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Geschwindigkeitskontrollen: 20 Fahrverbote in drei Stunden

Geschwindigkeitskontrollen : 20 Fahrverbote in drei Stunden

Mehr als 70 Autofahrer fuhren am Donnerstagabend mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit in den Rheinalleetunnel. Ein ernüchterndes Ergebnis einer Schwerpunktkontrolle, sagt die Polizei. Dabei war die Aktion an der unfallträchtigen Stelle sogar vorher angekündigt worden.

Als die Verkehrspolizei sich am Donnerstag gegen 20.30 Uhr an der Tunneleinfahrt in Richtung Heerdter Dreieck positionierte, rechneten die Beamten nicht unbedingt mit viel Arbeit. Denn städtische Angestellte hatten gerade eine Fahrspur in die gleiche Richtung auf der Kniebrücke gesperrt, das Tempo war also ohnehin verlangsamt — dachten sie.

Denn anderthalb Stunden später hatten die Polizisten schon 14 Anzeigen geschrieben. Das bedeutet: 14 Autofahrer waren schneller als 104 Kilometer pro Stunde unterwegs. Erlaubt sind auf diesem Abschnitt 80 km/h, drei Stundenkilometer werden innerorts als Toleranzwert abgezogen. "Überschreitung im niedrigeren Bereich haben wir erst gar nicht gemessen", sagt Polizeisprecher Markus Niesczery, der das Ergebnis als "ernüchternd" wertete.

Denn die Tempokontrolle, mit der die Polizei auf eine Reihe schwerer Unfälle im Bereich des Rheinalleetunnels reagierte, war im Vorfeld sogar groß angekündigt gewesen. Aber das ließ die Autofahrer offenbar kalt. Und viele, die als zu schnell gemessen wurden, reagierten mit Unverständnis auf die Kontrolle. Schließlich sei die Tunneleinfahrt kein Unfallschwerpunkt.

Doch erst im März war ein Autofahrer dort ums Leben gekommen, 16 Menschen in den vergangenen zwölf Monaten schwer verletzt worden, und immer war zu hohes Tempo die Ursache. Im vorigen Jahr waren stadtweit 14 Prozent der Verkehrsunfälle durch zu schnelles Fahren verursacht worden, so viele, wie seit Jahren nicht mehr.

2011 waren aber auch deutlich weniger Bußgelder wegen Geschwindigkeitsüberschreitungen verhängt worden. Das Wort "Abzocke", sagt deshalb Martin Vonstein, Leiter der Verkehrsdirektion der Polizei, "kann ich im Zusammenhang mit unseren Kontrollen nicht mehr hören." Seit Februar gilt auf der Strecke aus Lärmschutzgründen zwischen 22 und 6 Uhr Tempo 60. Dass die Neuregelung noch nicht ins Bewusstsein vorgedrungen sei, war allerdings für die Fahrer, die nach 22 Uhr mit mehr als 84 Kilometern pro Stunde gemessen wurden, keine gelungene Ausrede.

"Ausnahmslos waren die 59 bis Mitternacht gemessenen Fahrzeuge schneller als 100 km/h, wären also auch bei erlaubten 80 schon im Anzeigenbereich gewesen", so Niesczery. Den Negativrekord erreichte kurz vor Mitternacht ein 36-jähriger Autofahrer mit 119 Stundenkilometern.

Vor Abzug des Toleranzwertes war er damit doppelt so schnell wie erlaubt, was ihm neben einer Geldbuße von 280 Euro drei Punkte in der Flensburger Verkehrssünderkartei und ein zweimonatiges Fahrverbot einbringen wird. Mit Fahrverboten müssen insgesamt 20 der 73 Schnellfahrer rechnen, alle anderen kamen mit Bußgeldern von mindestens 35 Euro und Punkten davon.

Die Kontrollen im Bereich des Rheinalleetunnels werden nach diesem Ergebnis verstärkt fortgesetzt, heißt es bei der Polizei.

Hier geht es zur Infostrecke: Der Blitzer-Bußgeldkatalog 2012

(anch)