Düsseldorfer im Ausland: Ägypten: Männer sind tabu

Düsseldorfer im Ausland : Ägypten: Männer sind tabu

Abstand vom stressigen Berufsleben und neue Eindrücke sammeln, das waren Sonja Werners (Name v.d. Redaktion geändert) sehnlichste Wünsche. Dafür wählte die Düsseldorferin ein ungewöhnliches Ziel. Für ein halbes Jahr zog die Referentin im November in die 15-Millionen-Metropole Kairo, um die arabische Sprache und Kultur kennen zu lernen.

Schon vorher hatte die 34-jährige Düsseldorferin durch ihren Job Kontakt zu arabischsprachigen Ländern. Daher wusste sie recht gut, was sie in Ägypten erwarten würde. "Als allein reisende Frau in einer muslimischen Kultur hatte ich natürlich einige Regeln im Umgang mit Männern zu beachten". Was ihr in der Realität aber nicht immer leicht fiel.

Möglichst wenig Haut zeigen, keine figurbetonte Kleidung, kein längerer Blickkontakt zu Männern - so lauteten die Gebote für den Alltag. "Um auf Nummer sicher zu gehen, färbte ich meine Haare dunkelbraun", erzählt Sonja, "und bewegte mich mit versteinerter Miene durch die Stadt". Wenn sie gefragt wurde, ob sie verheiratet sei, bejahte sie und zeigte einfach das Foto ihres Bruders.

Es war vor allem der Sprachunterricht bei Yasmin, einer ägyptischen Studentin, der Sonja intensive Einblicke in den ägyptischen Alltag erlaubte. Immer wieder verblüffte sie, wie viele Menschen konfliktfrei in der 60 Quadratmeter Wohnung zusammenlebten. "Es war immer etwas los. Yasmins zahlreiche Brüder, Onkel, Tanten und Cousinen kamen und gingen", erzählt sie. Die befremdlichste Erfahrung: Bei Männerbesuch mussten alle Frauen das Wohnzimmer schlagartig verlassen.

Doch es gab auch Dinge, die ihr besser gefielen als in Deutschland. "Die Menschen sind Improvisationskünstler und haben seine sehr positive Einstellung zu Familien und Kindern", erzählt sie. Wegen ihrer Nationalität hatte sie in Ägypten keine Probleme. "Deutschland hat in Ägypten einen sehr guten Ruf als Industrie- und Fußballnation", berichtet sie. Mit einer negativen Kehrseite. "Von einigen Ägyptern wird es wegen Hitler positiv gesehen, frei nach dem Motto: Wer unsere Feinde, die Juden, umgebracht hat, der ist unser Freund".

Nach vier Monaten radikaler Anpassung an ihr exotisches Umfeld traf sie die Konfrontation mit einer Gruppe deutscher Touristen auf einem Nilkreuzfahrtschiff dann wie ein Keulenschlag: Offen präsentierte nackte haarige Männerbeine, ausgeschnittenen Dekolletés, dicke Bierbäuche, bleiche Haut, dicke Oberschenkel und Oberarme samt Cellulite stießen ihr selbst nun als mangelnde Rücksichtnahme auf ägyptische Gepflogenheiten auf.

Nach einem halben Jahr im Orient blieb Heimweh aber nicht aus. Saubere Luft, sattgrüne Vegetation und die Freiheit, sich mich mit Männern ungezwungen zu unterhalten und im selben Raum aufzuhalten, waren die Dinge, die ihr ganz besonders fehlten. Ihre Auszeit bereut sie dennoch auf keinen Fall. "Es war absolut bereichernd", so ihr Fazit, "aber jetzt freue ich mich, wieder in Deutschland zu leben und kann seine positiven Seiten intensiver genießen als vorher."

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