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30 Grad: Das trägt man im Büro

Arbeitswelten : 30 Grad: Das trägt man im Büro

Die Hitze ist besonders am Arbeitsplatz unerträglich. Aber längst nicht jeder Chef erlaubt kurze Hosen und Flip-Flops. Ein Überblick.

Sommerzeit, Hitzezeit. Was im Urlaub traumhaft schön ist, kann je nach Beruf zum Alptraum werden. Denn klimatisierte Büros, wie sie in den USA etwa absoluter Standard sind, sind in Düsseldorfs Betrieben Mangelware – oder wenn es welche gibt, gibt es Streit im Kollegium, welche Temperatur denn die richtige ist. Einfache und naheliegendste Alternative könnte da die Anpassung der Kleidung sein. Sommerkleid, Minirock, Shorts und Flip-Flops sind der Traum vieler Büromitarbeiter in den Sommermonaten. Doch obwohl sich die Dresscodes in den vergangenen Jahren gelockert haben, gibt es noch erhebliche Restriktionen, wie viel Kleidung im Sommer am Arbeitsplatz wegfallen darf.

Wer vor 1990 geboren und männlich ist, der dürfte sich vielleicht noch erinnern, dass eine Organisation für den Umgang mit Kleidung und Hitze eine denkbar einfache Lösung hat: Den Wehrpflichtigen der Bundeswehr nämlich wurde der Sommer „befohlen“. Klingt wie ein Scherz und kommt dem auch sehr nahe. Es ranken sich viele Mythen darum, ob Kasernenkommandanten oder Kompaniefeldwebel wirklich die Macht haben, Jahreszeiten anzuordnen. Aber hinter dem geflügelten Satz „Es ist Sommer befohlen“ steckt schlicht die Ansage: Bei der Feldjacke dürfen die Ärmel hochgekrempelt werden. Vier Mal in der Breite der Manschette. Das kommt einer kurzärmeligen Jacke schon recht nahe. Noch besser haben es die Soldaten im Innendienst, denn für den „kleinen Dienstanzug“, auch als Ausgehuniform bezeichnet, gibt es sogar ein kurzärmeliges Hemd. Unter „Sommer befohlen“ wird verstanden, wenn der Vorgesetzte es trägt. Dann darf der Rekrut es auch. Alle Fragen rund um die Sommeruniform regelt die „Zentrale Dienstvorschrift (ZdV) 31/10“.

So klar ist das mit den Dresscode-Ansagen bei Unternehmen zum Glück nicht. Je nach Branche und vor allem Termin und Tätigkeit gibt es jedoch große Unterschiede. Wir haben uns bei Düsseldorfer Unternehmen umgehört.

Düsseldorfs Banken Früher galt der Bankkaufmann als der am geschäftsmäßigsten gekleidete Lehrberuf. Wer die Lehre bei einem Düsseldorfer Kreditinstitut machte, lernte schon beim Vorstellungsgespräch: kurze Ärmel unterm Sakko sind tabu. Und insbesondere bei den Kö-Banken Deutsche, Dresdner und Commerzbank galt bereits ein kariertes Sakko oder eine Mickey-Mouse-Krawatte als absolutes No-Go. In den 2000er Jahren änderte sich das etwas. Die Deutsche Bank hob ihre Kleiderordnung auf und führte den Casual Friday ein, kleinere Banken ließen die Krawattenpflicht fallen. Und heute? Man könnte meinen, die Welt des Klamottenstils hat sich ein bisschen zurückgedreht. Auch wenn Spitzenmanager wie Jürgen Zetsche kürzlich bei der Präsentation des neuen Daimler-Sprinters im Düsseldorfer Werk zeigte, dass er von Krawatten rein gar nichts hält: Für die Düsseldorfer Banker gilt das nicht. „Ich trage trotz tropischer Temperaturen meine Krawatte“, sagt Paul Smith, bei der Stadtsparkasse Düsseldorf für Sponsoring und Stiftungen zuständig. Und der Anzug ist ohnehin obligatorisch bei dieser Bank. Bei allen Düsseldorfer Banken, bis heute. In einigen Verwaltungseinheiten würde hin und wieder der Krawattenzwang nicht ganz so eng gesehen, aber sobald Kundenkontakt bestehe, sei der Schlips Pflicht, sagt Sparkassen-Pressechef Gerd Meyer.

Bei Werbeagenturen Natürlich gelten bei den hippen Kreativen der Düsseldorfer Werbebranche diametral andere Regeln als bei der Bank. Keine Überraschung also. Alena Full, die den cool-klingenden Job des Junior Print Producers bei der Werbeagentur Saatchi & Saatchi hat, geht im Sommer im kurzen schwarzen Kleidchen. Damit gehört sie bei weitem nicht zu den gewagtesten Kolleginnen. „Sommerzeit ist Tattoo-Zeit bei uns“, sagt Saatchi-Chef Christian Rätsch. „In der Kreativwirtschaft sehen wir den Dress entspannt.“ Jeans, Turnschuhe etc.: bei den Werbern kein Problem. „Auch unsere Kunden schätzen diese Freiheit, wenn sie zu uns kommen“, meint Rätsch. Ähnlich beim Wettbewerber BBDO. „Jeder ist frei darin, was er anzieht, es sollte nur den Kunden gegenüber angemessen sein“, sagt Sprecher Ulf Brychzy.

Im Hotel Auch wenn der Gast recht frei ist, wie er sich kleidet – für die Bediensteten in der Hotellerie gilt das nicht. Schon gar nicht im edlen Steigenberger Parkhotel. Dort steht Aylin Meric an der Rezeption. Die Hotelfachfrau trägt eine schicke Uniform: Binder, drüber eine Weste im Firmendesign, schwarze Hose, hohe Schuhe, lange weiße Bluse. Und das findet sie auch völlig in Ordnung. „Wir sind ein Sterne-Hotel, da gehört das dazu“, sagt Meric. Allerdings dürfen die Mitarbeiter im Sommer aufs Sakko verzichten, wenn es zu heiß ist, sagt Hoteldirektor Carsten Fritz.