24-Stunden-Protest in der Landeshauptstadt Korso rollt mit 500 Fahrzeugen durch Düsseldorf

Update | Düsseldorf · Mit einem Autokorso haben Demonstranten in Düsseldorf gegen die Bundespolitik demonstriert. Von den angemeldeten 1700 teilnehmenden Fahrzeugen kam aber nur rund in Drittel. Der Verkehr in der Innenstadt wurde dennoch empfindlich gestört.

So rollen die Demo-Fahrzeuge in Düsseldorf durch die Stadt
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So rollen die Demo-Fahrzeuge in Düsseldorf durch die Stadt

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Foto: Anne Orthen (orth)

Die Veranstalter des Protestes gegen die Politik der Bundesregierung am Samstag und Sonntag in Düsseldorf hatten mit 1700 Fahrzeugen gerechnet, die am Autokorso teilnehmen sollten. Davon war man am Ende dann doch ein deutliches Stück entfernt. Der Verkehr in der Innenstadt wurde am frühen Samstagabend aber dennoch empfindlich gestört. Nach einem weiteren Korso am Sonntag mit 100 Teilnehmern sprach die Polizei allerdings davon, dass mit flexiblen Verkehrsmaßnahmen dafür gesorgt wurde, dass „die ganz großen Verkehrsstörungen“ ausgeblieben seien.

Treffpunkt für die Teilnehmer, die mit Traktoren, Lkw und Autos anreisten, war der Messeparkplatz im Norden der Stadt. Gegen 13.30 Uhr herrschte dort am Samstag noch gähnende Leere. Gerade einmal vier Traktoren standen dort. Ein paar Monteure und Techniker waren damit beschäftigt, eine Bühne für die Kundgebung aufzubauen.

Eloi van der Schagt aus Krefeld war da schon vor Ort. Er habe eine Spedition mit 160 Lkw gehabt, sagte er. Die habe er zuerst aus Umweltschutzgründen auf Flüssiggas umrüsten lassen. Doch dann sei von der Bundesregierung die Unterstützung gestrichen worden. „Die haben für uns die Maut um 138 Prozent erhöht“, sagte er. Das habe er an seine Kunden nicht weiterreichen können. „Im Dezember mussten wir die Reißleine ziehen. Fast 250 Leute stehen jetzt auf der Straße.“

„Bei friedlichen Protesten machen wir regelmäßig mit“, erzählte Jürgen Weimann. Er hat in Langenfeld eine Baumschule und einen landwirtschaftlichen Betrieb. Er betonte aber, dass es sich nicht um einen Bauernprotest handelte. „Der ganze Mittelstand ist betroffen.“ Er war mit seiner Familie in einem Traktor und einem Unimog nach Düsseldorf gekommen. Übernachten wwollten sie aber nicht an der Messe, um auch am Sonntag beim Protest mitzumachen. „Wir haben Tiere zu versorgen, sind 24/7 im Einsatz.“

Demo in Düsseldorf: Das sind die Schilder der Bauern
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24-Stunden-Demo in Düsseldorf – Die Protestplakate der Bauern

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Foto: Christoph Schroeter

Auch Felix Schiller wollte am Abend wieder nach Hause fahren. Er war mit dem Traktor seiner Eltern aus Halver im Sauerland angereist. Anderthalb Stunden habe er für den Weg benötigt. Vorne am Traktor war ein Schild befestigt, „Die Politik ruiniert uns und das ganze Land“ stand darauf.

Sehr wohl eine Übernachtung hatte Michael Giebels mit seinen 15 Begleitern eingeplant – und er hatte das Ganze sehr professionell aufgezogen. „Ich bin Lkw-Fahrer und Lkw sind auch mein Hobby“, sagte er. Und so fährt er auch privat ein solches Gefährt. Von dem hatte er einen Überseecontainer auf dem Parkplatz abgerollt, der zu einer kleinen Wohnung ausgebaut ist.

Darin wollte er mit seiner Frau und dem Hund schlafen. Ein zweiter Wagen hatte auf einem Anhänger eine Baustellentoilette montiert. „Das ist einfach angenehmer bei solchen Veranstaltungen“, sagte er und stellte einen Grill auf einen der mitgebrachten Holztische. In den Urlaub fahren könne er mit seinem Lkw noch nicht. „Der ist erst 28 Jahre alt und hat noch kein H-Kennzeichen.“ Erst in zwei Jahren sei er dann von der von 18 auf 49 Cent erhöhten Maut befreit.

Am Ende waren es laut Polizei am Samstag rund 500 Fahrzeuge und gut 1000 Teilnehmer. Mit gut 30 Minuten Verspätung begann die Kundgebung. Doch der Hauptredner war abhandengekommen, er hatte einen Termin in Bitburg und musste weg. Somit wurde von der Bühne aus hauptsächlich das Prozedere des Autokorsos erklärt. Und dass die bei einem Spendenaufruf für die Organisation der Demo übrig gebliebenen Gelder an das Kinderhospiz Regenbogenland gespendet werden sollen.

Dann sprangen alle in ihre Fahrzeuge und es herrschte erst einmal ein ziemliches Verkehrschaos auf dem Messeparkplatz. Polizei und Ordner hatten alle Hände voll zu tun. Es war dann mittlerweile 17.30 Uhr geworden, als der Autokorso endlich Fahrt aufnahm.

Auf dem Weg über den Kennedydamm, die Kaiserstraße, Berliner Allee und Graf-Adolf-Straße in Richtung Kniebrücke kam es dann zu den erwarteten Verkehrsbehinderungen. Dann ging es hinüber nach Oberkassel und über die Oberkasseler Brücke zurück ins Rechtsrheinische und weiter zur Messe. Dabei kam es durch Rückstaus zu Chaos rund um die Heinrich-Heine-Allee.

Um 18.30 Uhr erreichten die Spitzenfahrzeuge wieder den Messeparkplatz. Die letzten Teilnehmer des Autokorsos kamen dann um kurz nach 19 Uhr wieder am Ausgangspunkt an. Hier verblieben nach einer Abschlusskundgebung einige der Teilnehmer für eine Mahnwache bis zum Sonntag.

Ihre Zahl wuchs im Laufe des Vormittags durch neue Demonstranten an, die sich an dem zweiten Autokorso beteiligen wollten, sodass sich dann kurz nach 12 Uhr rund 100 Fahrzeuge auf den Weg durch die Stadt machten. Erneut mit Verspätung, da zuvor einige der Teilnehmer laut hupend mit ihren Fahrzeugen zum Landtag gefahren waren, um dort ihr Positionspapier zu übergeben.

Ihre Forderungen und Meinungen hatten sie auch auf großen Plakaten geschrieben, die an den Fahrzeugen befestigt wurden. Zu lesen war beispielsweise „Schluss mit dem gehAMPEL“, „Deutsches Bier und Deutsches Brot gibt es nicht mit Grün, Gelb, Rot“ oder „Geht die Ampel aus, fahren wir nach Haus! Nicht unsere ReGIERung“.

Beendet wurde die Sonntags-Demonstration bereits gegen 13.40 Uhr, als das letzte Fahrzeug des Konvois den Ausgangspunkt an der Messe erreichte. Danach wurde die Versammlung für beendet erklärt, die Demonstrationsteilnehmer verließen den Versammlungsort. Die Demonstranten seien zum Teil von den Kundgebungen gegen die Corona-Maßnahmen bekannt gewesen, hieß es aus Polizeikreisen.

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