Afew Store feiert Party im Bobbolino-Kinderparadies in Düsseldorf

Party des Düsseldorfer Afew-Store : Was passiert, wenn ein Sneakershop 350 Erwachsene ins Kinderparadies einlädt

Was passiert, wenn man 350 Erwachsene für eine Nacht auf einen Indoor-Spielplatz für Kinder einlädt und Freibier für alle spendiert? Der Sneaker-Laden Afew hat genau das getan. Das Ergebnis: Durch die Zeit reisen kann so einfach sein.

Die Wände des Bobbolino zittern. Basslastig ist die Musik, die aus dem Inneren der Halle auf den Parkplatz schwappt. Draußen weht Zigarettenrauch durch die Luft. Leere Bierflaschen zieren den vor dem Eingang aufgebauten Biertisch, obwohl die Party gerade erst begonnen hat.

Es ist ungewöhnlich warm für eine Februarnacht. Umso mehr Grüppchen von Menschen stehen vor dem Indoor-Spielplatz, rauchen, trinken und quatschen. Eindeutig, dass hier gerade nicht die Geburtstage von Achtjährigen gefeiert werden.

Wer auf der Gästeliste des Afew-Stores steht, darf ins Bobbolino eintreten. Eine Zeitmaschine, die einen augenblicklich in der eigenen Kindheit aussetzt. Hier ist alles wie früher. Die grellen Neonröhren, die jeden Winkel der Halle unbarmherzig ausleuchten. Der blaugraue Teppichboden. Die Attraktionen: viel zu elastische Trampoline, dutzende quietschbunte Rutschen, eine Hüpfburg, getarnt als überdimensionaler Krokodilkopf.

Aber statt Kindergeschrei füllt Musik die Halle. Oben auf der Galerie, wo tagsüber Zehnjährige bis zur Übelkeit Geburtstagstorte verschlingen, hat ein DJ sein Mischpult aufgebaut und legt Rap, Hip Hop und Trap auf. Trettmanns „Nur noch einen“ schallt durch die Halle: „Kill nicht meinen Vibe, kill das Glas.“ Statt Slush-Eis wandert hier Bier über den Tresen – für die geladenen Gäste natürlich umsonst.

350 Leute hat der Sneakerstore Afew hergebeten, um die Veröffentlichung eines neuen Turnschuhs zu feiern. Gekommen sind Stammkunden, Freunde und Kenner der Szene. „Stay Foolish“ – bleib albern – heißt das Modell, das in knalligem Lila und Orange an der Wand erstrahlt. „Mit der Party wollen wir den Leuten die Möglichkeit geben, mal wieder richtig zu Toben“, erklärt Afew-Geschäftsführer Andreas Biergen. In den Store kommt der Schuh erst am 23. Februar. Doch hier können die Gäste für knapp 150 Euro schon ihr eigenes exklusives Paar in die Finger bekommen.

Das Publikum dieser Party ist ungefähr so bunt wie der gefeierte Schuh. Dennoch lassen sich einige Gemeinsamkeiten erkennen: Durch das Bobbolino wandern auffällig viele Kapuzenpullover, Bauchtaschen, Baseballcaps, Bärte und Tattoos. Obwohl es ziemlich warm ist, sieht man nicht wenige Menschen in Wollmützen und übergroßen Winterjacken. Wer schön sein will, muss schwitzen.

Das wichtigste Accessoire des Abends sind aber eindeutig Turnschuhe. Und das ausgerechnet in einem Indoor-Spielplatz, wo die Schuhe ausgezogen werden müssen, um auf den Attraktionen herumzutoben. Die teuren Treter werden in entlang der Rückwand der Halle aufgebauten Ikea-Regalen verstaut. Hier reihen sich Nike Air Max Deluxe an Adidas Ultraboosts und Retro-Air-Jordans. 120-Euro-Regale, gefüllt mit Schuhen im Gesamtwert eines Kleinwagens.

Den wertvollsten Besitz aus den Augen lassen zu müssen, hält dennoch kaum jemanden davon ab, dem inneren Kind freien Lauf zu lassen - wenn es sein muss, eben auch auf Socken. Und dann gelten wieder die Gesetze der Grundschulzeit: Dann fragt der betont lässige Typ in übergroßem weißen Kapuzenpullover und schwarzer Jogginghose ganz selbstverständlich „Wollt ihr gleich mit uns zusammen Fangen spielen?“. Dann sind die coolen Kids diejenigen, die  beim Air-Hockey Spielen von den Mädels angefeuert werden oder Saltos auf dem Trampolin machen, obwohl es explizit verboten ist.

Es ist ein merkwürdiges Nebeneinander von Gegenwart und Vergangenheit an diesem Abend: Während der Typ im Batman-Schlafanzug mit Propeller-Kappe trotz Verkleidung sein Alter nicht leugnen kann und in der Kinderschaukel stecken bleibt, kippen seine Freunde daneben Jägermeister-Shots herunter.

Wer beim Trampolinspringen mal das Ziel verfehlt und auf dem harten Boden der Tatsachen landet, rennt nicht heulend zu Mama, sondern bleibt lieber kurz sitzen, tut als wäre nichts gewesen, und checkt seine Instagram-Stories, bis der Schmerz vergangen ist. Die sozialen Netzwerke werden gut gefüttert, Stories und Posts entstehen am laufenden Band. Erstaunlich, wie wild man rutschen, springen und toben kann, ohne auch nur einmal sein iPhone fallen zu lassen.

Ein Aufenthalt im Bobbolino ist schweißtreibender als ein Ganzkörper-Workout im Fitnessstudio. Durchgeschwitzt kehren die Partygäste am Ende des Abends zurück auf den Parkplatz, auf dem, glaubt man der eigenen Nase, nicht nur Zigaretten geraucht werden. Warum feiern Erwachsene eigentlich so selten Partys wie diese? Auf der steilsten Rutsche stellt sich wieder dieses verloren geglaubte Gefühl von damals ein: eine kurzzeitige Leere in der Magengrube - und danach purer Spaß.

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