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Hard-Rock-Band im ISS-Dome: AC/DC: Rückkehr der Donnergötter

Hard-Rock-Band im ISS-Dome : AC/DC: Rückkehr der Donnergötter

Die australische Hard-Rock-Band spielte im ausverkauften ISS-Dome in Düsseldorf. Die Männer und Gitarrist Angus Young boten eine phänomenale Show aus Pyrotechnik und Männertraum. Am Ende bewiesen sie: Der Mensch fühlt sich im Krach am wohlsten.

Düsseldorf. Sie zeigen einen Zeichentrickfilm zu Beginn. Ein Zug rast darin keuchend durch die Nacht. Er wird heftig befeuert von einem Teufel in Schuluniform, seine Hörner blinken böse im Führerstand der Lok. Ein paar Mädchen fahren mit, sie haben wenig an und sehen aus wie von betrunkenen Jungs am Samstagabend gezeichnet, wenn es längst zu spät ist zum Weggehen. Die Mädchen möchten bremsen, aber der Zug wird immer schneller, sie springen lieber ab, und das Teufelchen freut sich sehr.

Es höhnt, zeigt die obszöne rote Zunge, es lacht so laut, und dann gibt es einen Knall, die Bildschirme fallen aus, und die verdammte Stahl-Emma stößt Feuer speiend und vor Wut qualmend ganz in echt von hinten durch die Bühne.

Die Menschen stöhnen vor Erwartung, das ist sehr gut alles, aber jetzt wollen sie erlöst werden, sie wünschen sich den Donnergott herbei, und sie müssen nicht lange warten: Angus Young (53) kommt im Entengang auf die grell ausgeleuchtete Bühne, die weißen Beinchen ragen aus kurzen Hosen. Er verzieht das Gesicht wie ein Fisch, der schon viel zu lange an Land ist, er schüttelt das strähnige Haar, legt die Zeigefinger wie Hörner an die Stirn, und dann quält er in kopfschüttelnder Raserei die wuchtige Gitarre vor seinem 1,53 Meter großen Körper: Die Gibson heult rostig auf, ein räudiges Riff, dreckig und so laut, dass einem die Rippen rasseln, alle schreien, es ist "Rock 'n' Roll Train", und das hier ist AC/DC.

Die 12.500 Zuhörer im ISS Dome erleben eine Mischung aus Showeffekt und puristisch dargereichtem Hard Rock. Angus und Bruder Malcolm Young spielen spröde Ein-Akkord-Riffs, Phil Rudd verhaut mit Kippe im Mund ein stures Schlagzeug, Cliff Williams lässt den Bass brummen, und aus den Tiefen von Brian Johnsons Eingeweiden bricht Grunz-Gesang hervor. Er kündet von Feuersbrünsten, erzählt von Kartenspiel und Autos und verrät geheime Bedürfnisse aus dem Beckenboden-Bereich. Das alles wird herrlich ernst runtergespielt, so komplett ohne Selbstironie und in voller Überzeugung, Schwerstarbeit zu leisten, dass es eine Freude ist. "Wenn man nach fünf Sekunden nicht erkannt hat, dass es sich um einen Song von AC/DC handelt, dann ist es kein Song von AC/DC", hat Angus Young mal gesagt.

Ein Konzert der Band, die seit 1973 fast 200 Millionen Platten verkauft hat, läuft immer gleich ab. Irgendwann rennt Angus Young, dieser ins Negative gewendete Armor, dessen Pfeile keine Liebe stiften, sondern Krawall schüren, auf einem Steg weit ins Publikum. Er wirft sich zu Boden und spielt die Gitarre im Liegen, zuckend und schreiend, so will es das Ritual. Und er zeigt auch wieder seine Unterhose, schwarz-rot-gold, bestickt mit dem Logo der Band. Später hat Hure Rosie ihren Auftritt, mit wippendem Fleisch wird sie zu "Whole lotta Rosie" als heliumgefüllte Puppe das Stahlross reiten, dessen Durchbruch das Konzert eröffnet hat. Genauso sicher ist, dass später die Glocke vom Himmel fährt.

Dann beginnt "Hells Bells", und Sänger Brian Johnson, dessen 61-jähriger, im Bauchbereich stark angeschwollener Körper an eine Hummel erinnert, schwingt sich ans Seil und macht mit mächtigen Armen den Glöckner. Johnson, der beim Singen aussieht, als habe er eben erfahren, was man mit den Pferden macht, damit sie beim Rodeo schön wild werden, ist seit 1980 dabei. Aber er gilt den AC/DC-Puristen immer noch als Ersatzlösung. Bon Scott, der erste Sänger von AC/DC, erstickte im Februar 1980 an seinem Erbrochenen, ein tragischer Rock-'n'-Roll-Tod mit 33. Sein Kumpel hatte ihn nach durchzechter Nacht im Auto vergessen.

Zwölf Minuten hat es gedauert, bis die Karten für die deutschen Konzerte der australischen Hardrock-Legende AC/DC ausverkauft waren. Es sind fast nur Männer gekommen. Sie tragen Jeans und T-Shirt, sie trinken Bier aus Ein-Liter-Humpen, schwere Botten gegen den Durst. Sie hauen sich auf den Rücken, wenn sie die alten Kracher erkennen, "TNT", "Shoot to Thrill", "You shook me all night long", "Let there be Rock" und "Thunderstruck" mit seinem irre inszenierten Anfang aus Pyrotechnik und sattem Bumms.

Wer sein Bier wegbringen muss, der tut das während der Songs vom neuen Album "Black Ice", er geht Luftgitarre spielend und reiht sich ein in die Schlange vor der Herren-Toilette. Wenn er zurückkommt, hat er neues Bier dabei, und beim Austeilen fragt er die Kumpels: "War die Glocke schon?"

Oft wird versucht, das Geheimnis des Erfolges zu ergründen. Dabei ist diese Musik eben deshalb erfolgreich, weil sie kein Geheimnis hat. Es ist alles so gemeint, wie es gespielt wird. AC/DC beweist, dass in Beschränkung und Einfachheit große Würde liegt. Der gleich bleibende Druck, den ihre Musik erzeugt, befreit. Das ist tröstlicher Krach, er gibt Sicherheit. Und es ist immer noch ein bisschen Rebellion darin, wenn auch als Pose. Für den Hoch-die-Tasssen-Hit "Highway to Hell" werden Angus Young und Brian Johnson am Ende der Show aus dem Bühnenboden gehoben. Die Gitarre senst den bekannten Zeilen den Weg frei: "Hey Mama, just look at me, I'm on my Way to the promised Land."

Hier war heute jeder Song eindeutig von AC/DC.

Hier geht es zur Bilderstrecke: AC/DC in Düsseldorf: Warten auf die Show

(RP)