Anzeige gegen Achenbach erstattet, der Vorwurf lautet auf Betrug. Achenbach soll, vereinfacht gesagt, an Albrecht Bilder zu höheren Preisen verkauft haben, als er den Künstlern selbst bezahlte.

Die Anzeige führte zu Ermittlungen, und schließlich beantragte die Staatsanwaltschaft Essen (sie ist zuständig, weil Babette Albrecht dort lebt) einen Haftbefehl. Der wurde auch erlassen - am 10. Juni wurde Achenbach am Flughafen Düsseldorf festgenommen. Um 7.48 Uhr war sein Lufthansa-Flug gelandet, Achenbach kam mit seiner Frau zurück aus Brasilien, wo er das Camp der deutschen WM-Mannschaft mit Kunst ausgestattet hatte. Vom Flughafen ging es in einer stundenlangen Irrfahrt (die Straßen waren wegen des Sturms am Pfingstmontag blockiert) zur Essener Kripo, von dort in die JVA Düsseldorf, wo er seitdem einsitzt und nur Kontakt zu seinen Anwälten haben darf.

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Vorher hatte es im Privathaus und im Büro Achenbachs Durchsuchungen gegeben, was man fand und ob man noch auswertet, ist offen. Auffällig ist jedenfalls die lange Dauer der Untersuchungshaft. In Essen gibt sich Oberstaatsanwältin Anette Milk bei dem Thema sehr zugeknöpft.

Mehr als die "Basisinformation", dass ihre Behörde Achenbach Betrug vorwirft, will sie eigentlich nicht bestätigen. "Wir sind noch mitten in den Ermittlungen." Und denen zufolge habe Achenbach den Auftrag gehabt, "für einen Unternehmer, der Geld in Kunst anlegen wollte, diese zu beschaffen". Über die Konditionen sei eine Vereinbarung getroffen worden, der Vermittler habe die aber gebrochen, indem er falsche Ankaufswerte angegeben, folglich die Objekte zu überhöhten Preisen weitergegeben habe.

"Wir reden nicht über 3,50 Euro"

Über die Zahl der Werke schweigt die Oberstaatsanwältin ebenso wie über deren Wert, bestätigt lediglich, dass es nicht nur um Kunst, sondern auch um mindestens einen Oldtimer gegangen sei. Auch die Schadenshöhe bleibt geheim. Aber: "Wir reden nicht über 3,50 Euro", so Milk. Und angesichts der angeordneten Untersuchungshaft, an die der Gesetzgeber hohe Voraussetzungen knüpfe, sei erkennbar, dass es um einen beträchtlichen Schaden gehe. Ausgestellt wurde der Haftbefehl übrigens wegen Fluchtgefahr, schließlich, so Milk "verfügt Herr Achenbach über beste Kontakte ins Ausland".

Das stimmt: Der Kunstberater hat eng mit dem Museum of Modern Art (MoMa) in New York zusammengearbeitet, auf Lanzarote eine Ausstellung organisiert, kennt die Szene weltweit, hat enge Kontakte zu mehreren Mächtigen und Reichen in China und den Arabischen Emiraten.

In Deutschland wurde er bekannt, weil er früh erkannte, dass man mit Kunstkonzepten für Firmenniederlassungen Geld verdienen konnte. Banken und Versicherungen ließen sich von ihm ihre Neubauten schmücken, er vermittelte Gemälde und Skulpturen, schuf beispielsweise für den VW-Konzern Kunst- und Event-Konzepte. Nach der Elbe-Flut 2002 bat er namhafte Künstler (unter anderem Gerhard Richter) um Werke, verkaufte sie in einer Auktion und half mit den erlösten 3,4 Millionen Euro bei der Sanierung des bei der Flut beschädigten Albertinums in Dresden. Achenbach brachte den damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder und Jörg Immendorff zusammen, weil Schröder sich von dem ein Porträt wünschte. Das Bild kam zustande und erregte in seinem besonderen Stil, angehaucht mit Gold, großes Aufsehen.

Genauso wie die gastronomischen Ideen, die Achenbach umsetzte: Das 2003 von ihm geschaffene Monkey's Island, eine Strandbar auf einer Landzunge im Rheinstrom des Düsseldorfer Hafens, wurde deutschlandweit berühmt und fand in vielen Städten Nachahmer. Heute steht dort das Hyatt-Hotel. Aber es gab auch Misserfolge: In der renommierten Berenberg Bank gab er ein kurzes Gastspiel - sein Versuch, einen Kunstfonds aufzulegen, scheiterte. Alle Partner trennten sich schnell und still.

Wie lange der Berater noch einsitzt, ist derzeit offen. Seine Anwälte wollen sich nicht äußern, vermutlich wird die Staatsanwaltschaft sich Zeit nehmen, die beschlagnahmten Daten zu prüfen. Die Familie jedenfalls hält das Vorgehen der Justiz für unverhältnismäßig.

In einer Stellungnahme heißt es: "Herrn Achenbach wurde keine Möglichkeit gegeben, sich sachgerecht zu den von Frau Babette Albrecht erhobenen Vorwürfen äußern zu können. Die von Frau Babette Albrecht erhobenen Behauptungen beruhen offenbar auf rein persönlichen Motiven. Es ist hinlänglich bekannt, dass Herrn Achenbach und Herrn Berthold Albrecht bis zu dessen Tode eine engere freundschaftliche Beziehung verband. Herr Achenbach ist zuversichtlich, dass sich herausstellen wird, dass die von Frau Babette Albrecht erhobenen Vorwürfe unberechtigt sind."

Hier geht es zur Bilderstrecke: Kunstberater und Ex-Fortuna-Präsident: Das ist Helge Achenbach

(RP)