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Düsseldorf: 100-Meter-Wohnturm hinterm Bahnhof

Düsseldorf : 100-Meter-Wohnturm hinterm Bahnhof

Viele deutsche Städte kämpfen mit Bevölkerungsschwund. Düsseldorf gehört zu den wenigen Ausnahmen, die sich über mangelnden Zuspruch nicht beklagen können. Weil aber die Wohnungsnachfrage größer ist als das Angebot, steigen die Mieten kontinuierlich.

Gerade erst hat der Ring Deutscher Makler einen Anstieg von sechs Prozent im mittleren Preissegment vermeldet. Oberbürgermeister Thomas Geisel bekräftigt im RP-Gespräch sein Ziel, er wolle "die Mieten in den Griff bekommen". Um dies zu erreichen, sollen mehr Sozialwohnungen, aber auch insgesamt mehr Wohnungen fertiggestellt werden. Dies geschieht auch mit spektakulären Umorientierungen. So soll das hinter dem Bahnhof geplante 100-Meter-Hochhaus jetzt nicht mehr mit Büros bestückt werden. Die Gespräche mit einem Investor über eine reine Wohnnutzung sind nach RP-Informationen weit vorangeschritten.

Entwurf des Spitzenarchitekten

Das Hochhaus hat der deutsche Spitzenarchitekt Jürgen Mayer H. entworfen. Von ihm stammen auch die Pläne für das Hochhaus am Dominikus-Krankenhaus in Heerdt und die Fachhochschule FOM an der Brücke Jülicher Straße. Mayer H. plant hinter dem Bahnhof auf dem ehemaligen Postareal einen mächtigen Bau, dessen Fassaden mit organischen Formen gestaltet sind, die für ihn typisch sind. Daneben gibt es in diesem "Quartier M" andere Gebäude, auch ein weiteres Wohnhochhaus an der Erkrather Straße. Statt bis zu 500 könnten jetzt in dem neuen Quartier zwischen 1000 und 1200 Wohnungen entstehen.

Offen ist, wo auf dem Areal die 20 Prozent Sozial- sowie die 20 Prozent preisgedämpfte Wohnungen (8,50 bis 10 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter) gebaut werden sollen, die die Stadt verwirklicht sehen will. Klar ist, dass dies in einem Wohnhochhaus von 100 Metern schwierig ist, da dort die Erstellungskosten hoch sind und man keinesfalls Hochhausproblematiken provozieren möchte, wie sie aus Projekten der 70er Jahre bekannt sind. Dass Wohnen im Hochhaus eine Renaissance erfährt, ist andererseits klar: Der Vertrieb für das erste von drei Wohnhochhäusern im Pempelforter Quartier Central läuft gut.

Ziel: 3000 Wohnungen im Jahr

Das Ziel von 3000 Wohnungen im Jahr ist damit allein jedoch nicht zu erreichen. In den zurückliegenden zehn Jahren hat Düsseldorf maximal um die 1200 Einheiten erreicht. Wegen der vielen auf den Weg gebrachten Projekte geht die Zahl nun jedoch nach oben (siehe Grafik), den absehbaren Höhepunkt gibt es 2017 mit 3757 neuen Wohnungen. Für dieses Jahr wird mit 1490 und für nächstes Jahr mit 1890 neuen Einheiten gerechnet.

Die Zahl 3000 sieht Geisel als "Daumengröße". Der OB will den Zuwachs über eine zügigere Abwicklung innerhalb der Verwaltung erreichen und durch klare Vorgaben Planungssicherheit schaffen. "Zeit ist Geld, das ist für die Investoren eine gute Perspektive." Wer in Düsseldorf bauen wolle und sich an den wohnungspolitischen Zielen beteilige, komme rasch zum Zuge. Gleichzeitig will Geisel das Bauen billiger machen, unter anderem durch eine Reduzierung des Stellplatzschlüssels. Statt der erwarteten 14 000 könnten in den nächsten Jahren 18 000 bis 20 000 Wohnungen entstehen. Die Bebauung von Äckern, wie vom Ring Deutscher Makler ins Spiel gebracht, will Geisel erst erwägen, "wenn alle verfügbaren Flächen bebaut sind".

(RP)