Nach Unwetter über Düsseldorf: 300 Soldaten machen es sich in Konzerthalle bequem

Nach Unwetter über Düsseldorf : 300 Soldaten machen es sich in Konzerthalle bequem

In der Mitsubishi Electric Halle bezogen die Pionierregimenter am Donnerstag ihr Quartier. Ab dem heutigen Freitagmorgen räumen sie zunächst die Straßen im Stadtwald. Die Stadt ist froh über zusätzliche Hilfe - und das Spezialgerät des Militärs.

Major Michael Thiele war schon in Afghanistan, und die Luft in Düsseldorf, findet er, ist deutlich besser. Auch sonst war der Kommandant nach der ersten Begutachtung zufrieden mit der Lage am neuen Einsatzort. Er überwachte am Donnerstagabend, wie seine Soldaten die Mitsubishi Electric Halle in ihr Hauptquartier verwandelten. Ein Raum an der Hinterseite wurde als Organisationszentrum eingerichtet, drei Feldküchen auf dem Parkplatz verströmten den Duft von Kartoffeleintopf mit Bockwürstchen. Und in der Halle stellten die Soldaten nach und nach ihre Feldbetten auf.

Zu diesem Zeitpunkt waren die 300 Einsatzkräfte schon lange unterwegs gewesen. Am Morgen um 5 Uhr hatten die ersten Truppen die Nachricht erhalten, dass die Stadt Düsseldorf ihre Hilfe zur Bewältigung der Orkanschäden benötigt. Nach und nach machten sich die Soldaten aus den Stützpunkten Minden, Holzminden und Augustdorf in Westfalen auf den Weg. Bis sie in Düsseldorf ankamen, vergingen allerdings viele Stunden - die Baufahrzeuge und die Pionierpanzer "Dachs" sind langsamer als Pkw, außerdem gab es Staus.

Gegen 18 Uhr kamen die vier Arbeitspanzer, 30 Baufahrzeuge und 40 Kipplaster an der Bergischen Kaserne in Hubbelrath an, wo das schwere Gerät während des Einsatzes gelagert wird. Anschließend sammelten sich die Truppen in der umfunktionierten Veranstaltungshalle in Oberbilk zur ersten Einsatzbesprechung - und zum Abendessen.

Auf die Soldaten kommt in Düsseldorf viel Arbeit zu. Die Feuerwehr hat ihnen zunächst das Gebiet um Grafenberger und Aaper Wald zugewiesen. Auf Rennbahn- und Fahneburgstraße sind viele Bäume umgestürzt. Zur Räumung ist schweres Gerät nötig. Wenn die größeren Straßen freigeschlagen sind, sollen die Nebenstraßen folgen. Später werden die Soldaten möglicherweise auch an anderen Stellen in der Stadt eingesetzt. Ihr Einsatz dauert mindestens bis Sonntag.

Im Krisenstab der Stadt ist man froh, dass die Soldaten die Feuerwehr und die Mitarbeiter des Gartenamts unterstützen. Die sind seit Tagen wegen der immensen Orkan-Schäden im Dauereinsatz und werden sich weiter um den Rest der Stadt kümmern, wo es auch noch viele umgestürzte Bäume auf Wegen gibt. Außerdem ist man im Krisenstab glücklich, dass das Heer neues Material mitbringt. "Sägen sind in der Stadt langsam Mangelware", sagt die Leiterin des Krisenstabs, Dezernentin Helga Stulgies. Auch alle verfügbaren Turmwagen seien angemietet worden.

Die in Düsseldorf arbeitenden Soldaten stammen großteils aus Pionierregimentern, sind also Spezialisten für den Aufbau und die Wiederherstellung von Infrastruktur. Viele waren schon in Afghanistan, in Mali oder im Kosovo im Einsatz. Der letzte Inlandseinsatz der Pioniere aus Westfalen erfolgte beim Hochwasser in Sachsen-Anhalt vor rund einem Jahr.

Viel von der Stadt sehen werden die Soldaten wahrscheinlich nicht - sie haben einen straffen Tagesplan. Major Thiele plante am Donnerstagabend das Frühstück für Freitagmorgen um sechs Uhr, Abmarsch in den Wald eine Stunde später. Auch von der Fußball-WM werden die Soldaten wenig mitbekommen, obwohl es in der Mitsubishi Halle sogar Fernseher gibt. Im Massenschlafraum in der Halle geht früh das Licht aus: Für 23 Uhr verordnete der Kommandant am Donnerstag Bettruhe.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Bundeswehr hilft der Feuerwehr bei Sturmschäden

(arl)