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Düsseldorf: 13 Gymnasien haben zu wenig Lehrer

Düsseldorf : 13 Gymnasien haben zu wenig Lehrer

An Düsseldorfer Gymnasien fehlen mehr Lehrer als in anderen Großstädten Nordrhein-Westfalens. An 13 von 17 Gymnasien der Landeshauptstadt arbeiteten zum Stichtag im Oktober 2014 weniger Pädagogen als eigentlich vorgesehen.

Zum Vergleich: In Duisburg weisen nur zwei von zehn Gymnasien einen solchen "Personalunterhang" aus, in Essen sind es sechs von 17 und in Krefeld drei von acht. Wolfgang Scheffler (Grüne), Vorsitzender des Schulausschusses, ist irritiert und fordert von der zuständigen Bezirksregierung und dem Land, das "erhebliche Missverhältnis zu den Nachbargemeinden" zu erklären. Außerdem will er wissen, was getan wird, "um diesen Missstand zu beheben".

Die für Düsseldorf ungünstigen Zahlen stehen in der Antwort der Landesregierung auf eine kleine Anfrage des scheidenden Düsseldorfer FDP-Landtagsabgeordneten Robert Orth. In der Landtagsdrucksache werden der festgelegte Stellenbedarf und die tatsächliche Personalausstattung miteinander verglichen. Zunächst für die sechs Schulformen Haupt-, Real-, Gesamt- und Sekundarschule, Gymnasien und Kollegs, in einer weiteren Anlage noch einmal gesondert für die einzelnen Gymnasien.

Auf den ersten Blick ist die Differenz nicht dramatisch. So müsste es an allen 17 Düsseldorfer Gymnasien insgesamt 938,07 Vollzeitstellen für Lehrer geben, faktisch waren es zum Stichtag 933,71, wobei jeder dieser Stellen 25,5 Unterrichtsstunden pro Woche entsprechen. Und auch bei jenen 13 Düsseldorfer Gymnasien mit zu wenig Lehrern beträgt bei 50 oder 60 vorgesehenen Vollzeitstellen pro Schule der Unterschied zwischen Soll und Haben meist nur eine halbe, eine oder zwei Stellen. Spannend wird es aber im Vergleich. So verfügen die Gymnasien in Duisburg insgesamt über rund 635 (Soll: 625), in Essen über rund 916 (Soll: 902) und in Krefeld über rund 406 (Soll: 391) Stellen. Das ist jeweils ein deutlicher Überschuss.

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Burkhard Hintzsche, städtischer Spitzenbeamter für Schulen, hat die Bezirksregierung um Aufklärung gebeten. Eine Antwort steht aus. Im NRW-Schulministerium ist das Thema bekannt. Von dort heißt es: Nicht zuletzt wegen der unterschiedlichen demografischen Entwicklung komme es an zahlreichen Schulen gegenüber dem rechnerischen Stellenbedarf zu einer zu hohen, zugleich jedoch an anderen Schulen zu einer zu niedrigen Personalausstattung.

Im Klartext: Es dauert, bis Düsseldorf als wachsende Stadt mit immer mehr Kindern Pädagogen aus schrumpfenden Städten zugewiesen bekommt. "Ein Lehrer, der in Duisburg vor nur noch 20 statt früher 25 Schülern steht, hat bis auf Weiteres trotzdem noch eine ganze Klasse zu unterrichten", erklärt Scheffler.

Strukturelle Defizite macht Christine Leithäuser, Leiterin des Görres-Gymnasiums an der Kö, für den Unterschied zwischen Soll und Haben verantwortlich: "Wenn ich im Oktober 2014 den Bedarf melde, ist das die Grundlage nicht etwa für das kommende, sondern erst für das Schuljahr 2016/17. Bis dahin kann viel passieren, was meinen Lehrerbedarf verändert."

Hinzu kommt: Für Langzeiterkrankte gibt es keinen Ersatz mehr. Problematisch findet die Rektorin auch die neue Referendarzeit. Die dauert nur noch 18 Monate. Davon verbringt der Nachwuchs sechs Monate außerhalb der Schule. "Während die älteren Referendare bereits in Prüfungsvorbereitungen stecken, besuchen die Jüngeren noch ihr Einstiegsseminar. Drei Monate lang fehlen uns acht Referendare mit ihren insgesamt 72 Wochenstunden."

Von Parteifreundin und NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann, vor allem aber von der Düsseldorfer Bezirksregierung, fordert der grüne Ratsherr Scheffler nun rasche Vorschläge. "Düsseldorf hat im Schulwesen viele Vorgaben zuverlässig umgesetzt, viel und gut investiert. Bei weiter steigenden Schülerzahlen und Klassen, die jetzt schon größer sind als andernorts, können wir nicht auch noch bei der Lehrerausstattung den Kürzeren ziehen."

(RP)