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50 Jahre gelebte Ökumene in Düsseldorf-Kaiserswerth

Schützen in Düsseldorf : 50 Jahre gelebte Ökumene in Kaiserswerth

Die Bruderschaft nimmt auch evangelische Mitglieder auf. Das ist längst keine Selbstverständlichkeit.

Schützenvereine sind von Haus aus katholisch. In Kaiserswerth gab es früher neben der St. Sebastianus-Bruderschaft auch noch die eher evangelisch geprägten Bürger-Schützen. Als die sich vor 50 Jahren auflösten, entschlossen sich die Sebastianer: Wir öffnen uns beiden Konfessionen. „Es war keine feindliche Übernahme, wie böse Zungen behaupteten“, betont der 1. Vorsitzende Ulrich Micke rückblickend. Es war vielmehr die Geburtsstunde der Ökumene in Kaiserswerth. Rolf Daiber war 1969 das erste evangelische Mitglied.

Seitdem spielt der ökumenische Gedanke bei den Schützen in Kaiserswerth eine nicht zu unterschätzende Rolle, der ökumenische Gottesdienst in der evangelischen Stadtkirche am Schützenfestmontag ist nur ein Beweis dafür. „25 Prozent unserer Mitglieder sind inzwischen evangelisch“, sagt Micke, der auch auf die Satzung verweist: Ziel des Vereins sei es, konfessionelle Spannungen im Geiste der Brüderlichkeit zu überwinden. Und: im vierköpfigen Vorstand sind drei katholisch, einer ist evangelisch.

Ein gemeinsamer Auftritt von Pastor Oliver Dregger und Pfarrer Jonas Marquardt beim Krönungsball in Kaiserswerth ist längst eine Selbstverständlichkeit. „Wir ziehen innerhalb der Bruderschaft an einem Strang“, bestätigt Marquardt. „Es herrscht zwischen uns Einvernehmen, wir begegnen uns auf Augenhöhe“, sagt auch Dregger. Das war beileibe nicht immer so, erinnert sich Micke: „Es gab keine No-Go-Areas, aber doch unsichtbare Grenzen, als ich noch Kind war. Dieses unausgesprochene Gebot, da solltest du lieber nicht hingehen.“

Schon Ende der 1970er Jahre habe es wohl den ersten ökumenischen Gottesdienst in Kaiserswerth gegeben, spekuliert Marquardt, der offen einräumt, „dass ich über die Bruderschaft als Pfarrer mit Menschen in Kontakt komme, die ich so sonst wahrscheinlich nicht erreichen würde“. Auch Dregger sagt: „Beide Kirchen haben in Kaiserswerth eine starke Funktion. Und das sollte sich natürlich in der Bruderschaft widerspiegeln.“