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Jugendbande in Düsseldorf zerschlagen: 14-jähriger Serientäter in Haft

Jugendbande in Düsseldorf zerschlagen : 14-jähriger Serientäter in Haft

Die Kripo hat eine Serie von mehr als 26 Einbrüchen in Flingern geklärt. Einer der Täter war erst im Juli mit einer Jugendbande aufgeflogen. Da war er noch nicht strafmündig. Dass sein damaliger Anführer verhaftet wurde, hat ihn offensichtlich wenig beeindruckt.

Drei seiner Komplizen haben umfassende Geständnisse abgelegt, haben der Kripo von nächtlichen Raubzügen durch Gaststätten in Flingern berichtet, von der Beute, die sie danach vertranken, in Spielhallen verzockten oder — auch die 14-Jährigen — für Bordellbesuche ausgaben. Nur Fekret S. lehnte sich im Gespräch mit einem Vernehmer grinsend zurück und sagte kalt: "Beweisen Sie mir doch mal was."

 Staatsanwältin Dorit Waligura und Wolfgang Wierich, Leiter des Jugendkommissariats,ermitteln schon seit Monaten gegen die Jugendbande.
Staatsanwältin Dorit Waligura und Wolfgang Wierich, Leiter des Jugendkommissariats,ermitteln schon seit Monaten gegen die Jugendbande. Foto: Hans-Juergen Bauer

Es sei, sagt Dieter Töpfer, Chef der Einbruchsermittler und ein erfahrener Kriminalist, "sehr ernüchternd, einem gerade erst 14 Jahre alt gewordenen Knirps gegenüberzusitzen, der sich benimmt wie ein alter Gewohnheitsverbrecher." Dabei hatten es die Ermittler schon im Juli geahnt, als der noch 13-jährige gebürtige Mazedonier mit einer Jugendbande aufflog, die in Flingern Einbrüche begangen, Passanten ausgeraubt und ein Auto gestohlen hatte. "Ihr könnt mir gar nix, ich bin erst 13", hatte Fekret S. seinerzeit den Polizisten gesagt. Auch das Gespräch mit seinen Eltern ließ die Jugendfahnder nicht hoffen. Im Gegenteil. Für Fekrets Zukunft, sagte seinerzeit Jugendkommissariatschef Wolfgang Wierich, fürchte er "das Schlimmste."

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Es ist vielleicht das erste Mal in seinem Leben, dass Fekret S. die in ihn gesetzten Erwartungen erfüllt hat. Nur wenige Tage nachdem Haftbefehle gegen die beiden Anführer der Gang (19 und 15 Jahre) erlassen wurden, war der Jugendliche nachts wieder losgezogen. Im Schlepptau: Samir P. (16), Brian U. (18), Dominik R. (20), Victor C. (14) und Gian-Luca I. (15). Einige der Jugendlichen hatten zuvor der Kripo erzählt, der Cliquen-Boss Bosidan habe sie mit Schlägen und Drohungen zum Einbrechen gezwungen. Nun räumten sie Gaststätten aus, deren Fenster oder Türen zuvor der bereits 20-jährige Dominik aufgebrochen hatte. Der Deutsche war den Jugendlichen aufgrund seiner geistigen und seelischen Reife wohl eher unterlegen, sagte am Freitag Dieter Töpfer. Und auch Amid D., der bereits 27 Jahre alte Bruder des im Juli inhaftierten Bandenchefs, der unter amtlicher Betreuung steht, soll eher ein Mitläufer von Fekret S. gewesen sein.

Der feierte am 20. September seinen 14. Geburtstag, mit dem die Strafmündigkeit beginnt. Was er davor getrieben hatte, nennt Staatsanwältin Dorit Waligura "ausgeprägte Kinderdelinquenz". Die Jugenddezernentin sagt: "Wir wussten seit geraumer Zeit, dass wir da ein Problem haben." Doch die Strafverfolger hatten keine Möglichkeit, Fekret S. zu stoppen. Und auch das Jugendamt kam offenbar nicht weiter. Gegen den Vater, der selbst schon mit dem Gesetz in Konflikt gekommen sein soll, ist inzwischen ein Strafverfahren wegen Verletzung der Aufsichtspflicht eingeleitet worden.

Die Kripo war den Jungen um Fekret S. längst auf den Fersen, hatte anhand von Videobildern aus den bestohlenen Gaststätten einige der Einbrecher identifiziert. Noch vor den Herbstferien wollten die Beamten die Gang festnehmen. "Wir hatten Sorge, dass sie die freie Zeit sonst exzessiv für Einbrüche nutzen würden," sagte Töpfer. Dabei hatten die meisten der Jugendlichen mit Schule längst nichts mehr am Hut. Sie verließen nachts ihre Kinderzimmer, kamen erst in den frühen Morgenstunden von ihren Einbruchstouren zurück. "Für Unterricht war da kaum Zeit."

Am 9. Oktober wollten die Beamten einen inzwischen erwirkten Haftbefehl gegen Fekret S. vollstrecken und die Wohnungen von insgesamt sechs Verdächtigen durchsuchen. Doch die Kollegen vom Nachtdienst kamen ihnen zuvor, nahmen den jungen S. mit dem Anfang des Jahres aus Mönchengladbach zugezogenen Samir P. und dem wohnsitzlosen Kubaner Brian U. bei einem Einbruch in ein Lokal an der Lennéstraße auf frischer Tat fest. Bevor das Trio das von der Polizei umstellte Haus verließ, versteckten sie ihre Beute am und im Körper. Später stellte sich heraus: Die Drei waren kurz nach Mitternacht losgezogen, hatten schon Einbrüche in ein Autohaus an der Mettmannerstraße und in vier andere Gaststätten hinter sich, bevor ein Zeuge sie an der Lennéstraße beobachtet und die Polizei alarmiert hatte.

(top/jco)