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Düsseldorf: 87-Jähriger wegen Millionenschaden angeklagt

Düsseldorf : 87-Jähriger wegen Millionenschaden angeklagt

Mit 87 Jahren muss sich ein promovierter Jurist ab heute wegen 52 Anklagepunkten vor dem Landgericht verantworten. Der vielfach wegen Betruges vorbestrafte Senior soll zwischen den Jahren 2006 und 2010 durch Betrug, durch Untreue, Urkundenfälschung und Falschaussage einen Gesamtschaden von insgesamt fast 3,4 Millionen Euro angerichtet haben. Für seinen Prozess sind bisher zwölf Verhandlungstermine reserviert.

Seit 1992 ist der Angeklagte vielfach mit dem Gesetz in Konflikt geraten, hat seitdem wegen Betruges vier Verurteilungen hinnehmen müssen, kam dabei stets mit Bewährungsstrafen davon. Diesmal wird ihm von der Staatsanwaltschaft angelastet, als Inhaber einer Treuhand-KG massiv gegen die Interessen von Kunden verstoßen, im Tatzeitraum sogar fast eine halbe Millionen Euro der Anlagegelder für sich und seinen Lebensunterhalt abgezweigt zu haben.

Dabei sollte seine Firma eigentlich als Garant dafür geradestehen, dass Investitionen von Kunden nicht ungesichert in Immobiliengeschäfte einer Grundstücksfirma fließen, sondern erst nach sorgfältiger Überprüfung durch seine Treuhand-KG freigegeben werden. Genau das, so die Anklage, habe der 87-Jährige aber nicht getan. Er hat angeblich keinerlei Prüfungen vorgenommen, sondern stattdessen einfach "blind" abgezeichnet, dass die Absicherung der Kundengelder durch Grundschulden gesichert seien. Außerdem soll der Mann die Zugangscodes für die Treuhandkonten - und damit auch auf das verwahrte Geld der Kunden - leichtfertig einem Mitarbeiter überlassen haben. Mit der Folge, dass laut Anklage jener Mitarbeiter, gegen den in einem gesonderten Verfahren ermittelt wird, sich an diesen Kundengeldern kräftig selbst bedient habe.

Außerdem hat der angeklagte Senior angeblich gelogen, als gegen die Grundstückfirma ein Insolvenzverfahren eröffnet wurde. Damals soll der mittlerweile 87-jährige Mann behauptet haben, von einem geplanten Grundstücksverkauf jener Immobilienfirma in Frankfurt "nichts Konkretes" zu wissen. Laut Anklage habe er allerdings schon vier Monate vorher gewusst, dass eben jenes Grundstück für 900.000 Euro bereits verkauft worden war.

Im Prozess gegen den 87-Jährigen wird nach Gerichtsplanung nicht vor Ende März mit einem Urteil zu rechnen sein.

(RP)