1. NRW
  2. Städte
  3. Düsseldorf

Serie Made In Düsseldorf: 15 Uhrmacher bauen Zeitmesser in Heerdt

Serie Made In Düsseldorf : 15 Uhrmacher bauen Zeitmesser in Heerdt

Der Luxusuhren-Hersteller Elysee holt seine Produktion nach Düsseldorf und will so ein Alleinstellungsmerkmal schaffen.

Wer an Edel-Uhren denkt, dem kommt meist die Schweizer Uhr in den Sinn. Aber Uhren aus Düsseldorf — das klingt auch für eingefleischte Düsseldorfer fremd. Doch es gibt sie, die Uhren "Made in Düsseldorf". Sie stammen aus dem Hause Elysee. Und sie entstehen in einer kleinen, feinen Uhrenschmiede im Stadtteil Heerdt.

Sohn Julian (l.) und Vater Reiner Seume — die Chefs bei Elysee Foto: Bretz, Andreas

Dort ist die Firma von Reiner Seume. "Schweizer Uhren sind eine Marke, das ist klar, aber es ist eine austauschbare Marke", sagt Seume. "Uhren mit der Aufschrift Made in Düsseldorf sind dagegen ein echtes Alleinstellungsmerkmal. Und darauf setzen wir", so der Firmengründer.

Die Produktpalette reicht von der Qualitätsuhr für 250 Euro bis zur Luxusuhr. Die teuerste Uhr, die bei Elysee jemals verkauft wurde, war aus Gold und kostete mehr als 13 000 Euro. Spezialgebiet der kleinen Uhrenfirma sind Zeitmesser in limitierter Auflage und mit ganz individueller Gestaltung. Am liebsten haben die Seumes Uhren mit Bezug zum Rennsport. Reiner Seume und sein Sohn Julian, der in der Firma mitarbeitet, sind begeisterte Oldtimerfreunde und fahren privat bei klassischen Rennen und Rallyes mit. Eine Uhr für rund 1500 Euro etwa trägt den Namen Jochen Mass, des früheren Rennfahrers aus der Formel 1, der 1989 das legendäre 24-Stunden-Rennen von Le Mans gewann.

Seit 2006 hat sich Elysee die Rechte am Namen Graf Berghe von Trips gesichert. Seither steht der legendäre Rennfahrer der 1950er Jahre, der 1961 bei einem Autorennen ums Leben kam, als Testimonial für die Düsseldorfer Uhren.

Die Uhrenmarke Elysee hat eine lange Tradition. "Der Uhrmacher Jacques Beaufort gründete in einem kleinen Ort in der Nähe von Bémont in der Schweiz seine eigene Uhrenfertigung unter dem Namen Elysee", erzählt Reiner Seume, der in seinem Privatbesitz eine Uhr aus der Zeit der Ursprungsmarke besitzt. Doch mit dem Tod von Beaufort endet zunächst auch die Geschichte der Marke.

Erst im Jahr 1960 wird in der Goldstadt Pforzheim die Marke neu registriert. Weiterhin werden überwiegend mechanische Uhren hergestellt. 1991 stößt der Kaufmann Reiner Seume auf die in Vergessenheit geratene Uhrenmarke und erwirbt die Rechte für den Vertrieb. Im selben Jahr wird Elysee wiederbelebt. Seume baut in den Folgejahren das deutsche Vertriebsnetz aus.

Anfang produzierte Elysee seine Uhren zu einem Teil in Fernost. Seit fast fünf Jahren wird in Deutschland produziert. Heute gehen 70 Produzent der Elysee-Uhren in den Export bis nach Australien und Südafrika. Mit 15 Uhrmachern wollen Reiner Seume und Junior-Chef Julian ab Januar nahezu alle ihrer Zeitmesser in Düsseldorf bauen. Zwar werden die Gehäuse nicht am Rhein gestanzt, sondern aus der Schweiz importiert. Aber die Montage und das Design sollen in Düsseldorf entstehen. Die Maschinen seien bereits auf dem Weg in die Landeshauptstadt. Über eine mögliche Aufstockung des Personals wird im Hause Elysee wegen der Produktionsverlegung nachgedacht.

Sorgen um steigende Preise haben die Seumes nicht. "Bei Uhren in unserem Preissegment schauen die Kunden nicht so sehr auf den Euro. Bei solchen Zeitmessern geht es vor allem um das Besondere. Unsere Kunden sind Menschen, die Handwerk und Technik und Präzision schätzen", meint der Senior.

"Wir fühlen uns eindeutig als Düsseldorfer Marke", sagen Vater und Sohn Seume, die beide in Oberkassel zu Hause sind. Allerdings sei Elysee als kleine Marke in den Köpfen der Düsseldorfer nicht als solche so fest verankert wie etwa Löwensenf, Altbier, Killepitsch oder eben Persil. Doch daran arbeiten die Seumes. "Für uns ist auf dem deutschen Markt heute das Made in Düsseldorf wichtiger als der Slogan Made in Germany", sagt Julian Seume. Auch deshalb tragen die meisten Uhren auf der Rückseite den Schriftzug "Düsseldorf / Germany" in Metall geprägt.

(RP/ila)