Draußen das ganze Jahr: Abenteuer Waldkindergarten

Draußen das ganze Jahr : Abenteuer Waldkindergarten

Sie sind immer draußen, egal, ob es regnet, stürmt oder schneit: die Kinder vom Düsseldorfer Waldkindergarten. Zwischen den hohen Laubbäumen im Aaper Wald wird das ganze Jahr über mit allem gespielt, was der Forst so hergibt. Einzig zwei Bauwagen dienen ihnen als Basislager.

Mittwochmorgen, 10 Uhr: Nieselregen fällt vom Himmel, es ist windig und das Thermometer zeigt lediglich zehn Grad plus an — genau das richtige Wetter also, um sich mit einem Tee ins warme Haus zurückzuziehen.

Nicht so für die Kinder des Düsseldorfer Waldkindergartens: Sie haben um diese Uhrzeit schon längst ihre erste Runde durch den Forst am Rather Waldstadion hinter sich und haben sich gerade am "Tipi", einem ihrer Lieblingsplätze, der so heißt, weil die Erzieher dort aus Ästen ein riesiges Indianerzelt aufgestellt haben, zum Frühstück niedergelassen. Während in anderen Kitas am Tisch gegessen wird, bilden die Kinder vom Waldkindergarten nur einen großen Kreis, setzen sich auf ein paar Sitzkissen und beginnen ihre Brotdosen aus den Rucksäcken zu packen.

"Ich habe eine Banane dabei. Aber die sieht eklig aus", sagt die vierjährige Stella. Während sie und ihre Freunde noch begutachten, was die Eltern heute eingepackt haben, beginnen die Erzieher schon einmal die Getränke zu verteilen. "Die stellen jede Woche Eltern zur Verfügung", sagt Björn von dem Bussche. Seit 13 Jahren arbeitet er als Erzieher im Waldkindergarten. Dieser existiert seit 1998 und ist eine Elterninitiative. Deshalb ist das Engagement der Eltern auch im Kita-Alltag gefragt: So müssen sich Mütter und Väter zum Beispiel dreimal im Jahr als "Elterndienst" zur Verfügung stellen und in der Kita aushelfen. Diese beherbergt derzeit rund 36 Kinder von drei bis sechs Jahren in zwei Gruppen, den "Waldwichten" und den "Baumtänzern". Beaufsichtigt werden sie von sechs Erziehern.

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Mittlerweile sind alle Getränke verteilt. Der absolute Renner dabei: warme Gemüsebrühe. Und als die Kinder noch ihre Brote verspeisen, wird der Regen heftiger. Ein typisches Stadtkind würde wohl spätestens jetzt das Weite suchen. Kinder und Erzieher im Waldkindergarten bleiben aber ganz entspannt, frei nach dem Motto: Es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung. "Wir leben hier nach dem Zwiebelprinzip und tragen immer viele Schichten übereinander. Wenn es zu warm wird, ziehen wir dann eine aus", sagt von dem Bussche. Wegen der vielen Bewegung würde den Kindern ohnehin selten kalt.

Im Gegenteil: Beim Freispiel rund um das Tipi ziehen einige ihre Jacken sogar aus. Beim Spielen selbst nutzen die Kinder alles, was der Wald so hergibt. Stella und ihre Freundin Lotte basteln gerade mit Kastanien. "Ich mache einen Igel. Die haben ganz viele Stacheln", sagt Lotte. An einer anderen Ecke der Lichtung mischen die Kinder Farben und malen auf Plakate, die auf Bäume geklebt sind. Andere drängen sich um drei Schaukeln, die an einem Seil hängen, das die Erzieher zwischen zwei Bäumen aufgespannt haben. "Das Tolle am Waldkindergarten ist, dass die Kinder hier richtig Kind sein können. Sie müssen nie leise sein", sagt Björn von dem Bussche.

Selbst im Winter halten sich "Waldwichte" und "Baumtänzer" dabei im Freien auf. "Da kann man ganz tolle Experimente machen und zum Beispiel Mobiles aus Eis basteln", sagt Kindergärtnerin Ingegerd Sautter-Lehrmann. "Mit unserer Arbeit leisten wir Gesundheitserziehung. Kinder entwickeln an der frischen Luft viel mehr Abwehrkräfte", sagt sie. Und wenn es dann doch mal ganz kalt ist, gibt es immer noch die Bauwägen, in denen der Kindergarten sein Material lagert und in dem auch noch gespielt werden kann.