Adventsserie „Hinter verschlossenen Türen in Düsseldorf“ Eine Krypta als versteckter Kunstschatz im Keller

Düsseldorf · Die Tür zum spektakulären Werk des Düsseldorfer Künstlers Emil Schult ist meist verschlossen. Aber auf Wunsch öffnet er sie. Wie man Zugang zur Krypta bekommt und was dem Besucher dort geboten wird.

 Emil Schult bei einem Vortrag in der Krypta unter dem Konzertsaal der Robert-Schumann-Hochschule.

Emil Schult bei einem Vortrag in der Krypta unter dem Konzertsaal der Robert-Schumann-Hochschule.

Foto: Schult

Der Raum funkelt wie eine geöffnete Schatzkiste. Eine Wand schimmert gold. Zwei Elemente lassen sich auseinanderschieben, geben ein blau leuchtendes Kreuz frei. Gegenüber ein gewaltiger Farbkreis mit streng abgezirkelten Feldern, der wie eine knallbunte Sonne wirkt. Über einem tritt aus dem dunklen Sternenhimmel eine wie gekleckste Galaxis in changierenden Rottönen hervor.

Im Epoxidharzboden spiegelt sich diese Welt der schier überbordenden Symbolkraft, die der Düsseldorfer Künstler Emil Schult einst über einen Zeitraum von sechs Jahren hinweg erschuf. Komplettiert wird das Gesamtkunstwerk schließlich von der Musik von Karlheinz Stockhausen, der dafür eigens Klangbilder komponiert hatte.

So spektakulär der Raum ist, so versteckt liegt er doch im Keller unter dem Konzertsaal der Robert-Schumann-Hochschule. Die Krypta schuf Schult von 1995 bis 2001. Ursprünglich gedacht war sie als Rückzugsort für Studenten, was sich aber nicht so recht durchsetzen konnte. Heute ist der Raum meist verschlossen. Aber er öffnet sich immer wieder auf Wunsch.

Aus zehn bis 15 Personen sollte eine Gruppe bestehen, die Führungen übernimmt Schult selbst. Einmal sogar kamen Journalisten aus China, berichtet er. Anfragen lassen sich an die Hochschule richten, die dann die Handynummer des 77 Jahre alten Künstlers herausgibt – der Schüler von Beuys und Richter war und eine bedeutende Rolle als Gestalter und Texter bei Kraftwerk spielte.

Im Gespräch mit unserer Redaktion erinnert Schult an seine Auftraggeber, denen er bis heute dankbar ist, dass er ein Werk von dieser Dimension umsetzen konnte. Initiiert worden war die Krypta vom damaligen Rektor der Hochschule Helmut Kirchmeyer, finanziert von Unternehmer Friedrich-Wilhelm Hempel.

Monsignore Hans-Adolf Hutmacher lieferte die auf hebräischer Zahlschrift beruhende Symbolik. Schult setzte die Bildwelt als Glasmalerei um. Das gelang so gut, dass das Kunstwerk „wartungsfrei“ ist, wie Schult sagt. Der Boden darf allerdings nur in bereitstehenden Puschen betreten werden.

Schult sagt, dass er kein sehr religiöser Mensch sei, aber durch die Auseinandersetzung mit dem Kunstwerk sei er mittlerweile überzeugt, dass es etwas jenseits unserer Erfahrungswelt gibt. Die Krypta schaffe mit ihrer Symbolik die Grundlage dafür, sich mit den existenziellen Fragen zu befassen, aber auch Bezüge zum gegenwärtigen Weltgeschehen herzustellen.

„Die Krypta ist ein Raum, indem sich der Zeitgeist entfalten kann.“ Dafür bilde die abstrakte Symbolik die Matrix. Und mit Verweis auf das Sonnensymbol an der Wand zur „Ausgießung des Heiligen Geistes“ an Pfingsten und der Verbindung zu den aktuellen Konfliktherden sagt Schult: „Wir sollten lernen, dass wir auch anders können, und die Zukunft besser gestalten.“

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