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Jahresrückblick in Düsseldorf: 27. September, 3.35 Uhr: Feuer im Kö-Bogen

Jahresrückblick in Düsseldorf : 27. September, 3.35 Uhr: Feuer im Kö-Bogen

Oliver Schulz war einer der mehr als 60 Feuerwehrleute, die drei Wochen vor der geplanten Eröffnung das Werk eines Brandstifters löschen mussten. Zwei seiner Kollegen wurden dabei verletzt.

Als die Alarmierung für die Wache Oberkassel kam, wussten Oliver Schulz und seine Kollegen: "Das ist was Größeres." Denn der Löschdienst der Wachen von der Hütten- und der Münsterstraße war ja längst am Einsatzort. Spätestens da war klar: Am Kö-Bogen war nicht, wie so oft in Neubauten, ein hypersensibler Brandmelder losgegangen, und es war auch kein kleines Feuerchen.

1000 Grad heiße Flammen auf zwei Stockwerken, die zusammen rund 200 Quadratmeter messen — das war aber nicht die Herausforderung für die Feuerwehr. "Der Kö-Bogen hat ja schon eine besondere Aura", sagt Schulz. Und das auch aus einsatzplanerischer Sicht. Von allen großen Gebäuden der Stadt hat die Feuerwehr deshalb genaue Pläne, kann schon auf der Anfahrt Grundrisse, Zugänge und die Lage der Versorgungssysteme abrufen. Und besichtigt haben die Führungskräfte diese Gebäude auch.

"Im Kö-Bogen waren wir aber noch nie, hatten keine Einweisung — es war ja noch nicht fertig", sagt Schulz. Sicher, Baustellenbesichtigungen hatte es gegeben, auch die Zufahrten waren geübt. Aber die Wegführungen über die Großbaustelle hatten sich, je näher die Fertigstellung rückte, immer wieder geändert. "Und markante Orientierungspunkte wie der Tausendfüßler fehlten." Natürlich fanden die Oberkasseler trotzdem schnell zum Einsatzort, wo noch immer Flammen aus den zerborstenen Scheiben schlugen. Und sie hörten zum ersten Mal, dass einer ihrer Kollegen verletzt wurde, als eine Deckenplatte auf ihn fiel.

"Da kann man aber nicht lange drüber nachdenken." Oliver Schulz wurde dem Erkundungstrupp zugeteilt, der nach verletzten Bauarbeitern suchen sollte — auf der Großbaustelle wurde im September, drei Wochen vor der geplanten Eröffnung des Kö-Bogens, auch nachts gearbeitet.

Die Arbeiter hatten sich in Sicherheit gebracht. Schulz half mit, weitere nachrückende Einsatzkräfte einzuweisen, kümmerte sich dann um den Einsatzabschnitt "Breuninger". Das Modekaufhaus gegenüber vom Brandzentrum war völlig verqualmt. "Teilweise war da ja auch schon Ware eingeräumt. Wir taten alles, um den Schaden gering zu halten, sorgten dafür, dass der Rauch abzieht und mit ihm die immense Hitze", sagt Schulz. Er hat an diesem Tag nicht geglaubt, dass "hier irgendwer drei Wochen später eröffnet".

Zumal ja nicht nur das Feuer, sondern auch das Löschwasser Schaden verursacht. Im Kö-Bogen kam auch noch eine geplatzte Wasserleitung dazu. Trotzdem: am 17. Oktober eröffnete zumindest Breuninger wie geplant, "Unglaublich, was die Leute da geleistet haben — schon in der Nacht kamen die Ersten zum Aufräumen und Helfen", sagt Schulz voller Respekt.

Den zollten umgekehrt die Kö-Bogen-Macher auch der Feuerwehr, die durch ihr Vorgehen tatsächlich den Schaden eingedämmt hatte, der gleichwohl in die Millionen geht. Inzwischen steht fest, dass der Brand vorsätzlich in den von Windsor gemieteten Räumen gelegt wurde. Eine Spur von den Tätern hat die Kripo bis heute nicht.

Bis auf drei haben inzwischen alle Läden im Kö-Bogen geöffnet. Auch Oliver Schulz war schon da — "aber nur zur Einweisung mit der Feuerwehr."

(RP)