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Von Düsseldorf nach Gladbach: 200 Stellen bei SMS Siemag in Gefahr

Von Düsseldorf nach Gladbach : 200 Stellen bei SMS Siemag in Gefahr

Der Anlagenbauer zieht von Düsseldorf nach Mönchengladbach. Kündigungen schließt SMS-Chef Weiss nicht aus.

Der Anlagenbauer SMS Siemag hat mit einer schwächelnden Nachfrage für Stahl und Stahlwerke zu kämpfen. Vergangene Woche wurde bekannt, dass SMS die Standorte in Düsseldorf und Hilden schließt und komplett nach Mönchengladbach zieht. Im RP-Interview nannte SMS-Hauptaktionär und Aufsichtsratschef Heinrich Weiss erstmals konkrete Zahlen.

"In Düsseldorf und Hilden arbeiten heute 1400 Mitarbeiter. Ich gehe davon aus, dass wir nach dem Umzug 2017 etwa 1200 Arbeitsplätze zusätzlich nach Mönchengladbach bringen", sagt Weiss. 200 Stellen werden im Verlauf des Umzugs also wegfallen. "Wir streben einen sozialverträglichen Stellenabbau an, etwa über natürliche Fluktuation und Altersteilzeitregelungen. Entschieden ist aber noch nichts. Wir führen gerade die Gespräche mit den Betriebsräten. Betriebsbedingte Kündigungen können wir allerdings nicht vollständig ausschließen", sagt Weiss.

Aufgrund der schwierigen Lage in der Stahlindustrie mit ihren weltweiten Überkapazitäten seien in den vergangenen Jahren im Durchschnitt nur knapp über drei Milliarden Euro Auftragseingang erzielt worden. "Wir brauchen in der Regel aber 3,8 bis 4 Milliarden Euro pro Jahr, um die Kapazitäten voll auszulasten. Deshalb werden wir die bisher getrennten Unternehmen SMS Meer in Mönchengladbach und SMS Siemag in Düsseldorf zusammenlegen", so Weiss

Die Überkapazität in der weltweiten Stahlerzeugung wird auf 20 Prozent geschätzt. In den vergangenen Jahren hätten außerdem eine schwache Stahlkonjunktur sowie die Krise in Russland und der Ukraine das Projektvolumen weiter reduziert. "Wir sind zwar vom Embargo nicht direkt betroffen, aber unsere Kunden haben durch die Sanktionen Probleme bei der Finanzierung ihrer Investitionen", sagt Weiss. Bis 2017 sollen bei SMS insgesamt 250 Millionen Euro eingespart werden. Zurzeit sei SMS finanziell noch sehr gesund, auch wenn die Ergebnisse seit zwei Jahren rückläufig seien. Das Unternehmen schütte nur zehn Prozent des Gewinns aus. Daher gebe es finanzielle Reserven. "Jetzt müssen wir aber handeln, bevor Verluste entstehen", ergänzt Heinrich Weiss.

Durch die Standortverlegung von Düsseldorf nach Mönchengladbach an sich soll es übrigens keine Einspareffekte geben. Die Kostensenkungen entstehen laut Weiss durch das Heben von Synergien in der Verwaltung und durch eine bessere Zusammenarbeit der Teams. "Jetzt wollen wir aber die Doppelstrukturen beseitigen", sagt Weiss.

In Gladbach wurde angrenzend an das Werk von SMS Meer das ehemalige Schlafhorst-Gelände gekauft. Dort wird ein neues Büro gebaut. Die bisherige Hauptverwaltung in Düsseldorf bleibt Eigentum von SMS und soll nach dem Wegzug 2017 als Bürofläche vermietet werden.

(RP)