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Düsseldorfer Geschichte(n): Albert H. Bitter: Dabei sein ist beinahe alles

Düsseldorfer Geschichte(n) : Albert H. Bitter: Dabei sein ist beinahe alles

Charity und Champagner, Maßanzüge und Prominente. Was eine betont unbescheidene Biografie über die Düsseldorfer Gesellschaft erzählt.

Kein Ort ist privater als die Wohnung eines Menschen. Sie zeigt, was jemandem wichtig ist, was nicht, wo er sich sicher fühlt und welche Schwerpunkte er in seinem Leben setzt. Albert H. Bitter zum Beispiel fühlt sich in der vierten Etage eines Mietshauses aus den sechziger Jahren in Friedrichstadt wohl. Der enge Fahrstuhl ist mit Wurzelholzimitat verkleidet. Im Hausflur wacht ein Porzellan-Pudel über die Wohnungstür, die Bitter nicht einfach nur öffnet; er empfängt vielmehr in seinen "Räumlichkeiten": dunkle, grüne Wände, ein beigefarbener Teppich, der im Laufe der vergangenen Jahrzehnte nachgedunkelt ist, Möbel aus Dunkelholzfurnier, Deckenleuchten aus Kristallimitat, die ihr funzliges Licht auf eine Wand voller gerahmter Schnappschüsse werfen. Sie zeigen Bitter mit Prominenz. Mit Staatsmännern wie Michail Gorbatschow und Helmut Kohl, mit Showgrößen wie Roberto Blanco und Paul Anka und lokalen Größen wie Dirk Elbers und Werner Dornscheidt. Im Wohnzimmer sitzt seine Frau Margot. Im Stile einer Grande Dame hält sie "Lizzy", den chinesischen Zopfhund der Bitters zurück, der Raum wird von einer gut bestückten Hausbar dominiert.

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Bitter führt in sein Büro, wo er Urkunden und Orden aufbewahrt. Er und seine Frau sind Träger des Bundesverdienstkreuzes, er ist Ehrenbürger von Moskau, diverse andere Orden und Medaillen verstauben in einer Vitrine, "da kann man ja nichts mit machen", sagt Bitter und zündet sich eine Marlboro Gold in der Long-Version an. Das Feuerzeug verstaut er in der Westentasche seines Maßanzuges — Bitter ist so sehr overdressed, dass es keine Kategorie mehr dafür gibt.

Er hat ein Buch über sein Leben geschrieben, vielmehr schreiben und drucken lassen, 2000 Exemplare, "doch ich kann schnell nachdrucken", versichert er. "Das ist Bitter", heißt das Buch, und neben dem verunglückten Wortwitz im Titel gibt es noch viele andere peinliche Passagen darin. "Als dann 1938 inmitten von saftigen Weiden, fruchtbaren Feldern, wortkargen, ehrlichen Menschen Albert H. Bitter geboren wird, denkt niemand daran, dass zwischen Plettenberg und Finnentrop ein echter Weltbürger das Licht der Welt entdeckt hat", steht da. Bitter kommt aus Rönkhausen im Sauerland. Der Autor verwendet viele Adjektive und noch mehr Synonyme für seinen Auftraggeber. In dem Buch ist Bitter "rühriger Charity-Novize", "Tausendsassa", "Medien-Zar", "Kommunikations-Profi", "sympathisches Schwergewicht", "ein "Zeitgenosse, der über sich selbst lachen kann", "Charmeur aus Überzeugung", "Party-König", "Gentleman", "Paradiesvogel", "Jet-Set-Experte", doch vor allem ist Bitter wohl Düsseldorfer. Tatsächlich waren wohl wenige über so eine lange Zeit in dieser Gesellschaft so verankert wie er.

Bitter ist Anfang der achtziger Jahre Gründer des "Top-Magazins". Er tritt in Karnevalsvereine ein, besucht Parties und Bälle in der Stadt, schreibt darüber und lässt die, über die er schreibt, Anzeigen schalten. Alle drei Monate erscheint das Magazin, was immer mit einer Party im ehemaligen Edellokal "Sam's" gefeiert wird. Bitter lebt gut davon.

In seiner Serie "Kir Royal" setzt Helmut Dietl dem München dieser Zeit ein Denkmal. Mario Adorf spielt darin einen rheinischen Klebstofffabrikanten, der unbedingt in die Zeitung kommen möchte und Klatschreporter Baby Schimmerlos bedrängt ("Isch scheiß disch zu mit meinem Geld.") Bitter hat damals aus dieser Mentalität ein gut funktionierendes Geschäftsmodell gemacht.

Auch in der Lokalpolitik hat er sich versucht, noch immer ist er Ehrenvorsitzender der CDU Friedrichstadt. "Damals wurde viel gefeiert in der Stadt. Den Leuten ging es gut, und wir haben viel Geld verdient", sagt er.

In einer anderen Spielart der Düsseldorfer Gesellschaft hat Bitter es besonders weit gebracht: Die Verbindung von Charity und Selbstdarstellung. Der Gedanke kam ihm per Zufall. Um auf einer Party etwas zu bieten, hatte er 1988 ein Double des sowjetischen Staatschefs Michail Gorbatschow engagiert und samt Staatskarrosse und KGB-Agenten in Düsseldorf auflaufen lassen. Daraus entwickelte sich ein Hilfsprojekt für Moskauer Kinder. Waren im Wert von mehr als 24 Millionen Mark ließ Bitter in die Sowjetunion und später nach Russland einfliegen. Daraus entstand auch seine Freundschaft mit dem damaligen Bürgermeister von Moskau die Städtepartnerschaft zwischen Düsseldorf und Moskau.

Bitters Leben ist ein Leben in Bildern. Die Einordnung fällt dabei nicht immer leicht. Dennoch erzählt dieses Leben inzwischen auch ein Stück gesellschaftliches Leben in der Stadt.

(RP)