Serie - Medizin-Standort Düsseldorf (12): Ärzte-Netzwerk gegen Parkinson

Serie - Medizin-Standort Düsseldorf (12) : Ärzte-Netzwerk gegen Parkinson

Jede Woche stellen wir besondere medizinische Leistungen privater Kliniken, großer Gemeinschaftspraxen oder anderer Dienstleister im Gesundheitssystem der Landeshauptstadt vor. Heute: das Zentrum für Bewegungsstörungen und dessen Kooperation mit niedergelassenen Ärzten.

Um Patienten mit Parkinson effektiv behandeln zu können, ist eines unerlässlich: eine frühe Diagnose. Doch die meisten Betroffenen erfahren erst spät von ihrer Krankheit. "Im Durchschnitt dauert es 2,3Jahre bis die Krankheit erkannt wird. Bis dahin hat der Patient rund vier Ärzte aufgesucht", erklärt Martin Südmeyer, Oberarzt an der Ambulanz für Bewegungsstörungen der Neurologischen Abteilung des Universitätsklinikums.

Diese Zeit gilt es zu verkürzen. Dabei soll eine neuartige Kooperation zwischen Uniklinik und niedergelassenen Neurologen helfen. Martin Südmeyer konzipierte das Modellprojekt, das einen regen Austausch zwischen den Arztpraxen und den auf Bewegungsstörungen spezialisierten Fachärzten der neurologischen Ambulanz vorsieht. Der Vorteil: Die Patienten treffen schnell mit einem Spezialisten für ihre Krankheit zusammen, außerdem können die Ärzte gemeinsam effektive Strategien zur Behandlung entwickeln.

Sieben neurologische Praxen, sechs in Düsseldorf und eine in Grevenbroich, beteiligen sich zurzeit an dem Projekt. Deren Patienten profitieren in Zukunft davon, dass ihre Neurologen alle drei Monate Fortbildungen besuchen und sich ständig mit einem Mediziner der Uniklinik austauschen, der durch eine spezialisierte Fachausbildung neue Impulse geben kann. "Es gab in den vergangenen Jahren viele Veränderungen", weiß Südmeyer. "Es gibt viele neue Therapien, die teilweise nur wenig bekannt sind."

Heilbar sind Parkinson und andere Bewegungsstörungen allerdings nicht. Ziel der Ärzte ist es, den Patienten ein normales Leben mit wenigen Symptomen zu ermöglichen. Der Neurologe Michael Lorrain sieht den Austausch mit den Spezialisten sehr positiv. "Für uns ist das Wichtigste, den Patienten, ob jung oder alt, eine möglichst hohe Lebensqualität zu bieten. Die Zusammenarbeit gibt dafür neue Anregungen", sagt der Arzt. Martin Südmeyer wird ab sofort regelmäßig die beteiligten Praxen aufsuchen, um dort gemeinsam mit den niedergelassenen Ärzten die Patienten kennen zu lernen und Therapien zu entwickeln.

Das Projekt ist zunächst für ein Jahr angedacht. Wenn die Behandlungsqualität sich messbar verbessert, sollen weitere drei Jahre folgen. Bewegungsstörungen beruhen auf einem Defekt der Bewegungssteuerung im Gehirn. Sie können sich durch unkontrollierbares Zittern, Bewegungen und Verkrampfungen äußern, aber auch durch die Unfähigkeit, bestimmte Gliedmaßen zu bewegen. Die bekannteste dieser Krankheiten ist Morbus Parkinson.

Weniger bekannt, aber deutlich häufiger sind Dystonien und Tremore (Zittern). Tremore können verschiedene Ursachen haben, unter anderem gibt es beim Essentiellen Tremor eine genetische Komponente. Bei der Dystonie, von der auch junge Menschen betroffen sein können, kann der Patient seinen Bewegungsapparat kaum kontrollieren. Durch unkontrollierbare Zuckungen und Krämpfe kann es vor allem bei Kindern zu starken Fehlbildungen des Skeletts und dadurch bedingten Folgeerkrankungen kommen.

Eine relativ neue, aber wenig bekannte Therapie für Parkinson-, Tremor- und Dystoniepatienten ist der Hirnschrittmacher. "Dazu ist nur eine minimalinvasive Operation nötig", sagt Alfons Schnitzler, Leiter des Zentrums für Bewegungsstörungen. Über zwei Bohrungen werden winzige Elektroden an eine bestimmte Stelle des Gehirns geschoben. Diese geben elektrische Impulse ab, durch die die Symptomatik der Bewegungsstörung unterdrückt wird. "Die Lebensqualität kann dadurch dramatisch verbessert werden", weiß Schnitzler.

Die Operation wird seit einigen Jahren am Zentrum für Bewegungsstörungen angeboten, doch noch immer treffen die Ärzte auf Patienten, denen schon vor Jahren mit diesem Schritt hätte geholfen werden können. Die Kooperation soll helfen, auch diese Therapie bekannter zu machen.

Nächste Folge: Gemeinschaftspraxis Karlstraße für Nierenheilkunde und Diabetologie.

(RP)
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