Achim Mentzel tritt im Musical "Kein Pardon" auf: Achim Mentzel: "Das ist jetzt meine beste Zeit"

Achim Mentzel tritt im Musical "Kein Pardon" auf: Achim Mentzel: "Das ist jetzt meine beste Zeit"

Jeanshose und -jacke, Goldkettchen an dem einen Arm, die goldene Uhr am anderen, an der einen Hand ein so genanntes Gelenktäschen, in der anderen zusammengerollt die Zeitung "Freizeitspaß" mit Stefan Mross als Titelgeschichte": So steht Achim Mentzel in der Halle des NH-Hotels am Oberbilker Markt – und wirkt ein bisschen einer anderen Zeit entsprungen. Drei Tage in der Woche wohnt er nun in diesem Hotel, hat es damit nicht weit zu seinem Teilzeit-Arbeitsplatz im Capitol-Theater.

Jeanshose und -jacke, Goldkettchen an dem einen Arm, die goldene Uhr am anderen, an der einen Hand ein so genanntes Gelenktäschen, in der anderen zusammengerollt die Zeitung "Freizeitspaß" mit Stefan Mross als Titelgeschichte": So steht Achim Mentzel in der Halle des NH-Hotels am Oberbilker Markt — und wirkt ein bisschen einer anderen Zeit entsprungen. Drei Tage in der Woche wohnt er nun in diesem Hotel, hat es damit nicht weit zu seinem Teilzeit-Arbeitsplatz im Capitol-Theater.

Oliver Kalkofe hat Mentzel mal parodiert - mittlerweile sind die beiden befreundet. Foto: RTL / Stefan Gregorowius

"Mehr Tage als die drei kann ich nicht nach Düsseldorf kommen, hab ja sonst immer Auftritte", sagt der Mann, der sich selbst als Stimmungsmacher und Volksmusiker bezeichnet. 67 Jahre alt wird er in vier Wochen — "und so alt fühle ich mich nun wirklich nicht." Zugegeben: So alt sieht er auch nicht aus. Rundliches, faltenfreies Gesicht (außer den zahlreichen Lachfalten), die naturkrausen Haare, die immer noch wie eine Minipli-Dauerwelle aussehen, und vor allem dynamisch-schnellsprechend. Jetzt auch wieder in vollem Berliner Dialekt.

Für die Bühne und die Rolle des Heinz Wäscher im Kerkeling-Musical "Kein Pardon" bekam er einen Hessen-Lehrer an die Seite gestellt. "Aber det ist ja alles übertrieben." Er habe sich den Originalfilm von "Kein Pardon" angesehen. Den, in dem Heinz Schenk seine jetzige Rolle spielt. "Und da sacht der doch ,Lustiger Glückshase', und ich muss sagen ,Luschtiger Glückshase". Mentzel, seit 33 Jahren mit Brigitte, seiner fünften Frau, verheiratet, ist Vater von acht Kindern. Sein gemeinsamer Sohn aus dieser Ehe managt ihn, regelt alles für ihn. "Ich habe kein Handy, kein iPad — nix." Sagt er und faltet seinen kleinen schon fast abgegriffenen Terminkalender aus. "Hier, alles drin." Drei Tage, die in Düsseldorf, sind jeweils orange angemarkert.

  • Achim Mentzel feiert Premiere im Capitol
  • Hauptrolle für Achim Mentzel in "Kein Pardon"

Ansonsten reist Mentzel mit seinem Solo-Programm durch die ostdeutschen Lande. Mal hier ein Gartenfest, mal dort eine Feier. Davon lebt er. "Na, ich bin auch Rentner und krieg eine Rente." Er hat schon früh auf der Bühne gestanden, als er noch keine 20 Jahre alt war. 1963 gründete er das Diana-Show-Quartett. "Dann gab's Auftrittsverbot, und ich musste zur Armee." Er hört aber nicht auf mit der Musik: Erst das Lindenberg-Sextett, dann das Alfons-Wonneberg-Sextett. Zwischendrin war er mal aus seinem Heimatland geflohen, kam aber zurück und musste fast ein Jahr ins Gefängnis. Dann eine Band mit Nina Hagen, dann Erfolge als Solist. 1989 bekam er eine eigene Fernsehsendung: "Achims Hitparade" sollte 17 Jahre lang sein Markenzeichen bleiben. War das seine beste Zeit? Als er eine Fernsehberühmtheit war? "Nee, Quatsch, det jetzt ist meine beste Zeit. Jetzt laden mich doch alle ein — wenn de selber Moderator bist, lädt dich doch kener in seine Fernsehsendung ein."

Zwischen allen Engagements hatte er Gelegenheit, seine eigene Familien-Angelegenheit zu klären. Seine Mutter war 1945 kurz vor Kriegsende ins Saarland gezogen, lernte dort einen jungen französischen Soldaten kennen. Die Folge: Sie war mit Achim schwanger. Das Problem: In der Heimat hatte sie zwar einen Freund, der aber war durch die Wirren des Kriegsendes vermisst. Als er wieder auftauchte, nahm er Achim als seinen Sohn an. Der Junge erfuhr aber erst mit 18 die Wahrheit. Er machte sich auf die Suche nach seiner Familie im Saarland, fand sie und stellte überrascht fest: "Die sahen alle aus wie ich."

Für Mentzel kam viele Jahre nach der Wende noch eine Wende: Oliver Kalkofe entdeckte und parodierte ihn. Mit dieser Kritik konnte Mentzel gut umgehen. Mittlerweile sind beide Männer befreundet und gehen sogar gemeinsam auf Tournee. Jetzt also Düsseldorf, zumindest im Teilzeit-Job. "Viel habe ich von der Stadt noch nicht gesehen. Das will ich nachholen, wenn meine Frau und mein Sohn mich hier besuchen." Seine Rolle im Musical gefällt ihm supergut. "Das ist doch wirklich ein kurzweiliges Stück, das die Leute gut unterhält." Sein Gastspiel ist zwar nur bis Ende Juli begrenzt, Mentzel ist sich aber sicher: "Die fragen mich bestimmt noch mal im Herbst, ob ich noch mal spielen kommen. Jetzt kann ich ja den Text schon mal."

(ak)
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