Düsseldorf: Ärger um Aufnahme an Bekenntnisschule

Düsseldorf : Ärger um Aufnahme an Bekenntnisschule

Eine Rundmail des NRW-Schulministeriums irritiert Eltern und Stadt. Der Grund: Die Chancen getaufter Kinder auf eine Aufnahme an stark nachgefragten Bekenntnis-Grundschulen sinken. Der Wohnort gewinnt dagegen an Bedeutung.

Jan Schäfer versteht die Welt nicht mehr. Als er seine Tochter Johanna vor vier Wochen an der katholischen Carl-Sonnenschein-Schule in Düsseltal anmeldete, schien alles klar: Gemeinsam mit ihren Freundinnen würde das Mädchen im kommenden Jahr als i-Dötzchen an die Graf-Recke-Straße wechseln. 54 Schüler können dort aufgenommen werden. Zwar gibt es mehr als 90 Anmeldungen für die beliebte Schule, darunter aber nicht einmal 40 von tatsächlich auch katholisch getauften Kindern. "Und weil die an einer Bekenntnisschule vorrangig berücksichtigt werden, wurde uns der Platz für Johanna auch zugesagt", berichtet Schäfer.

Doch die Familie aus Gerresheim freute sich zu früh. In einer "Schulmail" vom 5. November — noch wenige Stunden vor Beginn der Anmeldungen in Düsseldorf — teilte das NRW-Schulministerium den Grundschulen eine Änderung der Aufnahme-Kriterien mit. Danach gilt ab sofort: Jungen und Mädchen mit dem an der Schule jeweils vermittelten katholischen oder evangelischen Bekenntnis genießen nicht mehr automatisch Vorrang. Bekenntnisfremde Kinder (andere Konfession oder Religion, keine Religion) haben künftig die gleichen Rechte, sofern ihre Eltern keine Einwände gegen die dort praktizierte christliche Orientierung haben. Gibt es einen Anmelde-Überhang (was an vielen dieser Schulen der Fall ist), entscheidet der Wohnort. "Wer näher zur Schule wohnt, bekommt bei dieser Auslegung den besseren Listenplatz", erläutert eine Schulleiterin den neuen Ansatz.

Pech für Familie Schäfer. Denn ihre Wohnung liegt 2,7 Kilometer von der Graf-Recke-Straße entfernt. "Statt unter den ersten 40 befindet sich Johanna plötzlich auf Platz 90 der Liste. Damit wäre sie raus. Und das mitten im laufenden Verfahren. Ein Unding", findet Schäfer. Einen Brief an das Schulamt hat der Anwalt bereits geschrieben, weitere Schritte schließt er nicht aus. Schäfer steht mit seinem Ärger nicht allein. 38 der insgesamt 86 städtischen Grundschulen sind bekenntnisorientiert. Mehr als ein Drittel der rund 18 500 Düsseldorfer Kinder zwischen sechs und zehn Jahren besuchen eine dieser Schulen. Für die Kritiker des neuen Verfahrens steht fest: Rechtsprechung und die jüngste Weisung der Landesregierung schwächen die Bekenntnisschulen. Denn durch die plötzliche Dominanz der Wohnort-Nähe könnte an vielen dieser Schulen der Anteil der Jungen und Mädchen, die katholisch oder evangelisch getauft sind, deutlich sinken.

Offene Türen rennen die irritierten Düsseldorfer Familien beim städtischen Schulverwaltungsamt ein. "Die zeitliche Abfolge der Änderungen und Mitteilungen hat uns kalt erwischt. Wir verstehen den Ärger und die Verunsicherung der Eltern und sind auch sehr unglücklich darüber", sagt Amtsleiterin Dagmar Wandt. "Das Ganze kam wenige Stunden, bevor unsere Grundschul-Anmeldungen begannen, und erreichte zunächst nur die prompt verunsicherten Schulleiter. Schulamt und-aufsicht erfuhren erst später davon", sagt die Beamtin. Für zusätzliche Verwirrung sorge auch der Wortlaut der Schulmail. Demnach sei es "vertretbar", nicht nach den bislang gültigen Vorschriften zu verfahren. "Was heißt denn das?", fragt Wandt und hat die Bezirksregierung gebeten, für Aufklärung zu sorgen.

"Wir setzen damit um, was das Oberverwaltungsgericht Münster im Frühjahr entschieden hat, und wollen so Konflikte vor Verwaltungsgerichten vermeiden", begründet ein Sprecher des Ministeriums die "Schulmail", bei der es sich nicht um einen Erlass oder eine Verordnung handele.

Auch Pädagogen, die bewusst an einer Bekenntnisschule arbeiten, hoffen auf eine Klärung, die es ermöglicht, "das bekenntnisorientierte Profil weiterzuentwickeln". Das aber könne nur gelingen, "wenn der Anteil der Schüler aus katholischen oder evangelischen Elternhäusern am Ende nicht zu klein wird".

(RP)