Streik in Düsseldorf: 24 Stunden Stillstand

Streik in Düsseldorf: 24 Stunden Stillstand

Keine Bahnen und nur einige Busse: Rund 1500 Mitarbeiter der Rheinbahn legten gestern ihre Arbeit nieder und damit fast vollständig den ÖPNV in der Stadt lahm. Die Düsseldorfer nahmen es meist gelassen - und gingen zu Fuß.

Volle Bürgersteige, dafür verschlossene U-Bahnhöfe und leere Bahnsteige: Der Streik bei der Rheinbahn zwang die Düsseldorfer gestern, auf Alternativen für den Weg zur Arbeit, zur Schule oder zum Einkaufen zu setzen. Alle Bahnen und fast alle Busse blieben im Depot, nur einige Buslinien verkehrten noch. Ein großes Chaos blieb aus - wohl auch, weil Rheinbahn und Verdi früh über den Streik informiert hatten.

Am Hauptbahnhof warteten die Fahrgäste auf Taxen. Die Fahrer hatten gestern deutlich mehr zu tun. Foto: Andreas Bretz

Entsprechend gut vorbereitet waren die Düsseldorfer. Wer genügend Zeit eingeplant hatte, ging zu Fuß: Auf den Bürgersteigen der Innenstadt war den ganzen Tag über mehr los als sonst. Zu Fuß unterwegs waren zum Beispiel Janine Berger (34) mit ihrem vier Wochen alten Sohn Tom und Isabelle Schellting (27). Vom Aquazoo und der Lindemannstraße in Flingern waren sie in die Altstadt spaziert, um sich zu treffen. "Man muss einfach die Zeit einplanen", sagt Berger, die Verständnis für die Streikenden hat. Hochzufrieden waren Düsseldorfs Taxifahrer. Wenn es nach ihnen ginge, könnte die Rheinbahn ruhig öfter streiken: "Jetzt lieben uns alle. Ich kann nicht mal eine Zigarette zu Ende rauchen", sagte Taxifahrer Stefan Michaelis bei einem kurzen Stopp an der Heinrich-Heine-Allee. Die lange Haltebucht, in der die Fahrer oft Schlange stehen, war gestern meist leer.

Bei den beiden Auszubildenden Claudia Bieda (21) und Miriam Jaworski (20) kam der Streik dagegen gar nicht gut an. "Ich zahle 60 Euro für eine Monatskarte, das ist ganz schön teuer. Dazu bin noch in der Ausbildung und habe ein Kind. Von der Rheinbahn würde ich mir schon eine Entschädigung wünschen", sagt Bieda. Jaworski hat das Glück, dass ihre Ausbildungsstätte, die weit außerhalb gelegene Kaiserswerther Diakonie, den angehenden Erzieherinnen wegen des Streiks frei gegeben. "Dort kommt man ohne Auto nur mit der U-Bahn hin."

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Auf Entschädigung können Kunden nicht hoffen: Streiks sind von der Mobilitätsgarantie in den Geschäftsbedingungen der Rheinbahn ausgeschlossen, wie eine Sprecherin betonte. Immerhin konnte das Unternehmen zumindest auf einigen Buslinien gestern den Betrieb aufrechterhalten: Insgesamt 120 Busse, gesteuert von Fahrern von Tochter- und Fremdunternehmen, waren den ganzen Tag über unterwegs. "Die Hälfte dieser Busse ist normalerweise in den Depots untergebracht. Die wurden aber von den Streikenden blockiert, deshalb haben wir 60 Busse schon Dienstag an einen anderen Ort gebracht", sagte die Sprecherin.

Das Auto nutzten indes weniger Menschen als angenommen: Nur vereinzelt bildeten sich Staus, bei den Car-Sharing-Anbietern "Drive Now" und "Car to go" waren den Tag über noch Autos zu bekommen. Eine Autovermietung am Hauptbahnhof gab aber an, ausgebucht zu sein.

Verdi und die Nahverkehrsgewerkschaft, die ebenfalls Mitarbeiter der Rheinbahn vertritt und zum Solidaritätsstreik aufgerufen hatte, waren zufrieden mit dem Tag. Laut Verdi beteiligten sich 1500 Mitarbeiter an dem Streik. "Sie sind kämpferisch und wollen für mehr Lohn eintreten", sagte Düsseldorfs Verdi-Chefin Stephanie Peifer. Man warte nun auf Reaktion der Arbeitgebervertreter. Bleibt die aus, könnte es laut Verdi noch vor der nächsten Verhandlungsrunde Mitte April erneut Streiks geben.

(RP)