Düsseldorf: 16 Festnahmen bei Großeinsatz in Problemhäusern

Düsseldorf : 16 Festnahmen bei Großeinsatz in Problemhäusern

Die Polizei kontrollierte am Donnerstag mehrere Innenstadt-Häuser, die als Unterschlupf für Kriminelle, vor allem für auswärtige Einbrecher, bekannt sind. Auch einschlägige Lokale wurden überprüft, 16 Personen vorläufig festgenommen.

Das Kriminalkommissariat 14, zuständig für Wohnungseinbrüche, kommt zurzeit kaum zur Ruhe. "So schlimm war der Dezember schon lange nicht mehr", sagt der Leiter Dieter Töpfer. Dass seine Fahnder allein vorige Woche 15 Täter festgesetzt haben, macht sich kaum bemerkbar: 18 bis 20 Taten an einem einzigen Tag sind derzeit eher die Ausnahme als die Regel. "Und Düsseldorf ist damit nicht einmal ein Sonderfall - anderen Städten geht es genauso", sagt Töpfer frustriert.

Die alarmierenden Zahlen waren einer von mehreren Gründen für einen Großeinsatz, mit dem die Polizei seit dem späten Mittwochabend an einschlägig bekannten Adressen den Druck auf die Szene zu erhöhen versuchte.

In der Nacht hatten die Fahnder vor allem Wettbüros und Kneipen im Visier. Dabei geht es um Lokale, die während aktueller Ermittlungen aufgefallen sind und die als Treffpunkte in der Kriminellen-Szene bekannt sind. Am frühen Morgen dann machten sich rund 100 Beamte zu Hausbesuchen auf. Das Polizeigesetz erlaubt den Beamten unter strengen Voraussetzungen, Wohnungen zu betreten, um dort Personen zu kontrollieren - nämlich dann, wenn der Verdacht besteht, dass sich in diesen Wohnungen Straftäter aufhalten oder von dort aus Straftaten begangen werden.

Eines der drei Mehrfamilienhäuser, die der Polizei aus etlichen Ermittlungsverfahren vor allem wegen Einbruch und Diebstahl bekannt sind, steht an der Stresemannstraße. Im Treppenhaus schlägt den Polizisten erbärmlicher Gestank entgegen. Im unbeleuchteten Gang zum Hinterhof stehen Pfützen, im Hof türmt sich Gerümpel. In einem Anbau öffnen verschlafene Bewohner den Beamten die Tür.

Die Zwei-Zimmer-Wohnung ohne Bad (im Treppenhaus gibt es eine Toilette hinter einer Tür, an der die Klinke fehlt) kostet angeblich 1100 Euro Miete, sagt einer der Bewohner. Insgesamt sind es 15 Personen, die in diesen Räumen hausen. Als Kleiderschrank dienen Plastiktüten vom Discounter, die an Nägeln aufgehängt sind. Zu zweit und dritt schlafen sie auf Sofas und Matratzenlagern. Auch Kinder sind dabei. Zwischen den Nachtlagern liegt ein grob zerteiltes Schwein auf einem Tisch. Der blutige Kopf grinst aus einer Plastikschüssel obendrauf. Ein Elendsquartier, wenige hundert Meter von der Kö entfernt.

28 Menschen sind allein in diesem Anbau untergekommen. Nicht alle sind auch dort gemeldet, die meisten der Erwachsenen aber dafür aktenkundig bei der Polizei. Ein 18-Jähriger, gegen den wegen Raubes ermittelt wird etwa. Und auch der 64-Jährige, der einen Ausweis zeigt, der bis 2070 (!) gültig ist. Der Mann wird vorläufig festgenommen, bei ihm wie bei vier weiteren besteht der Verdacht, dass er sich illegal in Deutschland aufhält.

In den drei gestern kontrollierten Häusern hat die Polizei 140 Erwachsene überprüft, die Objekte später durch Zivilfahnder überwachen lassen. Über die teils "katastrophalen hygienischen Zustände" wird die Polizei die Stadt informieren. "Man muss prüfen, ob diese Quartiere bewohnbar sind", sagt Einsatzleiter Frank Kubicki. Von einer Situation wie im bundesweit berüchtigten Duisburger Problemhaus könne in Düsseldorf nicht die Rede sein. "Mit Einsätzen wie diesem versuchen wir auch, solche Entwicklungen zu verhindern", so Kubicki. Und es gibt eine ganze Reihe solcher Häuser in Düsseldorf, die die Polizei entsprechend im Auge hat.

Es geht bei solchen Großeinsätzen - dieser war der vierte in diesem Jahr - nicht vordringlich um Verhaftungen. "Wir erfahren viel über die Strukturen der Szene. Und das hilft uns bei weiteren Ermittlungen", sagt Kubicki. Viele der Einbrecher, die Düsseldorf derzeit heimsuchen, reisen aus Belgien und Holland an, quartieren sich etwa in Hotels in Bahnhofsnähe ein. Auch diese wurden gestern überprüft - nicht selten nimmt man es dort mit den Meldelisten nicht sehr genau. Vor allem junge Mädchen, die tagsüber auf Einbruchstour gehen, werden von ihren Bandenchefs dort einquartiert. Auch unter den vergangene Woche Festgenommenen waren überwiegend Frauen. Auch eine 18-Jährige, die vor einem Jahr nach einem Einbruch ins Polizeigewahrsam kam - und dort ein Baby zur Welt brachte. Auch diesmal musste sie nicht bleiben. Nur gegen fünf der 15 Festgenommenen erwirkte die Polizei Haftbefehle. Die junge Mutter war nicht dabei.

Gestern mussten zumindest drei Männer zum Haftrichter, die Zivilfahnder nach einem Einbruch auf der Münchner Straße gestoppt hatte. Sie könnten für eine ganze Reihe von Taten in Frage kommen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Dezember 2014: Polizei kontrolliert Einbrecher

(RP)