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Ereignis zieht nach Quebec: 2012 kein Ski-Weltcup in Düsseldorf

Ereignis zieht nach Quebec : 2012 kein Ski-Weltcup in Düsseldorf

2012 findet der Langlauf-Weltcup im Advent in Québec und nicht am Rhein statt. Die Landeshauptstadt will den Nordamerikanern an diesem Wochenende wieder zeigen, wie man solch eine Veranstaltung perfekt hinbekommt.

Jochen Behle freute sich wie ein kleines Kind, als er am Freitag am Rheinufer ankam. "Endlich Schnee", rief der Bundestrainer der Skilangläufer, als er die ersten, aus der Skihalle in Neuss angelieferten Lastwagenladungen auf der Düsseldorfer Weltcupstrecke sah. Nie passte der Titel "schneesicherster Weltcuport" besser als an diesem Wochenende.

Behle und seine Athleten haben Nachholbedarf. Denn bis hinauf zum Polarkreis gibt es in Europa kaum Schnee, auch in den Alpen macht er sich rar. Und überall da, wo ein Kunstschneeband fürs Training liegt, wird es eng. Die Langläufer, Kombinierer und Biathleten drängelten sich in den vergangenen Wochen bei ihren Trainingseinheiten in den wenigen Loipen.

Während der Weltcupauftakt vor zwei Wochen wegen Schneemangels in Norwegen von Beitostölen nach Sjusjön verlegt werden musste, stand ein Verzicht auf Düsseldorf nie zur Debatte. Die Pistenspezialisten haben in den vergangenen zehn Jahren gezeigt, dass sie eine wettkampftaugliche Strecke auch bei Regen, Wind und hohen Temperaturen hinbekommen.

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Im kommenden Jahr verzichtet der Internationale Skiverband (Fis) jedoch auf den mittlerweile etablierten Standort am Rhein. Fis-Renndirektor Jürg Capol (Schweiz) bestätigte gestern, dass Düsseldorf im kommenden Winter pausieren muss. "Dann können wir mal durchschnaufen", sagte Christina Begale, die Geschäftsführerin der Sportagentur Düsseldorf. Für die nächste Auflage 2013 kündigte sie neue Ideen an.

Im vergangenen Jahr hatte unsere Zeitung anlässlich der Vertragsverlängerung mit der Landeshauptstadt bis 2015 bereits berichtet, dass 2012/13 ausnahmsweise Kanada den Zuschlag für ein Rennen im Advent bekommt. Aber nicht auf den Olympiastrecken von 2010 in Whistler oder den im Weltcup erprobten Kursen in Canmore/Alberta, sondern in der 500 000-Einwohner-Stadt Québec finden die Wettbewerbe statt. Nach Düsseldorfer Vorbild wird es dort Sprintrennen auf einer rund ein Kilometer langen Loipe geben.

Es klingt kurios: Eine Delegation aus der Wintersportnation Kanada informiert sich an diesem Wochenende im herbstlich grauen Rheinland, wie man solch eine Veranstaltung perfekt hinbekommt. Weltweit gilt Düsseldorf als Paradebeispiel für ein derartiges Event. Im Vorfeld der Olympischen Winterspiele 2002 von Salt Lake City war bei der Präsentation der Teambekleidung in der Skihalle Neuss die Idee zu dem Rennen am Rheinufer geboren worden. Behle sagt: "Düsseldorf war die erste Metropole, die dieses aufwändige Unterfangen in dieser Größenordnung in Angriff genommen hat. Mit großem Erfolg, wie sich gezeigt hat."

City-Weltcups haben sich seitdem zum festen Element des Weltcups entwickelt. Nach Düsseldorf sind in diesem Winter noch Mailand, Moskau, Drammen bei Oslo und Stockholm Gastgeber für die Sprinter auf Langlaufskiern. Mehr Städte kommen für Capol derzeit nicht in Frage. Den Versuch, nach dem Vorbild anderer Sportarten in Asien Fuß zu fassen, schiebt die Fis bis zu den Olympischen Winterspielen 2018 auf. "Der Ferne Osten in ein schwieriges Pflaster für uns", sagt der Schweizer. Insbesondere das geringe Zuschauerinteresse an den Biathlon-Weltmeisterschaften 2009 in Pyeongchang ist Capol eine Warnung.

Im Westen Deutschlands kommt aus künftiger Ausrichter ausschließlich Düsseldorf in Betracht. Von Kölner Initiativen ist nichts bekannt. "Köln — wo ist denn das?", fragte Behle scherzhaft — und bekam Beifall von seinen Düsseldorfer Zuhörern.

(RP/jco)