Düsseldorf: 20.000 Erzieher und Sozialarbeiter protestieren vor Landtag

Düsseldorf: 20.000 Erzieher und Sozialarbeiter protestieren vor Landtag

Streik der Erzieherinnen und Erzieher

Im Kita-Streik kommen Arbeitnehmer und Arbeitgeber bislang auf keinen grünen Zweig. 20.000 Erzieher und Sozialarbeiter wollten mit einer Kundgebung vor dem Düsseldorfer Landtag nun auch Druck auf die rot-grüne NRW-Regierung ausüben.

Wenn Erzieherinnen streiken, sind bei der Ausstattung kreative Bastelprofis am Werk. Die einen feuern Seifenblasen aus Plastikpistolen in die Luft. Die anderen tragen selbst gemalte - und selbstironische - Schilder vor sich: "Kita - come in and burn out" oder "Wir trinken nicht nur Kaffee - wir essen auch Kekse" ist darauf zu lesen.

Ein Dutzend Frauen haben sich beim Demonstrationszug durch Düsseldorf silber-goldene Folien um die Schulter gelegt. Rettungsdecken? "Wir sind Gold wert" erklärt eine Demonstrantin, in deren Haaren eine Prinzessinnenkrone steckt.

So bunt und fröhlich der Protest auf der Straße, so ernst sind die Erzieher bei den Forderungen: Mit Trillerpfeifen, Trommeln oder Ratschen tragen Tausende Erzieher und Sozialarbeiter einen ohrenbetäubenden Protest vor den Landtag. 20 000 sind dem Aufruf von Verdi gefolgt - es kamen doppelt so viele wie die Gewerkschaft erwartet hatte.

Während Gewerkschaften und Arbeitgeber in Berlin verhandeln, verlangen die Demonstranten von der Landesregierung mehr als nur Lippenbekenntnisse. NRW-Familienministerin Ute Schäfer (SPD) hat bei der Abschlusskundgebung vor dem Parlament keinen leichten Stand. Als sie den Erzieherinnen minutenlang ihre grundsätzliche Unterstützung zusichert, drehen ihr viele demonstrativ den Rücken zu. "Wissen wir, wissen wir" oder "Wir wollen Taten sehen" skandiert die Menge, während die Worte der Ministerin im Lärm untergehen.

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Beim Kita-Streik gehen nicht nur Erzieherinnen in den Ausstand. Eine ganze Branche fordert bundesweit eine "Aufwertung" der Berufe. Und Aufwertung, das bedeutet unterm Strich zuallererst mehr Geld. Sozialpädagogen, Sozialarbeiter, Kinderpfleger, Heilpädagogen oder Beschäftigte von Einrichtungen der Behindertenhilfe: Sie alle wollen faktisch zehn Prozent mehr Gehalt.

Dagegen geht es am Rande der Kundgebung für eine kleine Frauengruppe vor allem um eine Aufwertung im wörtlichen Sinn. "Wir arbeiten im sozialen Dienst in einem Jugendamt und können es der Öffentlichkeit nie recht machen. "Ihr holt doch Kinder aus den Familien raus", das bekommen wir oft zu hören", sagt eine von ihnen. Und dann stimmen sie ihre Parole an: "Ob Jacqueline oder Chantal, wir beackern jeden Fall."

Nach vier Wochen steht jedoch nicht mehr jede Erzieherin hinter dem langen Streik der Gewerkschaften. Der kommunale Arbeitgeberverband in Nordrhein-Westfalen berichtet etwa von einigen Kita-Mitarbeitern in Recklinghausen, die wieder gerne ihrer Tätigkeit nachgegangen wären.

Jedoch hätte ihnen die Gewerkschaft gedroht, das bereits ausbezahlte Streikgeld von ihnen zurückzuverlangen. Verdi liegen zu diesem Fall keine Informationen vor. "Mir ist kein Streikbruch bekannt. Das ist ein billiger Versuch, die Verhandlungen zu beeinflussen", sagt ein Sprecher.

(dpa)