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Düsseldorf: 19-jähriger Unfallfahrer verurteilt

Düsseldorf : 19-jähriger Unfallfahrer verurteilt

Jugendlicher verunglückte mit zwei Freunden auf dem Heimweg aus der Disco.

Mit 19 Jahren stehen drei junge Männer vor den Trümmern ihres Lebens. Bei einem Disko-Unfall vor einem Jahr waren sie nachts im Rhein-Sieg-Kreis mit einem Sportwagen verunglückt, beide Kumpels des 19-jährigen Fahrers wurden schwer verletzt und mühen sich bis heute, wieder auf die Beine zu kommen. Das sagten die zwei Unfallopfer gestern im Prozess gegen den damals angetrunkenen Fahrer beim Amtsgericht. Er kam beim Unfall glimpflich weg. Doch wegen der folgenschweren Hirnschäden seiner Passagiere "haben auch Sie Ihr Päckchen zu tragen", so der Richter.

Auf jener kurvenreichen Strecke gab es von 2012 bis 2014 fünf schwere Unfälle, alle wegen zu hohem Tempo. Doch davon wissen der Angeklagte und seine Mitfahrer nichts mehr. Sie betonten, ihre Erinnerung an die Unfallnacht sei wie ausgelöscht. Eins der Opfer, das im Fond des Sportwagens saß, erklärte: "Man hätte mir erzählen können, ich hätte einen Flugzeugabsturz gehabt" - so "null und nix" wisse er von dem Unfall. Ähnlich äußerte sich der Fahrer. Er wisse nur, dass er vor der Disco (im Sportwagen seines Vaters) mit einem Kumpan "ab und zu genippt" habe an einen Wodka-Mixdrink. Dann habe er stundenlang nichts getrunken. "Eigentlich wollten wir für die Heimfahrt ein Taxi nehmen", aber dann sei er selbst losgefahren. "Ich habe den Alkohol unterschätzt." Mit 0,77 bis 0,93 Promille ist er in einer Rechtskurve bei 80 bis 102 km/h geradeaus gefahren, der Wagen überschlug sich, rutschte 50 Meter auf dem Dach weiter. Der Fahrer kam aus eigener Kraft aus dem Wrack heraus. Doch seine Passagiere mussten mit schwerem Schädel-Hirn-Trauma in Kliniken, einer leidet bis heute unter verwaschener Sprache, schlechtem Gedächtnis - und ist jetzt obendrein Brillenträger. Der zweite, der von der Feuerwehr aus dem Wrack herausgeschnitten wurde, musste seinen Traumberuf als Zeitsoldat wegen der massiven Hirnschäden längst begraben. Beide Opfer mussten mühevoll lernen, wieder zu sprechen, stehen vor einer ungewissen Zukunft. Einer gab an: "Wenn mein Onkel morgens anruft, weiß ich davon mittags nichts mehr."

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Der Richter kam gegen den Unfallfahrer zum Schuldspruch, verzichtete aber auf eine strenge Strafe. Stattdessen wurde ihm der Führerschein abgenommen, er muss soziale Gruppenarbeit leisten und einen Kurs zur Verkehrserziehung besuchen. Zur Begründung verwies der Richter auf "das ganz tragische Ereignis, das niemand so gewollt hat". Ob die Eltern der Unfallopfer weitere Ansprüche gegen den Fahrer geltend machen, ist unklar.

(RP)